Präsentation der mittelalterlichen Grabsteine

Am vergangenen Donnerstag wurden am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt fünf mittelalterliche jüdische Grabsteine der Öffentlichkeit präsentiert. Obwohl der Termin am Vormittag nicht von der Zeit, aber dafür vom Wetter begünstigt schien – es war ein klarer und sonniger Tag –, konnten ca. 50 Interessierte begrüßt werden.
Die Grabsteine wurden im Rahmen des Projekts AKJF, „Aktion Kulturdenkmal Jüdischer Friedhof“ von Dr. Werner Sulzgruber 2007 auf dem jüdischen Friedhof Wiener Neustadt (wieder)entdeckt.

  • Installation der fünf mittelalterlichen jüdischen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt
  • Installation der fünf mittelalterlichen jüdischen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt
  • Installation der fünf mittelalterlichen jüdischen Grabsteine am jüdischen Friedhof Wiener Neustadt


Max Pollak beschreibt in seinem Standardwerk „Die Juden in Wiener Neustadt. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Österreich“, Wien 1927, Seite 11f., vier mittelalterliche Grabsteine, die sich zu seiner Zeit bereits am jüdischen Friedhof befunden haben. Der jüdische Friedhof Wiener Neustadt wurde 1888/1889 angelegt, die Steine also nach dieser Zeit dorthin gebracht. Drei der von Pollak beschriebenen Steine konnten nun wiederentdeckt werden, ein von Pollak beschriebener Stein gilt nach wie vor als verschollen und zwei der fünf präsentierten Grabsteine tauchen bisher in der Literatur nirgends auf.

In den Ansprachen wurde selbstverständlich auch darauf hingewiesen, dass sich an der Stadtmauer in Wiener Neustadt bereits sechs mittelalterliche Grabsteine befinden, die – wie die nun präsentierten – zu den ältesten jüdischen Grabsteinen Europas gehören.

Mittelalterliche jüdische Grabsteine an der Stadtmauer in Wiener Neustadt

Die mittelalterliche jüdische Gemeinde Wiener Neustadt war eine der ältesten und bedeutendsten Österreichs und weit über die Grenzen hinaus bekannt und berühmt. Unter Rabbi Israel ben Patachia Isserlein (geboren 1390 in Regensburg, verstorben 1460 in Wiener Neustadt), dem bedeutendsten deutschen Rabbiner des 15. Jahrhunderts, wurde die Stadt zu einem Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit.

Sowohl die mittelalterlichen Grabsteine an der Stadtmauer als auch die nun präsentierten sind jedoch zum Teil deutlich älter und lassen sich ins 13. und 14. Jahrhundert datieren.

Das von Dr. Sulzgruber initiierte Projekt kann nur nochmals als vorbildliches Projekt bezeichnet werden. Ihm, seinen Schülern und Schülerinnen, die auf freiwilliger Basis mitarbeiteten, muss gedankt werden. Zu danken ist aber auch den Verantwortlichen von Stadt Wiener Neustadt, Israelitischer Kultusgemeinde und Bundesdenkmalamt, ohne deren Kooperation es nicht möglich gewesen wäre, die fünf mittelalterlichen Grabsteine zu restaurieren und in würdevollem Rahmen – am jüdischen Friedhof – geschützt und sicher aufzustellen.

Mit der Analyse bzw. Transkription der Inschriften sowie der Datierung der Steine wurde unser Museum betraut.

So wie das Lesen der Inschriften stets auch ein Gedenken der Toten ist, war die „Präsentation“ am Donnerstag – in sehr konkreter Weise – auch eine Gedenkveranstaltung.

Wir werden in den nächsten Tagen hier im Blog alle fünf Grabsteine einzeln „vorstellen“ und sowohl Inschriften als auch Datierungen besprechen.

  • Besucherinnen und Besucher der Präsentation
  • Stadträtin Isabella Siedl
  • Bürgermeister Bernhard Müller
  • Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde, Raimund Fastenbauer
  • Johannes Reiss
  • Dr. Werner Sulzgruber


Alle Beiträge zu den mittelalterlichen Grabsteinen in Wiener Neustadt werden/wurden zum leichteren Auffinden zusätzlich unter dem Schlagwort „grabsteine mittelalter“ archiviert.

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir die Lektüre des Beitrags „Wiederentdeckung eines Kulturschatzes“ auf dem so engagiert geführten und großartigen Webportal Grave Pictures.

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