Islam-Knigge

Ein Gastbeitrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Schalom – Salam – Grüß Gott“

Schalom - Salam - Grüß Gott (Logo)

Etwa 1,4 Milliarden Menschen bekennen sich weltweit zum Islam. Damit ist der Islam nach dem Christentum die zweitgrößte Weltreligion. Im Zentrum der islamischen Lehre stehen die „fünf Säulen“:

  1. Glaubensbekenntnis: Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad ist der Gesandte Gottes
  2. Das Ritualgebet
  3. Das Fasten im Monat Ramadan
  4. Die Almosensteuer
  5. Die Pilgerfahrt nach Mekka

Das heilige Buch des Islam, der Koran, gilt nach islamischer Tradition als das geoffenbarte Wort Gottes.

Im Folgenden seien einige wichtige Informationen für die Begegnung mit Muslimen angeführt:

Allgemeines

  • Allah ist kein Eigenname für den Gott der Muslime sondern nur das arabische Wort für Gott. Für Muslime ist es nicht nachvollziehbar und kann manchmal als kränkend empfunden werden, wenn zwischen Gott und Allah unterschieden wird.
  • Der Koran gilt den Muslimen als heilig. Versuchen Sie daher respektvoll mit dem Koran umzugehen, besonders in der Anwesenheit von Muslimen. Legen Sie ihn (auch Koranübersetzungen) z.B. nicht auf den Boden und stellen Sie ihn am besten an einen etwas hochgelegenen Platz ab.
  • Gelegentlich werden Muslime auch als „Mohammedaner“ bezeichnet. Das stößt bei Muslimen meist auf Ablehnung, denn die „Ergebenheit zu Gott“ (arab. Islam) ist der Mittelpunkt des islamischen Glaubens.

Beim Besuch einer Moschee

  • Schuhe müssen grundsätzlich ausgezogen werden.
  • Achten Sie darauf, dass Sie keine kurze oder enge Kleidung tragen.
  • Je nach Gemeinde wird darauf bestanden, dass auch nichtmuslimische Frauen ihren Kopf bedecken.
  • Verhalten Sie sich im Allgemeinen ruhig und reden Sie nicht laut, besonders wenn der Gebetsruf (Azan) ertönt oder das Gebet verrichtet wird.

Speisevorschriften

  • Servieren Sie kein Schweinefleisch und keinen Alkohol; auch keine Speisen oder Süßigkeiten, die Alkohol enthalten.
  • Viele Muslime essen nur nach islamischem Ritus geschächtetes Fleisch (Halal).
  • Viele Muslime sehen auch davon ab, Produkte mit tierischen Fetten und Gelatine zu essen, wie z.B. Gummibärchen.
  • Wenn Sie sicher gehen wollen, dass Sie nichts falsch machen, dann bieten Sie ihren muslimischen Gästen Fisch oder vegetarische Speisen an.

Der Islam kennt zwei große Feste

  • Opferfest ( im Rahmen der Pilgerfahrtszeit nach Mekka).
  • Fest des Fastenbrechens (nach dem Fastenmonat Ramadan).
    In der Regel freuen sich Muslime, wenn Ihnen von Andersgläubigen zu diesen Anlässen gratuliert wird. Wenn Sie Muslimen ein „frohes und gesegnetes Fest“ wünschen, dann können Sie eigentlich nicht viel falsch machen.
  • In islamischen Kulturkreisen nimmt die Gastfreundschaft einen enormen Stellenwert ein. Das macht sich besonders an den Festtagen bemerkbar. Scheuen Sie sich daher nicht, an den Feierlichkeiten teilzunehmen, sofern Sie eingeladen sind.

Alltag

  • Bei vielen Muslimen ist es nicht üblich, dass sich Frauen und Männer, die einander fremd sind, die Hand geben oder sich umarmen. Achten Sie vor allem bei Kopftuchtragenden Frauen darauf. Empfehlenswert hierbei ist, die Muslima oder den Muslim, den Sie begegnen, den ersten Schritt machen zu lassen.
  • Muslime sind dazu angehalten, fünf Mal am Tag zu beten. Wenn Sie bei Veranstaltungen den Muslimen entgegenkommen möchten, dann stellen Sie Ihnen einen Gebetsraum zur Verfügung und planen Sie die Gebetszeiten ein.

Dies ist nur eine kleine Auswahl von Tipps, die Ihnen die Begegnung mit Muslimen erleichtern sollen. Das Ausleben religiöser Praktiken kann sich natürlich von Muslim zu Muslim unterscheiden. Ich bin hierbei hauptsächlich von meiner persönlichen Erfahrung (Beobachtungen und Fragen, die mir oft gestellt werden) ausgegangen.

Allgemeine Literaturempfehlungen

  • Halm, Heinz: Der Islam. München 2007.
  • Bobzin, Hartmut. Der Koran. Eine Einführung. München 2007.
  • Khoury, Adel Theodor/ Heine, Peter/ Oebbecke, Janbernd: Handbuch Recht und Kultur des Islams in der deutschen Gesellschaft. Gütersloh 2000. (Besonders hilfreich: Teil IV „Aus der Alltagspraxis“ u.a. mit Bezug auf Speisevorschriften, Kleiderordnung, Situationen in der Schule und am Arbeitsplatz).

Hussein Hamdan ist Islam- und Religionswissenschaftler – und bloggt auf „Der Islam„.

Der Beitrag von Hussein Hamdan eröffnet eine Blog-Mini-Serie, die unsere aktuelle Veranstaltungsreihe „Schalom – Salam – Grüß Gott“ begleiten und ergänzen soll: Jüdische, christliche und muslimischen Autoren wurden gebeten, „eine Handreichung für interreligiöse Begegnungen aus jüdischer/christlicher/muslimischer Perspektive“ anzufertigen, die, „quasi als interreligiöser Survival Kit, (…) Orientierung in der interreligiösen Begegnung verbessern und Unsicherheiten mindern“ kann. Weitere Beiträge folgen in den kommenden Wochen.

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