Bild der Woche – Synagoge Mattersburg
Sofort beim Eintreten in den Tempel fiel der große Almemor [= Ort der Toralesung, Bima; Anm.] auf. Rings um den Almemor liefen Bänke, vor denen Betstühle standen…An der Vorderseite des Almemors stand die 1 ½ m hohe und entsprechend breite Menorah [= 7-armiger Leuchter; Anm.] … Die Sitzgelegenheiten waren im Tempel spärlich. Rings um die vier Wände lief eine Bankreihe. Nur im hinteren Teile des Tempels waren einige Reihen. Das Gros der Gemeinde verfügte über keine Sitzgelegenheit … Die Tempelwände waren (…) mit Gebetstücken beschrieben … Der Plafond (…) war mit Emblemen, Motiven, die teilweise dem religiösen Leben entnommen waren (Feststrauß, Menorah, Vögeln, Sternen), bemalt …
Max Grunwald, Mattersdorf, in: Jahrbuch für Jüdische Volkskunde 1924/25, hrsg. v. Max Grundwald, Berlin 1926. S. 417-420.

Synagoge in Mattersdorf, um 1920. Zwar unleserlich, aber in den Umrissen erkennbar: die in unserem Blogbeitrag diskutierte Gedenktafel an der Außenfront der Synagoge.
Die Mattersburger Synagoge, am wulka-seitigen Ende der Judengasse gelegen (s. den von Meir Deutsch zur Verfügung gestellten historischen Stadtplan), stammte in ihrer baulichen Endgestalt wohl aus dem späten 19. Jahrhundert; die Baugeschichte bleibt allerdings, zusammen mit der (Früh-)Geschichte der Mattersburger Judengemeinde im Ganzen, umstritten – nachzulesen in unserem jüngsten Blog-Beitrag …
Der Mattersburger Tempel wurde im September 1940 gesprengt (s. den Bericht von Hans Paul). Fotografische (Innen-)Ansichten der Synagoge sind rar, umso wertvoller ist die ausführliche (hier nur in kleinen Auszügen zitierte) Beschreibung bei Max Grunwald.
Heute erinnert an die Mattersburger Synagoge ein Gedenkstein am Brunnenplatz (s. unser Bild der Woche – Gedenkstein Mattersburg).
Gegenwärtig werden in Mattersburg Pläne für ein (neues) Synagogen-Denkmal diskutiert – wir sind gespannt & werden über allfällige Fortschritte hier im Blog berichten … (vielen Dank an Gemeinderätin Sonja Sieber für die Informationen).
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Schlagwörter: mattersburg, synagoge | Kommentare (11)
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[...] in Mattersdorf kennengelernt haben … am Wochenende gibt’s dann in unserem “Bild der Woche” mehr zur [...]
@ Christopher
You write:
“An der Vorderseite des Almemors stand die 1 ½ m hohe und entsprechend breite Menorah [= 7-armiger Leuchter; Anm.]”
If you read a bit further in Grunwald you would see that he writes :”Fuer Chanukkoh, wo man sie [die Menorah] vor dem Oraon anzundete…”.
From here we see that it was a Hanukkah Menorah, therefor an 8 armiger, or 9 armiger if we count the Shamash.
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Christopher schreibt am 27. Juni 2010 um 20:34
@ Meir
And if YOU read a bit further you would see that he also writes: “An Sabbaten und Festtagen, an denen
sie [nämlich: die besagte Menorah; Anm.] auf dem Almemor brannte …” – so did they light their Chanukkiah every shabbat? Hard to believe, hu? ;)
Also – was war es, ein 6-, 7-, 8-, 9-armiger Leuchter? Schwer zu sagen, denn Grunwalds Text ist hier (wie an anderen Stellen auch) schwer bis miss-verständlich – hier die ganze Stelle:
“An der Vorderseite des Almemors stand die 1 ½ m hohe und entsprechend breite Menorah mit ca. spanngroßen Ölkannen. Für Chanukkoh, wo man sie vor dem Oraun anzündete, war eine Vorrichtung vorgesehen, welche eine Ölersparnis ermöglichte. An Sabbaten und Festtagen, an denen
sie auf dem Almemor brannte, wurden Wachskerzen verwendet” (a.a.O. S. 418).
War es also eine Chanukkiah, wie erklärt man dann, dass sie (auch) an “Sabbaten und Festtagen” angezündet wurde? Oder stand in der Synagoge ein 7-armiger Leuchter (was nicht die Regel, aber sehrwohl möglich ist), der an Chanukkah mit einem zusätzlichen Arm versehen wurde? Oder war es vielleicht ein Leuchter mit 8 Öllichtern (für Chanukkah) und zugleich einer Steckvorrichtung für 7 oder weniger Kerzen für Shabbat? Und was soll man sich eigentlich unter der “Ölersparungsvorrichtung” vorstellen (evtl. eine Vorrichtung zum Auffangen des Öls)? Die Sache bleibt, soweit ich sehe, in jedem Fall unklar – ich habe mich für eine der vielen möglichen Varianten entschieden und “7-armiger Leuchter” angemerkt (auch um die Sache nicht unnötig zu verkomplizieren, schließlich ging es ja mit obigem Zitat nur darum, eine ungefähre Idee zu geben, wie der Innenraum beschaffen war), gestehe aber gerne ein, dass der Leuchter vielleicht auch 8 Arme hatte oder 9 oder vielleicht 7 (Kerzen) und 8 (Öl) oder 7 und 9 oder 6 und 9 etc.
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@ Christopher
Thank you. I have looked at many of the interior pictures of the Synagogue. They are all of very poor quality and unclear.
I have found one in BETH HATFUTZOT which is quite good. You can see on it some of the decoration painted. The picture is dated 1931, some years after Grunwald’s article (the same picture is on the cover of Samuel Hirsch’s book זכרונות מקהילת מטרסדורף וחורבנה). In that picture I could not see a large Menora. On the four corners of the Bimah were large candelabras and no iron bars that formed a “Crown”.
As I said that picture is from 1931. Grunwald’s article was published 6 years earlier. Looking at another picture – Postcard “Tempel – Inneres” (very unclear) I could see something coming out of the 4 stone pillars to form a “Crown” over the Bimah.
It is surprising that just in such a short time the interior of the Synagogue changed so much.
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Christopher schreibt am 27. Juni 2010 um 23:53
@ Meir
Good evening to Israel, Meir…:)
Johannes und ich haben heute auch einige Bilder der Synagoge angesehen – und uns ebenfalls gewundert: z.B. existiert ein Bild vom Synagogeninneren (ich glaube mich zu erinnern, es war dasjenige, das in Hugo Golds “Erinnerungsbuch” abgedruckt ist), das den Eindruck erweckt, als wären große Teile der Synagoge mit Sitzbänken versehen gewesen (wir zumindest haben 5 oder 6 Bankreihen gezählt) – auch das scheint uns nicht recht zum Bericht von Grunwald zu passen…- wobei der Eindruck diesbezüglich natürlich täuschen kann, die Qualität der Bilder ist in der Tat sehr bescheiden; mysteriös ist die ganze Sache allemal…
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Meir Deutsch schreibt am 28. Juni 2010 um 14:53
@ Christoper
Sent the picture of 1931 to Johannes, as his e-mail address is the only one I know. As I said that is the best picture of the interior I saw. There you see proper seats in rows and not benches and “Staendern”. Even in the earlier picture (from Gold’s book) there are (as you said) already proper seats.
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Johannes schreibt am 28. Juni 2010 um 17:37
Innenraum der Synagoge von Mattersburg, 1920er-Jahre:
Hugo Gold, Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes, Jerusalem 1970
Innenraum der Synagoge von Mattersburg, 1931
Credits: Beit Hatfutsot
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Christopher schreibt am 28. Juni 2010 um 17:52
Danke Meir & Johannes ;)
Äh…das zweite Bild hat ja tatsächlich so gut wie gar nichts mit Grunwalds Beschreibung gemein, da gab’s wohl eine “Generalsanierung” in den 1920ern…
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I wonder where the עזרת נשים Frauenschul (Weiberschul) was. Grunwald says that there were no windows in the Ladies Gallery. If so, then it seems that the gallery was under the Synagogue’s slanting roof.
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In the contex of the interior of the Mattersburg Synagogue. Just out of curiosity. Hans Paul writes about the “innere des Judentempels”:
“Beim Anblick dieses Bildes wird man unwillkuerlich an eine katholische Kirche errinert, und es wird uns bewusst, wieviel das Christentum von Judentum uebernommen hat.”
The Jews wanted that their Synagogues should not be similar to churches and put the BIMA in the center of the Synagogue. Then came the Neolog stream that wanted to move the BIMA to מזרח (to the eastern part of the Synagogue), toward the Holy Ark (ארון הקודש). That and some other changes that the Neolog leaders wanted to introduce, started another split (after the split of the Reform movement of Hamburg and Berlin) in the Jewish community – Orthodox and Neolog.
Matterdorf was an Orthodox Community.
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Trauer und gleichzeitig Wut über die Zerstörung jüdischer Kultur in Österreich.
Und noch mehr Wut über die Zerstörung jüdischen Lebens in Österreich und in Europa.
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