Gidon Kremer

Gidon Kremer hat für das inzwischen 29. Kammermusikfest in Lockenhaus, das heuer vom 08. – 18. Juli in der mittelburgenländischen Marktgemeinde stattfindet, wieder die künstlerische Leitung übernommen. Im Vorjahr hatte es Differenzen zwischen Kremer und den Organisatoren rund um den katholischen Ortspfarrer Josef Herowitsch gegeben, die jedoch inzwischen ausgeräumt wurden. Die von der New York Times als eines der bedeutendsten internationalen Musikfestivals gelobte Veranstaltung soll nun wieder zum ursprünglichen Charisma zurückgeführt werden.

Und dieses Charisma ist untrennbar mit Gidon (Markowitsch) Kremer verbunden, dem genialen deutsch – jüdischen Geiger und Musikinterpreten, der 1947 in der letttischen Hauptstadt Riga (Lettland war damals ein Teil der Sowjetunion) geboren wurde und in Moskau als Schüler David Oistrachs seinen speziellen Schliff erhielt.

Gidon Kremer in der Pfarrkirche von Lockenhaus

Nachdem Kremer 1978 die Sowjetunion verlassen hatte, begann seine fast beispiellose Weltkarriere. Drei Jahre später gründete er gemeinsam mit Pfarrer Josef Herowitsch das Kammermusikfest in Lockenhaus, dessen Konzerte im restaurierten großen Saal der mittelalterlichen Ritterburg, in der Pfarrkirche und zum Teil auch in der Hauptschule des Ortes stattfanden.

Ich selber war bei der Eröffnung des ersten Kammermusikfestes im Jahr 1981 als ORF-Kulturredakteur dabei und habe auch in den folgenden Jahren bis 2001 immer wieder über dieses kulturelle Ereignis besonderer Art im Radio und Fernsehen berichtet. In Lockenhaus haben Künstler aus aller Welt einen besonderen Geist und eine besondere Qualität entstehen lassen. Es wurde bisweilen übermütig, immer aber lustvoll musiziert. Musiker wie auch Publikum gaben sich weniger steif als das bei den internationalen Festivals üblicherweise der Fall ist. Proben wurden und werden noch immer zum Teil öffentlich abgehalten und bieten so manchen Besuchern eine zusätzliche Schule des Hörens. Die kommerziellen Interessen wurden bewusst im Hintergrund gehalten.

Die Bekanntgabe der detaillierten Programmierung der einzelnen Konzerte erfolgt immer erst 24 Stunden vor der Aufführung. Das Engagement Kremers richtet sich sowohl auf Erst-Klassisches jeder Provenienz, aber immer auch auf die Entdeckung und Durchsetzung noch unbekannter zeitgenössischer Komponisten wie auch Musiker, von denen viele so wie er aus der ehemaligen Sowjetunion kommen und ebenfalls jüdischer Herkunft sind.

Das heurige Festival steht unter dem Motto “Musik und Macht – Musik als Macht” und wird wieder von zahlreichen prominenten wie auch noch ganz jungen Interpreten sowie von der von Kremer 1997 gegründeten Kremerata Baltica (einem bereits weltweit erfolgreichen Orchester aus jungen Musikern aus den drei baltischen Staaten) realisiert werden.

Als Beilage zu unserer heutigen Melange empfehlen wir Gidon Kremer – Musik in höchster Vollendung:

Gidon Kremer spiel Kupkovič Suvenir
Das Stück des 1936 in der Slovakei geborenen Komponisten Ladislav Kupkovič ist Gidon Kremer gewidmet.
Am Klavier: Der aus Odessa stammende jüdische, russich-österreichische Pianist Oleg Maisenberg.

Als zweite Beilage empfehlen wir das aktuelle Interview mit Gideon Kremer “Geiger Gidon Kremer kämpft gegen Kommerz” auf ATV: Highlights – Das Kulturmagazin, Folge 11, 20. 06. 2010.

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