Gelles Luise / Gelles Rachel Lea – 28. August 1935
Luise Gelles / Rachel Lea Gelles, 29. Av 5695 (Mittwoch, 28. August 1935)
Sterbematriken: Gelles Luise, geborene Fischer, wohnhaft in Mattersburg, Judengasse 11, verheiratet mit Heinrich Gelles, Haushalt, verstorben am 27. August 1935 um 17 Uhr, mit 78 Jahren, an Darmkrebs;
Vater: Gelles Bernhard (sic!, verstorben),
Mutter: Stroh Betty (sic!, verstorben).
Schon Carole Vogel weist in ihrem Kommentar (30. Juni 2010, 03.47h) zu Aaron Gellis darauf hin, dass hier ein Fehler in den Matriken vorliegt: Bernhard Gelles und Betty Stroh sind nicht die Eltern von Rachel Lea (Luise) Gelles, sondern jene ihres Ehemanns Gerschon Zvi (Heinrich) Gelles!
Die Datumsdifferenz zwischen hebräischem Datum (29. Av = 28. August) und dem Datum in den Sterbematriken (27. August) kann nicht wirklich erklärt werden, da Rachel Lea am 27. August um 17h stirbt und im August um diese Uhrzeit noch nicht der 29. Av beginnt.
Die hebräische Inschrift, insbesondere die sogenannnte Eulogie, also der Teil vor dem Namen (Zeile 3 – 9), ist bemerkenswert! Unter anderem heißt es über sie (Hohelied 5,10) “ausgezeichnet unter Tausenden” דגולה מרבבה. Außerdem wird ihr Vater, “H(err) Baer Fischer, sein Andenken wird nicht verlöschen” ר” בער פישער זכרו לו כבה genannt und auf sein Werk דובב שפתי ישנים angespielt (der Titel ist ein Zitat aus Hohelied 7,10 “bewegt die Lippen der Schlafenden”). In der Inschrift wird die weibliche Form des Verbs verwendet “sie machte beredt die Lippen der Schlummernden” שפתי ישנים דובבה. Dies wird verständlich, weiß man, dass ihr Ehemann das Buch seines Schwiegervaters herausgegeben hat, siehe dazu den Kommentar von Chaya-Bathya Markovits zu Aaron Gellis (dort auch ein Scan des Titelblattes!).
Der Ehemann wird in Zeile 11 genannt “Frau des MORENU H(errn) Gerschon Zvi Gelles, s(ein Licht) l(euchte)” אשת מו”ה ר” גרשון צבי געלליס נ”י, ihr Ehemann lebt also zum Zeitpunkt ihres Ablebens noch.
Anmerkung: MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).
Im unteren Teil (Blocksatz) finden sich als Akrostychon in Zeile 1 und 3 ihre beiden Vornamen “Rachel” רחל und “Lea” לאה.
Ganz unten am Grabstein befindet sich noch der Name ihrer Mutter “Rosa” רוזא.
Rachel Lea (Luise) Gelles ist die Mutter von Aaron Gelles.
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[...] es handelt sich um 1917 und nicht 1916! Sowohl der Vater, Gerschon Zvi Gelles, als auch die Mutter, Rachel Lea, leben laut hebräischer Inschrift noch, als ihr Sohn Aaron “in den Kriegswehen (des 1. [...]