Präsentation Österreich-Bild – Nachlese

Am Donnerstag wurde bei uns im Museum das Österreich-Bild des Landesstudios Burgenland mit dem Titel „Vertrieben und Vergessen. Auf den Spuren des Judentums im Burgenland“ präsentiert.

Update, 28. 02., 19:29h: Das Österreich-Bild ist ab sofort auf der ORF TVthek sieben Tage lang zu sehen.

  • Eingang ins jüdische Museum, vor dem großen Ansturm
  • Über 100 Interessierte im Auditorium des Museums
  • Koschere Weinflaschen und Gläser für das Buffet


Wir danken dem ORF für die so engagierte Arbeit und allen Besucherinnen und Besuchern, die zur Präsentation nach Eisenstadt gekommen sind!

Video: Präsentation und kurzer Vorgeschmack auf den Film – Burgenland heute, Freitag, 26. 02. 2010

Die Sendetermine des Österreich-Bildes:

Sonntag, 28.02.2010 18.25 Uhr ORF 2
Dienstag, 02.03. 2010, 12.00 Uhr ORF 2
Sonntag, 14.03.2010, 13.05 Uhr 3sat
Dienstag, 16.03.2010, 11.35 Uhr 3sat

Ab morgen Abend, Sonntag, 28. 02., wird das Österreich-Bild auf der ORF TV-Mediathek 7 Tage lang zu sehen sein. Sobald online verfügbar, finden Sie selbstverständlich hier den Link zur Sendung!
Siehe Link oben!


Nach 1945 sind nur sehr wenige Juden ins Burgenland zurückgekehrt, zwei Familien nach Eisenstadt: Schiller und Trebitsch. Nach dem Tod von Herrn Oskar Schiller am 17. Februar 2005 übernahm sein Enkel, Patrick Frankl, die Geschäfte seines Großvaters. Heinrich Trebitsch lebt – wie Sohn Thomas und Enkelkinder – in Eisenstadt, er ist 88 Jahre alt. Patrick übergab am Abend der Präsentation dem Museum ein Bild seines Großvaters aus den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, das Herrn Schiller am Eingang unserer privaten Synagoge zeigt.



Nach der Filmpräsentation hatte ich die Gelegenheit zu einem kurzen Interview mit Patrick Frankl und mit dem Sohn von Herrn Trebitsch, Thomas Trebitsch:

Patrick, du hast mir erzählt, dass dir dein Großvater oft von der jüdischen Gemeinde in Eisenstadt erzählt hat. Erinnerst du dich dabei an etwas besonders gern? Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass dich dein Großvater vor über 20 Jahren immer wieder in unserer Synagoge singen ließ …

Das von Patrick übergebene Bild: Oskar Schiller vor dem Eingang zur Wertheimer-Synagoge

Patrick: Meinem Großvater haben sowohl das jüdische Museum als auch die Synagoge und der jüdische Friedhof sehr viel bedeutet. Er hat sich sein Leben lang dafür eingesetzt, dass viele Menschen Museum, Synagoge und Friedhof sehen. Mich hat er, als ich ein Kind war, oft in der Synagoge singen lassen. Er, der sich stets mit Eisenstadt identifiziert hat, wollte damit zeigen, dass die jüdische Identität anerkannt ist. Mein Großvater war ein eifriger Geschäftsmann, aber wenn jüdische Touristen ins Geschäft kamen und den Friedhof sehen wollten, ließ er sofort alles liegen und stehen, bat Mitarbeiter, sein Geschäft weiter zu betreuen, und ging mit den Besuchern zum jüdischen Friedhof (er hatte ja einen Schlüssel). Das hatte für ihn immer Priorität.

Thomas, deine Erfahrungen sind andere. Norbert Lehner, der Gestalter des Österreichbildes sagt im Interview, dass dein Vater, Heinrich Trebitsch, der am schwierigsten zu gewinnende Zeitzeuge war, weil er „… sich lange Zeit gesträubt hat und eigentlich nichts erzählen wollte …“

Thomas: Das ist richtig, mein Vater hat auch uns fast nichts erzählt. Wir haben im Gegensatz zu den Schillers unser Leben in Eisenstadt gelebt, sind regelmäßig zu den Feiertagen nach Wien gefahren, haben aber kaum mit jüdischen Familien Kontakt gehabt. Ich glaube auch, dass wir in Eisenstadt gut integriert waren und sind.

Werdet ihr im Geschäft von Kunden oder auf der Straße von Menschen als Juden wahrgenommen?

Patrick: Natürlich werde ich als Jude wahrgenommen von einer großen Anzahl an Stammkunden. Viele neue Kunden wissen aber nicht, wer mein Großvater war. Ich bin in eine Generation hineingeboren, in der das Gefühl von Offenheit getrübt ist, in der wir Angst haben/hatten, dass viele Menschen von Vorurteilen gegenüber Juden geprägt sind. Ich kenne noch gut den Satz und höre ihn noch manchmal von Stammkunden „Wennst ein Arbeitsgwandl suchst, gehst zum Schillerjud“. Ich finde das aber ganz ok so und identifiziere mich dem „Schillerjud“!

Thomas: Die Leute wissen, dass ich Jude bin, sie kennen auch meine Kinder und wissen, dass diese evangelisch erzogen sind. Die Entscheidung dafür resultierte aus der Angst vor dem Antisemitismus. Es spricht mich aber niemand darauf an, weder mich noch meine Kinder.

Abschließend noch eine vielleicht nicht ganz realitätsnahe Frage, wenn auch eine, die uns BesucherInnen im Museum immer wieder stellen: Könnt ihr euch vorstellen, dass es in Eisenstadt in absehbarer Zukunft wieder eine jüdische Gemeinde geben könnte?

Patrick: Eine jüdische Gemeinde in Eisenstadt wäre ein Wunschgedanke von mir. Ich weiß, dass dann meine und andere jüdische Familien (ich wohne ja in Wien) herziehen müssten, aber es wäre eine erfreuliche Entwicklung gegen den Strom.

Thomas: Ich kann mir eine jüdische Gemeinde – wieder – in Eisenstadt einfach nicht vorstellen, weniger grundsätzlich als aus ganz pragmatischen Überlegungen heraus. Wie soll das funktionieren?

Vielen Dank euch beiden!

Weitere Nachlesen und Medienberichte:

Burgenland ORF – Ö-Bild

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