Archiv für 2010

Bilder der Woche – Herodes

Er ist der Bösewicht und Kinderschreck der christlichen Weihnachtsgeschichte: Herodes der Große (ca. 73-4 v.d.Z.), dem das Matthäusevangelium nachsagt, er habe, in Sorge um den Fortbestand seines Königtums,

in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten [lassen].

(Mt 2,16)

Auch abseits des (historisch ohnehin sehr fragwürdigen) Kindermords erscheint der idumäisch-stämmige König von Roms Gnaden als eher zweifelhafter Zeitgenosse:

Wie kaum ein anderer war er nach außen hin vom Glücke begünstigt

so fasst der jüdische Historiker Flavius Josephus (Geschichte des Jüdischen Krieges. I, 33, 8. Übers. v. H. Clementz) die herodianische Herrschaft zusammen, immerhin

war er in den Besitz eines Königreiches gelangt und konnte es nach langjähriger Regierung eigenen Kindern hinterlassen; nur in seinem Familienleben traf ihn Unglück über Unglück

- familieninterne Hinrichtungen von Gattin und Söhnen inklusive, nicht zu reden von allerlei politischen und religiösen Querelen.
Fairerweise muss allerdings gesagt werden: Mindestens ebenso dauerhaft wie sein schlechter Leumund sind die prächtigen Bauwerke des Herodes bzw. ihre Überreste, die – Kindermord hin oder her – bis heute Massen an schaulustigen Besuchern anziehen: von der …

Bergfestung Masada am Toten Meer

… Bergfestung Masada am Toten Meer über …

Umfassungsmauer ('Westmauer') des Jerusalemer Tempels

… die Umfassungsmauer (“Westmauer”) des Jerusalemer Tempels, …

Monumentalbau über den Patriarchengräbern in Hebron

… den Monumentalbau über den Patriarchengräbern in Hebron und die …

Hafenstadt Caesarea

… Hafenstadt Caesarea …

Herodionspalast mit Grab des Herodes

… bis zum Herodionspalast (ca. 12 km südlich von Jerusalem), wo sich auch das (erst vor wenigen Jahren aufgespürte) Grab des Herodes befindet.

Mit dieser jüdisch-christlichen Sightseeing-Tour gehen wir für die verbleibenden Tage des alten Jahres in eine kleine Online-Pause -

Wir wünschen unseren christlichen Leserinnen & Lesern ein schönes Weihnachtsfest,
danken ganz herzlich allen leibhaftigen und virtuellen Besuchern unseres Museums im Jahr 2010, Lesern, Kommentatoren, Facebook-Freunden und Twitter-Followers,
außerdem all jenen, die zum Erfolg unserer diesjährigen Veranstaltungsreihe “Schalom – Salam – Grüß Gott” beigetragen haben, Referenten, Teilnehmern und Gastautoren (und selbstverständlich auch allen -innen ;) ),
und wünschen uns allen einen guten Start ins Jahr 2011!

PS: Wer punkto jüdisch-christlicher Beiträge zur Weihnachtszeit auf den Geschmack gekommen ist, dem sei nochmals unser letztjähriger Artikel “Über Ochs & Esel” ans Herz gelegt …

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Bild der Woche – Max Brod

Ich kann und muss mir … den Beinamen geben: ein Polemiker wider Willen. Es scheint mir, dass das weniger meine Schuld als die Schuld der Stadt ist, in der ich geboren wurde und die längste Zeit meines Lebens zugebracht habe. Die Schuld Prags. Das alte österreichische Prag war eine Stadt, in der nicht nur die einzelnen gegeneinander polemisierten, sondern drei Nationen standen im Kampf gegeneinander: die Tschechen als Majorität, die Deutschen als Minorität und die Juden als Minorität innerhalb dieser Minorität. (…) Prag, die Stadt der drei Nationen, Prag, die polemische Stadt …

Max Brod: Streitbares Leben. Autobiographie. München: Kindler 1960. S. 7f.

Im Jahr 1939 vertauschte der Schriftsteller und Kafka-Herausgeber Max Brod dieses sein “polemisches” Prag (zwangsweise) mit dem “tückisch glänzende(n) Labyrinth Tel Avivs” (a.a.O. S. 500) …

Brod starb vor genau 42 Jahren, am 20. Dezember 1968, ebendort.

Wohnhaus Max Brods in Tel Aviv

Das Wohnhaus Max Brods in Tel Aviv, gelegen in Sichtweite des Mittelmeers, HaYarden Street 16

Gedenktafel für Max Brod

Apropos Todestage berühmter Schriftsteller – es bleibe nicht unerwähnt: Am kommenden Dienstag, dem 21. Dezember, jährt sich zum 75. Mal der Todestag des großen Kurt Tucholsky!

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Jüdisches Leben im Südburgenland: Güssing, Rechnitz, Stadtschlaining

Die Artikel-Sammlung auf unserer Website, in der sich eine Reihe wissenschaftlicher und weiterführender Beiträge v.a. zu burgenländisch-jüdischen Themen findet, hat illustren Zuwachs bekommen – der burgenländische Historiker Gert Polster liefert eine detaillierte Einführung zum jüdischen Leben in Güssing, Rechnitz und Stadtschlaining.

Jüdisches Burgenland – das meint keineswegs allein die bekannten (und auch hier im Blog vorrangig thematisierten) “Siebengemeinden” des Nord- und Mittelburgenlands (Eisenstadt, Mattersburg, Kittsee, Frauenkirchen, Kobersdorf, Lackenbach, Deutschkreutz). Zentren jüdischen Lebens finden sich ebenso im südlichen Landesteil, namentlich Güssing, Rechnitz und Stadtschlaining, Juden siedelten außerdem in Pinkafeld, Oberwart, Bad Tatzmannsdorf usw.

Unter dem Schutz der Grafen Batthyány konnten sich in deren Herrschaftsvororten Stadtschlaining, Rechnitz und Güssing seit dem späten 17. Jahrhundert drei jüdische Gemeinden etablieren, die um die Mitte des 19. Jh. voll ausgebildet waren. D.h. sie verfügten über die notwendigen Einrichtungen, wie Synagoge, Friedhof, Mikwe [= rituelles Tauchbad; Anm.], Schule und einen Gemeindevorstand. Sie stellten Rabbiner und Schächter an und unterhielten eine Chevra Kadischa [= Beerdigungsbruderschaft; Anm.].

Die jüdischen Familien in diesen drei Gemeinden lebten nicht wie anderswo in abgeschlossenen Teilen der Orte, sondern verteilt im gesamten Ortsgebiet. (…)

Handwerk und Handel waren das Hauptbetätigungsfeld der zum Großteil nicht sehr vermögenden jüdischen Bevölkerung dieser Region. Die meisten gingen dem Hausiererhandel nach. Trotz dieser wirtschaftlich nicht sehr günstigen Situation wuchs die Bevölkerung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts sukzessive an [- in Rechnitz etwa auf über 900 im Ort ansässige Juden].

Über die (weitere) historische, demographische und religiöse Entwicklung der Gemeinden, außerdem über südburgenländisch-jüdische “Prominente” (wie den aus Güssing stammenden Historiker Samuel Steinherz) sowie die Rabbiner von Güssing, Rechnitz und Stadtschlaining im 19./20. Jahrhundert informiert der Artikel “Die Entwicklung der israelitischen Kultusgemeinden Güssing, Rechnitz und Stadtschlaining in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts“.

Burgenland

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Bild der Woche – Siegel

Zugegeben, die Arbeit an historischen Matriken kann eine recht trockene Angelegenheit sein. Umso erfreulicher ist es, wenn die Recherche, quasi nebenher, solch hübsche Fundstücke zutage bringt: das offizielle Siegel der jüdischen Gemeinde Mattersdorf, dem man seine mehr als 100 Jahre kaum ansieht …

Siegel der jüdischen Gemeinde Mattersdorf

Siegel der jüdischen Gemeinde Mattersdorf (bitte Bild vergößern!),
Mattersdorfer Sterbematriken, Stadtarchiv Sopron,
aufgestöbert im Rahmen der Recherchen für das (aus genannten Gründen aktuell leider auf Eis liegende) Projekt der Online-Aufarbeitung des jüdischen Friedhofs Mattersburg

Beschriftung im Außenkreis: “SIG . DER . MATERSDORFER . IUDNGIMEIN”
Im Innenkreis: Davidstern mit den hebräischen Buchstaben ק מ ד = “(Heilige jüdische) Gemeinde Mattersdorf”

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Bild der Woche, Burgenland

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Bild der Woche – Chanukkia

In diesen Tagen sehen wir viele Chanukkaleuchter – im Haus, in der Synagoge, im Web … ganz besonders beeindruckend aber ist jener auf den Asphalt projizierte Leuchter zwischen Holocaust-Denkmal und dem vergangene Woche neu eröffneten Museum Judenplatz in Wien (leider hatte ich nur mein Handy dabei).

Es handelt sich dabei um eine bosnische Chanukkia aus der Sammlung Max Berger, die übrigens im Original in der Ausstellung “Die Türken in Wien” im jüdischen Museum der Stadt Wien zu sehen ist (noch bis 09. Jänner 2011). Umgesetzt wurde die Lichtprojektion von Michaela Feurstein (jüdisches Museum der Stadt Wien).

Auf den Asphalt projizierte Chanukkia

Tipp: Auch wenn es derzeit bitterkalt ist, ein Spaziergang zum Judenplatz in Wien zahlt sich insbesondere abends, in der Dunkelheit, schon alleine wegen der wunderbaren Projektion wirklich aus!

Da wir heuer auf unserer Facebook-Seite einen Chanukka-Song-Marathon veranstalten, wünschen wir (ein wenig später, aber nicht weniger herzlich) heute, am 4. Tag von Chanukka, allen Leserinnen und Lesern auch hier
ein fröhliches Chanukkafest – Happy Chanukka – חג אורים שמח!

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