Akiba Eger und Chatam Sofer

Schon an anderer Stelle wurde angemerkt, dass die Prominenten der Judengassen im Burgenland in erster Linie dem Gelehrten- und Rabbinerstand angehörten und daher außerhalb des Judentums kaum eine größere Bedeutung erlangten. Eine Tatsache übrigens, die sowohl für die Wahrnehmung eines untergegangenen jüdischen Viertels als auch für die tägliche Museumsarbeit nicht ohne Folgen bleibt.
In diese Tage (Ende September bis Ende Oktober 2009) fallen vier Gedenktage (2 Geburtstage, 2 Jahrzeittage) von zwei wahrhaft Großen, deren Bedeutung aufs Engste mit der jüdischen Geschichte Eisenstadts verwoben ist:

Akiba Eger der Jüngere

Er wurde am 08. November 1761 in Eisenstadt geboren. Nach jüdischem Kalender war das Geburtsdatum der 11. Cheschvan (5522), welcher heuer auf den 29. Oktober fällt.

Das Geburtshaus von Akiba Eger war übrigens das Haus neben dem Wertheimerhaus, in dem heute unser Museum untergebracht ist. Akiba Egers Vater, Moses ben Samuel Güns-Schlesinger aus Eisenstadt, ist auf dem älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt begraben. In der Grabinschrift wird er als gelehrter Mann bezeichnet und in den Archivalien begegnet er uns oft als Verwalter (Kassier) der für die Armen Palästinas bestimmten Almosengelder. Er starb am 16. Schvat 5550 (= 31. Jänner 1790). Sowohl sein Grab als auch das seiner Frau Gütel (siehe unten) sind alljährlich das Ziel vieler orthodoxer Pilger aus aller Welt.

  • Grabstein von Moses ben Samuel Güns-Schlesinger
  • Grabstein von Moses ben Samuel Güns-Schlesinger, Rückseite mit Inschriftenplatte
  • Grabstein von Moses ben Samuel Güns-Schlesinger, Seitenansicht mit hebräischer Schrift


Schon der Vater von Moses Güns-Schlesinger, also der Großvater Akiba Egers, Samuel ben Ascher Margulies-Jafe, ebenfalls auf dem älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt begraben, brachte es zu großem Ansehen in der Gemeinde und erlangte zweimal die höchste Würde, die eines Gemeindevorstehers.

Als solcher führte er ein strenges Regiment, um Zucht und Sitte herzustellen und in die zerrütteten Finanzen der Gemeinde Ordnung zu bringen. Eine finanzielle Rolle in dem abgelegenen Orte zu spielen war ihm nicht beschieden. Eisenstadt war der Ruheort für die aus dem Wiener Weltmarkt leer zurückgekehrten Finanzmänner, aber kein Platz, der Bedingungen für einen Aufschwung bot.

Bernhard Wachstein, Die Grabschriften des alten Judenfriedhofes in Eisenstadt, Wien 1922, 116

Samuel Margulies-Jafe (auch Samuel Israel Schlesinger genannt) starb am 18. Nisan 5516 (= 18. April 1756).

Grabstein von Samuel Margulies-Jafe

Akiba Eger ist allgemein bekannt unter dem Namen seiner Mutter Gütel, einer Tochter des Pressburger Rabbiners Akiba Eger des Älteren. Auch ihr Grabstein findet sich auf dem älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt, die Inschrift spiegelt ihr hohes Ansehen in der Gemeinde wider:

Die Grube deckt eine herrliche Frau …, in derem reinem Herzen die Flamme der Gottesfurcht brannte …, sie pflanzte edle Sprossen …, die in ihrer Hand zu Zedern heranwuchsen … Hatte Salomo unter tausend keine gefunden, hier hätte er sie finden können.

Wachstein, a.a.O., 179

Selbstverständlich spielt die Inschrift auf die Kinder der Verstorbenen an, von denen vor allem der älteste Sohn, Akiba Eger, zum Zeitpunkt ihres Todes (11. Ijar 5571 = 5. Mai 1811) bereits Berühmtheit erlangt hatte.

  • Grabstein von Gütel, Tochter Akiba Egers, Frau Moses Güns
  • Rückseite des Grabsteins von Gütel mit Inschriftenplatte
  • Hebräischer Hinweis auf der Seite des Grabsteins 'Mutter von Akiba Eger'


Akiba Eger selbst verließ schon als Kind Eisenstadt, weil sein in Preußen lebender Onkel Wolf Eger ihn zu sich nahm und unterrichtete. Dem Wunsch, sein Leben ganz dem Studium der Tora zu widmen, diente auch seine Hochzeit mit einer reichen Erbin. Als durch ein Unglück das gesamte Vermögen verloren ging, musste Akiba Eger ein Rabbinat annehmen und kam 1791 nach Märkisch Friedland (im heutigen Polen). 1810 versuchte die Gemeinde Eisenstadt vergeblich, ihn für sich zu gewinnen. Eger folgte einem Ruf nach Posen.

  • Zeichnung 'Rabbi Akiba Eger auf dem Alten Markt in Posen'
  • Gestickter Rabbi Akiba Eger mit Rahmen


Die Verbindung zu Westungarn riss dennoch nie ab. 1812 heiratete Sarl, die Tochter Akiba Egers, den Rabbiner von Pressburg namens Moses Frankfurt. Das ist niemand geringerer als der große Moses Sofer (Schreiber). 1814 fand Akiba Eger, obwohl selbst nicht in Eisenstadt ansässig, Aufnahme in den Verband der Gemeinde Eisenstadt.

In Posen stirbt Akiba Eger am 12. Oktober 1837. Nach jüdischem Kalender ist das der 13. Tischre (5598), welcher heuer auf den 01. Oktober fiel.

Chatam Sofer

Moses Sofer, bekannt als Chatam Sofer und Schwiegersohn von Rabbi Akiba Eger dem Jüngeren, wurde am 26. September 1762 in Frankfurt am Main geboren. Nach jüdischem Kalender ist das der 09. Tischre (5523), welcher heuer auf den 27. September fiel.

Zu seinem Geburtsdatum gibt es widersprüchliche Daten, oft findet man als Geburtsjahr auch 1763 angegeben.

Moses Sofer gilt zu Recht als eine der größten rabbinischen Autoritäten. Als Führer des orthodoxen Judentums in der Auseinandersetzung mit der Reformbewegung in der ersten Phase ihrer Entwicklung hat er das orthodoxe Judentum so entscheidend beeinflusst, dass die Folgen seines Wirkens bis heute zu erkennen sind. Moses Sofer hat zu Lebzeiten kein einziges Buch, keinen Aufsatz etc. publiziert, seine halachischen Entscheidungen und anderen Arbeiten wurden alle nach seinem Tod veröffentlicht.

Wie viele Gelehrte wollte Sofer sein Leben ganz dem Torastudium widmen. Von seinem Sohn wissen wir, dass er das Schneiderhandwerk erlernte, aber keinen Erfolg hatte und dann doch ein Rabbineramt annehmen musste. 1794 wurde er im Alter von 31 Jahren Rabbiner der kleinen mährischen Gemeinde Dresnitz, 1798 nahm er den Ruf der bekannten jüdischen Gemeinde Mattersdorf an, wo er bis zu seiner Berufung nach Pressburg im Jahr 1806 blieb. Erst im Alter von 50 Jahren, also für damalige Verhältnisse sehr spät, „nahm er die Bürde, eine Familie zu ernähren“, auf sich und heiratete 1812 Sarl, die Tochter Akiba Egers.
Moses Sofer war nicht nur Rabbiner von Pressburg, er war einer der gelehrtesten und scharfsinnigsten Talmudisten seiner Zeit.

Chatam Sofer starb vor genau 170 Jahren, am 03. Oktober 1839. Das ist nach jüdischem Kalender der 25. Tischri (5600), welcher heuer auf den 13. Oktober fällt.

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir den Besuch des überaus eindrucksvollen (und zumindest aus Ostösterreich leicht zu erreichenden) Chatam-Sofer-Memorials in Bratislava.

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