Adolf Fuchs / Anschel Fuchs, 25. Ijjar 5640 (Donnerstag, 06. Mai 1880)

  • Foto: Grabstein von Adolf Fuchs / Anschel Fuchs, 25. Ijjar 5640
  • Datenblatt Isidor Öhler: Adolf Fuchs / Anschel Fuchs, 25. Ijjar 5640


Anmerkungen

Öhler liest das Sterbejahr (Zeile 1) falsch. Der letzte Buchstabe ist kein „Samech“ ס, wie Öhler liest (Zahlenwert 60, also 660 = 1900), sondern ein „finales Mem“ ם mit dem Zahlenwert 40 (also 640 = 1880). Möglicherweise war sich Öhler seiner Lesung sicher, weil der 25. Ijjar im Jahr 5660 ebenfalls ein Donnerstag war und der Wochentag in der hebräischen Inschrift (Zeile 1) angegeben ist: „am Tag 5 (Donnerstag)“ ביום ה“.

Anschel Fuchs trägt (Zeile 3) den innergemeindlichen Titel „MORENU“ מו“ה.

Anmerkung: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Der Vater von Anschel Fuchs ist (Zeile 4) „Wolf Fuchs, a(uf ihm sei der) F(rieden)“ וואלף פוקס ע“ה.

In Zeile 5 der hebräischen Inschrift wird – übereinstimmend mit den Matriken – das junge Sterbealter angedeutet: „Ein Vater an Weisheit und zart an Jahren“ אב בחכמה ורך בשנים.
Siehe dazu Raschi zu Genesis 41,43 (Josefsgeschichte: Josefs Macht über Ägypten; und Bereschit Rabba 90,3), wo es heißt: „… R. Juda erklärte, אברך das ist Josef, der ein Vater an Weisheit und jung an Jahren war …“.

In Zeile 11 und 12 heißt es: „Obwohl er bedrückt war von Leiden, (12) hielt es ihn nicht ab, in die Synagoge zu gehen in mitten der Frommen“ אף שהיה מדוכה ביסורים לא מנע לכתו בית ה“ באהבים.
Der gesamte Lobteil (Zeile 5ff, mit Ausnahme der letzten beiden Zeilen) besteht aus Paarreimen.

Als Akrostychon finden sich von Zeile 5 – 7 sein Vorname „Ascher (nicht ‚Anschel‘!)“ אשר, in Zeile 8 „Sohn d(es Herrn)“ בנה“, von Zeile 9 – 13 der Vorname des Vaters „Wolf“ וואלף.
(In Zeile 14 dann noch der Segenswunsch „das Andenken des Gerechten möge bewahrt werden“ זכר צדיק לברכה).

Der Grabstein von Anschel Fuchs befindet sich heute noch – eingesetzt in die Mauer – auf dem jüdischen Friedhof in Mattersburg (siehe Group 1/3).
Um einerseits den Standort des Grabsteines und andererseits auch den Unterschied zwischen dem Foto jüngeren Datums und dem Foto Öhlers zu sehen, wurde der Grabstein oben nicht „ausgeschnitten“, sondern das Foto Öhlers 1:1 übernommen.


Biografische Notizen

Sterbematriken: Adolf (Anschel) Fuchs, geb. in Kobersdorf, wh. Mattersdorf 364, verwitwet, Beruf: ohne (sic!), gest. 06. Mai 1880, mit 35 Jahren an Wundbrand


Archiv jüdischer Friedhof Mattersburg