Bild der Woche – Milena

Ich sah heute einen Plan von Wien, einen Augenblick lang erschien es mir unverständlich, dass man eine so große Stadt aufgebaut hat, während Du doch nur ein Zimmer brauchst,

schreibt Franz Kafka am 23. Juni 1920 an Milena Jesenská.
Franz Kafka: Briefe an Milena. Frankfurt a.M.: Fischer 1983. S. 76

Das Zimmer Milenas befindet sich in jenen Tagen …

Hauseingang Lerchenfelder Straße 113

… im Haus Lerchenfelder Straße 113. Kafka freilich schickt seine Briefe nicht in die Lerchenfelder Straße, sondern postlagernd – Milena nämlich teilt ihr „Zimmer“ mit Ernst Polak, mit dem sie (wenig glücklich, aber doch) seit 1918 verheiratet ist.

Ein rührend-tragischer Briefwechsel, der vor runden 90 Jahren seinen Anfang nahm, im April 1920.

Doch ist Milena „nicht nur Kafkas Freundin“ (so der Titel einer Arbeit von Olga Klauber): Milena Jesenská, geboren 1896 in Prag, übersiedelte nach ihrer Heirat eben nach Wien, wo sie u.a. als Journalistin und Übersetzerin tätig war; nach dem Ende ihrer Brief-Romanze mit Kafka und der Ehe mit Polak kehrte Milena über Umwege nach Prag zurück, wo sie ihre journalistische Arbeit fortsetzte. Nach der deutschen Besetzung versorgte sie als Fluchthelferin Verfolgte, darunter viele Juden, mit Unterkunft und Verpflegung. Nach ihrer Verhaftung 1939 wurde Milena in das Konzentrationslager Ravensbrück verbracht; sie starb ebendort am 17. Mai 1944.

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrt Milena Jesenská als „Gerechte unter den Völkern„.

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