Ich ging im Walde so für mich hin …

Kobersdorf ist anmutig zwischen Waldbergen gelegen, die nach Westen zu, in der ‚Buckligen Welt‘ immer höher werden, dort, wo hoch oben die Ruine Landsee ins Land heruntersieht, eine Erinnerung an die feudalen Mächte, die einst Land und Leute beherrschten, bilden. Der im Walde befindliche Sauerwasserquell macht Kobersdorf zu einem gern besuchten Kurort …

Der Kobersdorfer Friedhof (hier sagt man Beth Alma) birgt das Grab des R. Samuel Chaim, der hier im Jahre 1792 starb, des R. David Alt, genannt Eibnitz (vielleicht von Eiwanotwitz in Mähren) … In dieser Gemeinde ist – an und für sich vielleicht gar nicht so bedeutend, aber doch ein charakteristisches Zeichen für den allgemeinen Niedergang – mit dem letzten Schulklopfer, einem armen Halbnarren, vor etlichen Jahren auch der Hammer, der zum Schulklopfen diente, begraben worden. Hingegen sah ich – und auch das erinnerte mich an Galizien – zur Abendzeit einige Schweine zwischen den Häusern der Juden ihren Ställen zutrotten. Interessant auch – nebenbei erwähnt -, dass es in Kobersdorf einen jüdischen Schlossermeister namens Luria gibt, der wohl von Rabbiner Salomo Luria oder vielmehr seinem Nachkommen Wolf Helen, der ja mit einer Tochter des Mahram Asch verheiratet war, in irgendeiner Seitenlinie abstammen mag …

… schreibt Leopold Moses. Er wurde 1888 in Mödling bei Wien geboren, heiratete 1918 in Mattersdorf und bis heute gilt seine Dissertation „Die jüdischen Landgemeinden in Niederösterreich mit besonderer Berücksichtigung des 17. Jahrhunderts“ als Standardwerk. 1939 mit seinem Emigrationsversuch gescheitert, wurde Moses 1943 Chefredakteur des „Jüdischen Nachrichtenblattes“, Ausgabe Wien. Am 1. Dezember 1943 nach Auschwitz deportiert, wurde er dort wenig später ermordert.
Alles zitiert aus: Johannes Reiss, Aus den Sieben-Gemeinden. Ein Lesebuch über Juden im Burgenland, Eisenstadt 1997, 173ff.

Ich fuhr heute schon am frühen Morgen auf den jüdischen Friedhof nach Kobersdorf, wohin mich der ORF Burgenland anlässlich eines Filmprojekts über die Juden im Burgenland einlud.

Ich komme ins Schwärmen … Der jüdische Friedhof Kobersdorf ist ein Waldfriedhof und (für mich) der schönste Friedhof des Burgenlandes, vielleicht sogar der schönste jüdische Friedhof überhaupt, den ich kenne (sofern das Wort „schön“ in diesem Zusammenhang gerechtfertigt ist). Aber die Lichtverhältnisse an diesem kalten, klaren und sonnigen Herbstmorgen erzeugten eine idyllische Stimmung, der ich mich nur schwer entziehen konnte. In absoluter Ruhe, an einem Waldabhang, inmitten von Bäumen, befinden sich 600 Grabsteine. Wie auf allen jüdischen Friedhöfen im Burgenland finden wir ausschließlich hebräische Grabinschriften.

Während der Drehpausen habe ich – mit meinen leider sehr bescheidenen Fotografierkünsten – versucht, die Stimmung am Friedhof ein wenig einzufangen:

  • Eingangstor jüdischer Friedhof Kobersdorf
  • Das ORF-Team am jüdischen Friedhof Kobersdorf
  • Jüdischer Friedhof Kobersdorf Teilansicht
  • Grabstein am jüdische Friedhof Kobersdorf, mit Symbol der Krone
  • Gruppe von Grabsteinen am jüdischen Friedhof Kobersdorf
  • Grabstein unter Bäumen am jüdischen Friedhof Kobersdorf
  • Jüdischer Friedhof Kobersdorf Teilansicht
  • Grabstein mit nachgezogener hebräischer Schrift am jüdischen Friedhof Kobersdorf
  • Grabstein mit Stein eines Besuchers am jüdischen Friedhof Kobersdorf
  • Ensemble von 3 zusammenhängenden Grabsteinen am jüdischen Friedhof Kobersdorf
  • Grabstein mit Handwerkssymbol am jüdischen Friedhof Kobersdorf
  • Jüdischer Friedhof Kobersdorf Teilansicht
  • Grabstein am jüdischen Friedhof Kobersdorf
  • Grabstein - Teilansicht - am jüdischen Friedhof Kobersdorf, mit Symbol der Krone
  • Grabstein - Teilansicht - am jüdischen Friedhof Kobersdorf, mit Symbol der segnenden Hände


Update am 20. Februar 2010:

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir einen Ausflug zu diesem wunderschönen jüdischen Waldfriedhof in Kobersdorf (gegenüber dem Haus Waldgasse 25) im mittleren Burgenland. Der Weg zum Friedhof ist sehr gut beschriftet, das Friedhofstor eigentlich immer unversperrt, falls nicht, erhalten Sie den Schlüssel am Gemeindeamt.

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