Im Anfang …

– ein Beitrag zur Veranstaltungsreihe Schalom – Salam – Grüß Gott

Judentum, Christentum & Islam – das sind Jahrtausende an Geschichte & ganze Bibliotheken an religiöser und theologischer Literatur.

Stellt sich die Frage: wo(mit) beginnen?
Vielleicht am besten: am Anfang aller Anfänge.

Also:

Im Anfang … schuf Elohim/Gott Himmel & Erde, er schied Land und Meer, befestigte Sonne, Mond & Sterne, schuf Pflanzen und Tiere –

und schließlich, es ist der 6. Schöpfungstag, den Menschen

als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.

So erzählt es das 1. Kapitel des 1. Buch Mose, das, wie auch der Rest der jüdischen Bibel (teilweise mit Ergänzungen), ins Christentum übernommen wurde, wo es als Buch Genesis überliefert ist. Kapitel 2 und 3 desselben Buches ergänzen die nicht minder berühmte Paradies-Erzählung, die sich gut anlässt: der Mensch inmitten eines prächtigen Gartens mit „köstlichen Früchten“, jedoch fatal ausgeht: ein verbotener Baum, die Schlange etc. – macht in Summe die Vertreibung des Menschen aus dem Garten Eden. Vom Menschen, hebräisch adam אדם, erfahren wir ebendort außerdem, Gott habe ihn aus Erde, hebräisch adama אדמה, geformt und ihm göttlichen „Lebensatem“ eingeblasen, sodann aus der Rippe des Menschen eine Frau, Eva/Chava (חוה), gebildet.
Soweit, zugegeben: maximal vergröbert, die Eröffnungserzählungen im 1. Buch Mose, wie sie Juden und Christen gemein sind.

Vertreibung aus dem Paradies - Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle

Vertreibung aus dem Paradies – Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle
Lohnenswerte 360-Grad-Ansicht

Der Koran, Zentraltext des Islam, geht, (auch) was den Anfang von Welt und Mensch betrifft, eigene erzählerische Wege – wobei allerdings sachliche Übereinstimmungen mit der biblischen Erzählung unübersehbar sind (vgl. zum Folgenden die Synopse S. J. Wimmer/S. Leimgruber: Von Adam bis Muhammad. Bibel und Koran im Vergleich. Stuttgart: KBW 2005. S. 89-96).

Gott ist es, „der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschaffen hat“, erklärt u.a. Sure 11,7; er „hat euch die Nacht und den Tag, die Sonne und den Mond dienstbar gemacht“ sowie die Sterne (Sure 16,12), ebenso hat er Tiere und Pflanzen geschaffen (Sure 16,5ff./6,141ff.). Und auch, wie im Koran mehrfach ausgeführt, den Menschen, Adam:

Zuerst erschuf er den Menschen aus Ton (…). Dann formte er ihn und blies ihm von seinem Geist ein.

Sure 32,7ff.

Kompakt erläutern hierzu S. J. Wimmer und S. Leimgruber:

Gemeinsam ist Bibel und Koran, dass der Mensch sowohl aus physischen Komponenten (Staub, Erde, Ton) beschaffen ist wie aus transzendenten (Geist, Lebensatem). (…) Die Gottesebenbildlichkeit indessen kommt wörtlich allein in der Bibel vor. Im Koran ist deren Gehalt vergleichbar mit der Nachfolger- und Stellvertreterfunktion des Menschen für Gott.

Wimmer/Leimgruber 2005. S. 93

Schließlich kennt der Koran auch eine Erzählung vom Verstoß der Menschen gegen göttliche Anweisung: „O Adam, bewohne, du und deine Gattin, das Paradies. Esst, wo ihr wollt, und nähert euch nicht diesem Baum, sonst gehört ihr zu denen, die Unrecht tun“. Vom Satan verführt wird vom Baum gegessen – und die Menschen aus dem Paradies vertrieben (Sure 7,11-27).

Die hier (und auch nur in Auswahl) gegeneinander gehaltenen Schöpfungserzählungen sind bekanntlich kein Einzelfall: Die Zusammenschau von Bibel & Koran zeigt eine Palette an verwandten Erzähltraditionen mit vielfältigen Übereinstimmen und Unterschieden sowie zahlreiche Überschneidungen im Personeninventar (Abraham, Mose, David, Salomo usw.).

Hiervon bei Gelegenheit mehr – immerhin: der „Anfang“ ist schon mal gemacht…

Die erste Veranstaltung unserer Reihe ist die Matinee
WER glaubt WAS – eine kurze Selbstvorstellung von Judentum, Christentum und Islam
Sonntag, 18. April 2010, 11.00 Uhr im Österreichischen Jüdischen Museum.
Herzliche Einladung!

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