Julia Deutsch / Gütl (Sofer) Deutsch, 27. Elul 5664 (Mittwoch, 07. September 1904)

  • Foto: Grabstein von Julia Deutsch / Gütl (Sofer) Deutsch, 27. Elul 5664
  • Datenblatt Isidor Öhler: Julia Deutsch / Gütl (Sofer) Deutsch, 27. Elul 5664


Anmerkungen

Die Eintragung in den Matriken erfolgte erst 1 Jahr später, nämlich am 13. September 1905.

In der hebräischen Inschrift findet sich das Sterbedatum in der 6. Zeile, ebenso das Begräbnisdatum, das mit 29. Elul (09. September) angegeben wird.
Allerdings findet sich das Sterbedatum gleich auch in der 1. Zeile, und zwar in Form des biblischen Zitats aus Genesis 28,22a: „dann soll der Stein, den ich als Mahnmal aufgestellt habe, ein Gotteshaus werden …“ והאבן הזאת אשר שמתי מצבה יהיה בית אלהים. (Das Anfangs-Waw ist in der Inschrift nicht zu sehen). Werden nun die Zahlenwerte jener Buchstaben, über denen sich Punkte befinden, zusammengezählt, erhält man ebenfalls das Jahr 664 (1904). א und ל im Wort אלהים sind als Ligatur geschrieben, in diesem Fall wohl auch, um nur den Zahlenwert des ל, nämlich 30, nicht aber jenen des א zu zählen.

Laut hebräischer Inschrift (Zeile 5) ist Gütl „die Ehefrau des Gelehrten, MORENU, H(errn) Mordechai Hersch Sofer, s(ein Andenken möge) b(ewahrt werden)“ אשת הרבני מו“ה ר“ מרדכי הרש סופר זל.

MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Als Akrostychon finden sich von Zeile 7 – 10 (vertikal) ihr Vorname „Gütl“ גוטל, in Zeile 11 ihr Nachname „Deutsch“ דייטש und in Zeile 12 der Segenswunsch „a(uf ihr sei der) F(riede)“ ע“ה.
Außerdem findet sich ihr Vorname „Gütl“ – (soweit ich erkennen kann) ebenfalls als Akrostychon – in den Zeilen 7, 8, 9 und 10, wobei sich die Buchstabenreihenfolge nach dem vertikal laufenden Akrostychon orientiert.


Biografische Notizen

Sterbematriken: Julia (Gütl) Deutsch (Sofer), geb. Fischer, wh. Wien IX, Servittengasse 21, verwitwet, Witwe des Privatlehrers, gest. 07. September 1904, mit 75 Jahren


Archiv jüdischer Friedhof Mattersburg