Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Die entgegengesetzte Richtung

Den Dolch der mörderischen Ablehnung verstand auch Alfred Polgar zu handhaben, dem es die klebrigen Anbiederungsversuche des Stammgastes Weiß angetan hatten. Als er eines Nachmittags das Kaffeehaus verließ, folgte ihm…

Den Dolch der mörderischen Ablehnung verstand auch Alfred Polgar zu handhaben, dem es die klebrigen Anbiederungsversuche des Stammgastes Weiß angetan hatten. Als er eines Nachmittags das Kaffeehaus verließ, folgte ihm Weiß auf die Straße, gesellte sich devot an seine Seite und stellte ihm die scheinbar ausweglose Frage:

„In welche Richtung gehen Sie, Herr Polgar?“
er erhielt den prompten Bescheid:
In die entgegengesetzte.“

Torberg Friedrich, Gesammelte Werke, Band VIII. Die Tante Jolesch, München, 151988

In diesen Tagen, vor 85 Jahren, war für den „österreichischen Juden“ Alfred Polgar im nationalsozialistischen Deutschland kein Platz mehr. Anfang März 1933 floh er nach Prag. Am 10. Mai 1933 wurden seine Bücher verbrannt.

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Italienische Reise – Fiume / Rijeka

Überblicksseite Jüdischer Friedhof Fiume / Rijeka Die Grabsteine (The Gravestones) Personenregister Der Start einer kleinen Serie: Ausgehend von Triest eine Reise zu den jüdischen Friedhöfen in 4 Städten in Friaul…


Der Start einer kleinen Serie: Ausgehend von Triest eine Reise zu den jüdischen Friedhöfen in 4 Städten in Friaul und in 2 ehemals italienischen Städten, die heute in Kroatien liegen.
Wir beginnen in Fiume / Rijeka, wo sich der jüdische Friedhof in Cosala, einem höher gelegenen Stadtteil, auf dem Areal des städtischen Friedhofs befindet.

Es war schon ein besonderes Erlebnis, gleich beim Betreten des jüdischen Friedhofs auf vertraute Namen zu treffen, Mattersdorfer, Spitzer und Neufeld, Werndorfer und Hess aus Eisenstadt, Wohlmuth aus Rechnitz, Monath, Oppenheim und Epstein aus Wien usw. Aber sehr schnell wurde auch die dramatische Geschichte hinter vielen dieser Grabsteine klar. Kaum eine Familie, in der nicht Eltern, Geschwister, Kinder oder Enkel im Holocaust ermordet wurden. Meist erfolgte die Deportation über Triest nach Auschwitz.

So wissen wir zwar leider nicht, woher die „Mattersdorfer“ (später änderten einzelne Nachkommen ihren Namen auf „Mattei“) kamen. Wir wissen aber, dass die Familie in Fiume / Rijeka als bedeutende Familie galt. Anton (Elchanan, Sohn des Benjamin Seev) Mattersdorfer war mit Rabbiner Adolfo Gerloczi Gründer der Chevra Qadischa der Gemeinde. Mit seiner Ehefrau Ernestina hatte er mehrere Kinder. Warum Ernestina häufig mit dem Mädchennamen „Spitzer“ angeführt wird, konnten wir nicht feststellen, in der hebräischen Inschrift lesen wir jedenfalls: „Ester, Tochter des Zvi Mattersdorfer„.

Beide Söhne des Ehepaars wurden in der Schoa ermordet. Alfredo Mattersdorfer in Auschwitz, sein Bruder Carlo Felice Mattersdorfer in Buchenwald, Ehefrau Elsa Sachs und seine kleine Tochter Liliana wurden ebenfalls in Auschwitz ermordet.

Antonios Bruder Enrico / Heinrich Mattersdorfer, selbst verheiratet mit Olga Spitzer, hatte 2 Söhne, die beide Ehefrauen aus Wien bzw. Klosterneuburg hatten.

Am jüdischen Friedhof von Fiume / Rijeka finden wir auch das Grab von Gabriele (Ella) Monath, die als Gabriele Regina Oppenheim am 28. April 1870 in Wien geboren wird. Schon ihre Eltern, Sigmund Oppenheim und Anna Goldstein, heirateten 1865 in Baden bei Wien. Gabrieles Ehemann Ignazio Monat(h), geb. 1869 in Malacka (Slowakei), wurde von Triest nach Auschwitz deportiert und bei seiner Ankunft in Auschwitz ermordet.

Oder das Grab des böhmischen Weinhändlers Bernhard (Berl) Ruzicka, gest. 1938, der 1900 in Wien die auch in Wien 1881 geborene Olga Gewitsch heiratet. Sohn Paul Ruzicka kommt 1902, ebenfalls in Wien, auf die Welt.

Wir haben Fotos von 71 Grabsteinen des jüdischen Friedhofs in Fiume / Rijeka mitgebracht (in der neuen Kategorie „Mitbringsel / Souvenirs“).
Vielleicht bemerkenswert: Alle Inschriften sind entweder in hebräischer, deutscher, italienischer oder ungarischer Sprache, oft einsprachig, oft mehrsprachig.
Wir haben auch alle hebräischen Inschriften transkribiert, übersetzt und Synagogalnamen sowie Sterbedaten ausgelesen. In fast allen Fällen erhielten wir dadurch überhaupt erst ein korrektes Sterbedatum. Dabei geht es gar nicht nur um die notwendige Aufarbeitung der Geschichte der Juden, es geht primär darum, die Namen und Menschen hinter diesen Namen nicht zu vergessen…

Entdecken Sie mit uns den jüdischen Friedhof von Fiume / Rijeka und schreiben Sie mit uns ein kleines Stückchen der jüdischen Geschichte Eisenstadts weiter: Auch die bedeutende Weinhandlung „Leopold Wolf’s Söhne“ gründete 1890 eine Niederlassung in Fiume.



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Koschere Melange: neu serviert!

Am 18. August 2009 gingen wir mit unserem Museumsblog, der „Koscheren Melange„, online. Der Anspruch war damals derselbe wie heute: das Judentum als religiös-kulturell vielfältige Größe in Geschichte und Gegenwart…

Am 18. August 2009 gingen wir mit unserem Museumsblog, der „Koscheren Melange„, online. Der Anspruch war damals derselbe wie heute: das Judentum als religiös-kulturell vielfältige Größe in Geschichte und Gegenwart zu porträtieren und insbesonders auch allen Interessierten einen zeitnahen Einblick in die tägliche museale Arbeit zu gewähren.
Jetzt, fast auf den Tag genau 8.5 Jahre später, dürfen wir schon ein wenig stolz sein:

  • 2.436 Beiträge
  • 2.474 Kommentare
  • 10.055 Bilder
  • knapp 1 Million BesucherInnen/Jahr auf unserem Blog

Wie das mit der Statistik so ist: Zählen wir Beiträge und Kommentare zusammen, kommen wir immerhin seit Mitte 2009 auf täglich fast 1.6 Onlineaktivitäten.

Aber unsere „Koschere Melange“ drohte in letzter Zeit schon immer öfter überzugehen, das Blog aus allen Nähten zu platzen. Angesichts der Pläne und Ideen, die wir haben, lag die Entscheidung für ein Facelifting, einen Blog-Relaunch, nahe. Einerseits soll dieser uns technisch mehr Luft geben für die Zukunft, andererseits allen Benutzern bessere Lesbarkeit und vor allem volle Funktionsfähigkeit auf mobilen Endgeräten gewährleisten.

So geht die neue „Koschere Melange“ auch mit dem neuen Themenbereich „Indizes“ online.
Im Unterschied zum übrigen Österreich wurde in Ungarn die Matrikenführung der Religionsgemeinschaften mit 01. Oktober 1895 durch zivile Standesführung ersetzt. Mittlerweile sind zwar einige, aber längst nicht alle der jüdischen Indizes unserer Region von 1833 bis Herbst 1895 online verfügbar. Wir werden daher einerseits die fehlenden Bestände in der nächsten Zeit zu ergänzen versuchen, andererseits die zivil geführten jüdischen Sterbe- und Hochzeitsmatriken des Burgenlandes von 1895 bis 1938 fotografieren, indizieren und als Erstpublikationen online stellen (wird aber aufgrund unserer leider sehr überschaubaren personellen und finanziellen Ressourcen ein wenig dauern).

Von der jüdischen Gemeinde Deutschkreutz sind bislang noch keine Indizes online verfügbar. Der Sterbeindex der jüdischen Gemeinde Deutschkreutz (1833-1895) macht daher den Anfang und ist vorerst nur bei uns im Blog abrufbar.

Neben der Arbeit an den Geburts-, Hochzeits- und Sterbematriken-Indizes werden wir vor allem auch versuchen, weitere jüdische Friedhöfe des Burgenlandes möglichst vollständig aufzuarbeiten und wieder hier im Blog zu publizieren.
Kurzum: Mit dem Relaunch versprechen wir auch, unsere „Koschere Melange“ weiterhin lebendig zu halten!

Übrigens darf angemerkt werden, dass wir – wie bisher – auch den Relaunch selbst bewerkstelligt haben und keine zusätzlichen Kosten für das Museum anfielen.

Bleibt uns schließlich noch zu hoffen, dass unsere neue „Koschere Melange“ auch gefällt und Sie uns als treue Leserinnen, Leser und Kommentatoren weiterhin erhalten bleiben.

Mit den besten Wünschen für 2018

Johannes Reiss und das Team des Österreichischen Jüdischen Museums

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Chanukka 5778

Mit einem besonders hübschen, jedenfalls aber dem kleinsten Objekt unserer Sammlung wünschen wir allen Leserinnen und Lesern ein fröhliches Chanukkafest Happy Chanukka – חג אורים שמח und außerdem unseren christlichen…


Mit einem besonders hübschen, jedenfalls aber dem kleinsten Objekt unserer Sammlung

wünschen wir allen Leserinnen und Lesern ein fröhliches Chanukkafest
Happy Chanukka – חג אורים שמח
und außerdem unseren christlichen Leserinnen und Lesern
ein frohes Weihnachtsfest und allen einen guten Start ins Neue Jahr!


Zwei sehr ähnliche, wunderschöne Chanukkaleuchter, nur deutlich jüngeren Datums, finden sich im Jewish Museum of New York:

Chanukkaleuchter Copyright Jewish Museum New York

Bild-Copyright: The Jewish Museum New York


Chanukkaleuchter Copyright Jewish Museum New York

Bild-Copyright: The Jewish Museum New York


Auf den Sesselchen finden sich die hebräischen Buchstaben נח, die Abkürzung für hebräisch „ner chanukka“ (Chanukkalicht). Auf unserer Chanukkia (s. Bild ganz oben) können Sie die beiden Buchstaben auf dem 4. Sesselchen von links erkennen.

Nota bene: Die Chanukkia, die bei uns im Museum zu sehen ist, besteht aus 7 Sesselchen und 1 Bänkchen, auf dem 2 Flammen Platz haben. Wir vermuten, dass der zweite Platz dieses Bänkchens für den „Schammasch“ reserviert ist, also jenes „Dienstlicht“, mit dem die anderen 8 Lichter entzündet werden und das auf beiden Chanukkaleuchtern in New York überraschenderweise fehlt.


Die Geschichte zu diesen beiden Chanukkaleuchtern wollen wir Ihnen als Lesetipp sehr empfehlen: Objects Tell Stories: A Hanukkah Lamp Made of Eight Small Chairs

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