Hehre Ziele, steinige Wege?
Christlich-katholische Perspektiven auf die Begegnung von Juden, Christen & Muslimen
Ein Beitrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Schalom – Salam – Grüß Gott”
Vorbemerkung: Folgender Beitrag bietet eine Sammlung ausgewählter christlich-katholischer Perspektiven auf die Beziehung & Begegnung von Juden, Christen und Muslimen – auf Basis offizieller kirchlicher Positionsbestimmungen sowie theologischer Vorüberlegungen sollen christliches Selbstverständnis und -positionierung v.a. in der Begegnung mit Judentum und Islam überblicksmäßig und annäherungsweise bestimmt und einige “dialogische” Grundlinien gezogen werden.
Selbstverständnis & Ziele: Theologische & lehramtliche Grundlagen
- Das Selbstverständnis des Christentums in der Begegnung mit anderen Religionen ist, vor allen Ansprüchen an den religiös Anderen, geprägt von einer fundamentalen Selbstverpflichtung: An sich selbst adressiert das Christentum einen (keineswegs mit missionarischen Bemühungen gleichzusetzenden) Imperativ der Dialogizität und des brüderlichen Umgangs –
Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt
1 Petrus 3,15; vgl. auch Unsere Hoffnung. OG I. S. 85; Nostra Aetate 1, 2, 5.
- Bei allen (nicht zu überspielenden) theologischen Differenzen und angesichts einer (nicht zu verharmlosenden) beträchtlichen Konflikt-Geschichte & -Gegenwart weiß sich das Christentum mit Judentum und Islam doch verbunden im monotheistischen Fundamentalbekenntnis:
Der ‘Gott unserer Hoffnung’ (vgl. Röm 15,13) ist ‘der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs’ (Ex 3,6; Mt 22,32), ‘der Himmel und Erde
geschaffen hat’ (Ps 121,2) und den wir mit dem jüdischen Volk und auch mit der Religion des Islam öffentlich bekennen …Unsere Hoffnung. OG I. S. 87.
- Mit erklärter “Hochachtung” begegnet das katholische Christentum dem Islam, um – mit nüchternem Blick für christlich-islamische Gemeinsamkeiten wie (z.B. christologische) Differenzen – die konfliktträchtige Beziehungsgeschichte der beiden Religionen umzuwenden in eine von Verständigung und gemeinsamem Engagement geprägte Gegenwart und Zukunft, d.i.
sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen
Zweites Vatikanisches Konzil: Nostra Aetate 3.
- Mit dem Judentum weiß sich das Christentum wurzelhaft verbunden (“genährt … von der Wurzel des guten Ölbaums”; vgl. Röm 11, 17-24), versteht beide Religionen als Träger eines “gemeinsame[n] geistliche[n] Erbe[s]” und bekennt sich, in Distanzierung von antijudaistischen Traditionslinien und die entsprechende christliche Schuld-Geschichte vor Augen, zur Förderung der “gegenseitige[n] Kenntnis und Achtung” (Nostra Aetate 4). Die einzigartige Rückbindung christlicher Identität an das Judentum verbindet sich in christlich-katholischer Auffassung mit dem Anspruch der Verständigung und des geschwisterlichen Umgangs:
Christen und Juden haben großenteils ein gemeinsames geistliches Erbe, sie beten zum selben Herrn, haben die gleichen Wurzeln, kennen sich aber oft gegenseitig viel zu wenig. Es liegt also an uns, als Antwort auf den Ruf Gottes dafür zu arbeiten, dass der Raum des Dialogs, des gegenseitigen Respekts, des Wachsens in der Freundschaft, des gemeinsamen Zeugnisses angesichts der Herausforderungen unserer Zeit immer offen bleibt; sie fordern uns dazu auf, für das Wohl der Menschheit zusammenzuarbeiten …
Benedikt XVI., Ansprache in der römischen Synagoge 2010, 9.
Der Weg: Dialogische Grundhaltung
- Den Weg zu diesen anspruchsvollen Zielen eröffnet eine dialogische Grundhaltung, d.i. die basale Bereitschaft, “dem anderen zuzuhören und seine Religion zu verstehen – in der Hoffnung, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu finden“; vorurteilsfreies “Hören” des religiös Anderen & “authentisch”-“aktives Sich-Einbringen” sind die wechselseitig vorauszusetzenden Grund-Bereitschaften für fruchtbare dialogische Begegnungen (Francis Arinze, ehemaliger Präsident des Päpstliches Rats für den Interreligiösen Dialog; Arinze 1999. S. 10, 37).
- Damit sind mittelbar auch die Außengrenzen des dialogischen Geschehens markiert:
Vom distanzierten religionswissenschaftlichen Vergleich unterscheidet die dialogische Begegnung das explizite subjektiv-religiöse Engagement der Beteiligten, von der Bekehrungspredigt der Ausfall jeder (auch unterschwelligen) missionarischen Intention, von der theologischen Debatte der Verzicht darauf, die eigene (religiöse) Überzeugung als “richtige” auf Kosten der “falschen” Überzeugungen der Anderen etablieren zu wollen (Arinze 1999. S. 9f.).
Gleichfalls kann sich echt dialogisches Bewusstsein nicht an einem pseudo-dialogischen und im schlechtesten Fall tendenziösen “Reden-über” (den religiös Anderen) genügen lassen, sondern wird eine fortgesetzte Offenheit für Selbstverständnis(se) und -darstellung(en) der religiös Anderen zu bewahren suchen, jenseits eingeschliffener Stereotype und eines pauschal-starren “Bescheid-Wissens”. - Freilich: Ein solcher Dialog meint nicht “Verzicht auf Wahrheit” oder Marginalisierung des eigenen religiösen Selbstverständnisses um einer erkünstelten Harmonie willen, sondern ist differenz-bewusste Begegnung, in der das bleibende Anders-Sein des religiös Anderen respektiert wird und in der auf das Zugeständnis des bleibenden religiösen Eigen-Seins vonseiten der Dialogpartner gerechnet wird – und die zugleich getragen ist von der
Ehrfurcht vor dem Glauben des anderen und d[er] Bereitschaft, in dem, was mir als das Fremde begegnet, Wahrheit zu suchen, die mich angeht und die mich korrigieren, mich weiterführen kann
Ratzinger 1998. S. 117f.; vgl. auch Arinze 1999. S. 37ff.
- Dialogisches Geschehen wird sich, schon um dem Gegenstand des dialogischen Interesses annäherungsweise adäquat zu sein, so wenig eindimensional und uniform präsentieren (dürfen) wie die Religionen selbst – soll heißen: Intellektuelle Auseinandersetzung ersetzt nicht lebenspraktische Beziehungen, akademischer Austausch nicht religiöse Erfahrungen oder gemeinsames Engagement etc. (vgl. Arinze 1999. S. 11-14).
- Noch eins: Dialog ist lebendige Begegnung – und entsprechend gefährdet, durch religiöse Profilierungssucht nicht weniger als durch chronisches wechselseitiges Schulterklopfen.
Literatur
- Benedikt XVI.: Ansprache aus Anlass des Besuches der Synagoge zu Rom (17. Januar 2010).
Online: http://ojm.at/benediktxvi - Francis Arinze: Begegnung mit Menschen anderen Glaubens. Den interreligiösen Dialog verstehen und gestalten. München u.a.: Neue Stadt 1999.
- Joseph Kardinal Ratzinger: Die Vielfalt der Religionen und der Eine Bund. Hagen: Urfeld 1998.
- NOSTRA AETATE. Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen.
Online: http://ojm.at/nostraaetate - UNSERE HOFFNUNG. Beschluss der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland.
Online: http://ojm.at/unserehoffnung (PDF!)
Christopher ist u.a. katholischer Theologe & seit 2004 im jüdischen Museum – und bloggt hier …
Dieser Beitrag ist Teil einer Blog-Mini-Serie, die unsere aktuelle Veranstaltungsreihe “Schalom – Salam – Grüß Gott” begleiten und ergänzen soll: Jüdische, christliche und muslimischen Autoren wurden gebeten, “eine Handreichung für interreligiöse Begegnungen aus jüdischer/christlicher/muslimischer Perspektive” anzufertigen, die, “quasi als interreligiöser Survival Kit, (…) Orientierung in der interreligiösen Begegnung verbessern und Unsicherheiten mindern” kann.
Bereits erschienen sind der “Islam-Knigge” von Hussein Hamdan sowie “Schwierige Freundschaft” von Chajm Guski, weitere Beiträge folgen in den kommenden Wochen.
Schlagwörter: jüdisch-christlich, schalom-salam-grüß-gott | Kommentare (15)
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Schön geschrieben, wenig schlüssig.
1. Seit wann vermag denn die kath. Kirche einen (wahrhaftigen) Dialog mit dem jüdischen Volke zu führen, scheinbar auf gleicher Augenhöhe, wo doch die ganze Theologie auf dem Substitutionsgedanken basiert und jüdische Schriften bis ins NT hinein auf die Kirche selbst bezogen werden, ein Jude zu Gott verklärt wird? Da ist ein wahrhaftiger Dialog genauso möglich wie mit einem Entführten.
2. Bei allem Respekt vor der “Hochachtung” der Kirche dem Islam gegenüber: Was an ihrer Theologie hat die Kirche dem Islam Wesentliches übernommen? Speist sich die Genese des Katholizismus mehr vom Islam als, sagen wir mal, dem Hinduismus? Oder haben wir hier eher mit Political Correctness zu tun?
Wenn ein Papst wie ein Lessing redet, befinden wir uns, um mit Kundera zu sprechen, eindeutig im Zeitalter der selbst verschuldeten Infantilisierung.
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Christopher schreibt am 2. August 2010 um 08:34
> Schön geschrieben, wenig schlüssig.
Das geb’ ich gern zurück ;)
Jetzt wird’s noch sonderbarer:
Eine pointierte, aber recht selbstgefällige Polemik, nicht wahr? Nuja, jeder wie er’s mag…(und nichts gegen Kundera btw ;) )
Und im Ganzen: Yoav, der Mangel an dialogischem Geist liegt hier mE auf deiner Seite, nämlich im (um nichts stärkeres zu sagen) zweifelhaften Anspruch, den religiös Anderen besser zu verstehen, als er sich selbst versteht; das führt dann zu eigenwilligen Unterstellungen und Halbwahrheiten, statt auf eine adäquate Replik auf den obigen Text.
Cheers!
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Yoav Sapir schreibt am 2. August 2010 um 09:11
Ja, das Judentum in katholischer Gefangenschaft, zumal dem heutigen Judentum offenbar nur noch “gegönnt” wird, Träger eines “gemeinsamen Erbes” zu sein. Versteht sich denn die Kirche in Bezug auf, sagen wir mal, Augustinus, ebenfalls als “Trägerin eines Erbes” oder eher als eine direkte Fortsetzung ihrer Anfänge? Bei allem Respekt vor diesem lessingschen Geiste: Es gab nie einen verstorbenen Israel, der sein Erbe an zwei vermeintlich “geschwisterliche” Religionen oder Völker vermacht hätte.
Und mit “Hochachtung” würde ich sehr vorsichtig umgehen. Ich habe nichts gegen den Hinduismus, aber auch keine Hochachtung davor. Desgleichen dem Islam. Das sind Phänomene, die für die Weltgeschichte insgesamt von Bedeutung sind, aber das will ja auch nicht inflationär übertrieben werden. Wenn man jedem und allem mit Hochachtung begegnet, hat die Hochachtung ja nicht mehr viel zu bedeuten.
Polemik gehört zum Dialog wie das Dekolleté zum Gewand. Aber hätte ich dir geschrieben, wenn ich keine Lust auf diesen Dialog hätte? Nur finde ich nicht, dass Dialoge sich wie eine Teletubbies-Show gestalten müssen wie es heutzutage oft der Fall ist.
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Christopher schreibt am 2. August 2010 um 10:39
> Ad “Träger eines ‘gemeinsamen Erbes’”: Da scheint mir eine Missdeutung vorzuliegen – “Erbe” (“patrimonium”) meint ja nicht nur “Nachlass eines Toten” (dann wäre es an dieser Stelle klarerweise unpassend bis unverständlich), sondern auch (und mE hier) “Überlieferung”, “Tradition” etc. Und das Christentum versteht sich nunmal als in der jüdischen Tradition verwurzelt und kann entsprechend auf ein “gemeinsames Erbe” rekurrieren, unbeschadet des Umstands, dass, (auch) nach katholischer Auffassung, “die Juden vor allen anderen vom Herrn auserwählt sind, sein Wort anzunehmen” (Benedikt XVI.), “Volk des Bundes” waren, sind und bleiben (im Gegensatz zu einem Substitutionsdenken) etc. Keineswegs also ist es so, dass den Juden “nur noch ‘gegönnt’ wird, Träger eines ‘gemeinsamen Erbes’ zu sein”.
> Ad “Hochachtung” – begriffliche Geschmacksache, würd’ ich sagen; vielleicht ist es hilfreich, wenn ich präzisiere, dass nicht “dem Islam”, sondern (den) “Muslimos” mit “Hochachtung” (“aestimatio”) begegnet wird: “Ecclesia cum aestimatione quoque Muslimos respicit qui unicum Deum adorant…”, sagt das Konzil. Und “Aestimatio” ist in meinem Verständnis & ohne die Konzilsaussage abschwächen zu wollen, keineswegs etwas, das von “Inflation” bedroht ist, sondern eher eine fundamentale Grundhaltung für gedeihliche Begegnung.
> Ad “Polemik gehört zum Dialog wie das Dekolleté zum Gewand…finde ich nicht, dass Dialoge sich wie eine Teletubbies-Show gestalten müssen wie es heutzutage oft der Fall ist.”
Zur letzten Bemerkung: D’accord! Deshalb auch obiger Hinweis auf das “chronische Schulterklopfen” – die Harmoniesüchtigen sind dem Dialog keineswegs zuträglich, Polemik wiederum sollte freilich zumindest auch sachlich geerdet sein & im IR Dialog scheint sie mir aufs Ganze gesehen eher kontraproduktiv…
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Yoav Sapir schreibt am 2. August 2010 um 18:52
Okay, dem kann ich zustimmen.
Vor “Muslimen” habe ich auch Hochachtung. Das gilt allerdings für bestimmte Personen und nicht für alle Muslime bzw. die Muslime als solche.
Zum Substitutionsgedanken: Wie lässt sich also die ganze Geschichte mit der Ostermesseformel erklären? Meines Erachtens bedeutet der Begriff “Gottes auserwähltes Volk” für die Kirche etwas anderes als für (viele) Juden. Nach wie vor (dem II. Vat. Kon.) sollten die Juden *eigentlich* zu Jesus finden, worin sich ihre Auserwähltheit wohl erst recht erfüllen würde.
Ich kann mir jedenfalls keine Kirche vorstellen, die von der ganzen Menschheit erwartet, sich *letztendlich* durch Jesus erlösen zu lassen, doch gerade die Juden davon ausnähme.
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Yoav Sapir schreibt am 2. August 2010 um 18:55
PS.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe mit der besagten Ostermesseformel keinerlei Probleme und finde es für mich als Juden gar nicht ärgerlich. Ich meine vielmehr, die Kirche sollte genau das artikulieren, was sie ist; und wenn sie die Position vertritt, ihre Endzeitvorstellungen würden auch und erst recht die Juden einbeziehen, dann sollte sie Rückgrat zeigen und dies auch so benennen.
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Christopher schreibt am 2. August 2010 um 22:07
Ich möchte dazu grundsätzlich sagen: In der Frage des Verhältnisses des (kath.) Christentums zu den nicht-christlichen Religionen ist in den letzten 50 Jahren fraglos vieles in Bewegung gekommen – und ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Prozess noch keineswegs an sein Ende gekommen ist und die gegenwärtigen Positionen nicht der Weisheit letzter Schluss sind.
Dein zuletzt geäußertes Plädoyer für Authentizität und Wahrhaftigkeit jedenfalls läuft bei mir offene Türen ein! Wir wollen dabei allerdings nicht übersehen, dass (auch) der Katholizismus natürlich keinen einheitlichen Meinungs-Block bildet und sich in der gegenständlichen Frage im Blick auf die verschiedenen lehramtlichen Äußerungen, das breite Spektrum an theologischen Positionen, die liturgischen Formeln, traditionell-eingeschliffene Überzeugungen der “Basis” etc. teils massive Unstimmigkeiten zeigen – was bei einer lebendigen Welt-Religion auch nicht weiter überraschend ist, aber natürlich bei Christen wie Nicht-Christen Unsicherheiten aufkommen lassen kann (oder schlimmeres, nämlich den Verdacht der Unaufrichtigkeit o.Ä.). Man wird hier übrigens ergänzen müssen: Diese Schwierigkeit, nämlich: das Fehlen einer einheitlichen “Corporate Identity” ;), findet sich auch in anderen Religionen – was wiederum dialogische Bemühungen aller Art klarerweise nicht erleichtert.
Hierzu passt nun sehr gut das Thema “Karfreitagsfürbitte” (die ist doch gemeint, nehme ich an?), denn diese bzw. die Diskussion darüber spiegelt genau die genannte Schwierigkeit. Auf eine häufig übersehene Pointe dieser (um das Mindeste zu sagen) fraglos unrühmlichen Geschichte möchte ich aber doch noch hinweisen, nämlich, dass der Text, der in der überwältigenden Zahl der Gemeinden am Karfreitag tatsächlich gesprochen wird, mE einer der theologisch stärksten, prägnantesten und zukunftsweisendsten ist, die zu diesem Thema überhaupt existieren – nämlich sofern er eine “eschatologische Selbst-Bescheidung” an den Tag legt, die (auch) dem Christentum mMn gut ansteht: “Lasst uns auch beten für die Juden, zu denen Gott, unser Herr, zuerst gesprochen hat: Er bewahre sie in der Treue zu seinem Bund und in der Liebe zu seinem Namen, damit sie das Ziel erreichen, zu dem sein Ratschluss sie führen will.” .
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Yoav Sapir schreibt am 3. August 2010 um 11:47
Ja, Karfreitagsfürbitte.
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Die Lehre des Christentums basiert nicht auf einem “Substitutionsgedanken”, sondern auf einem Enterbungsgedanken/Ersetzungsgedanken. Ein Substitut kann ein anderes Gut ersetzen, spricht dem anderen Gut aber nicht ab seinen Zweck weiterhin zu erfüllen (Butter und Margarine).
Mit den Worten “Niemand kommt zum Vater denn durch mich” (Johannes 14,6) wird dem Judentum abgesprochen eine Verbindung zu ihrem Gott überhaupt noch aufbauen zu können. Sprich, die Religion des “Alten Bundes” wurde durch die Religion des “Neuen Bundes” abgelöst.
Allein im Neuen Bund findet man Erlösung, während der Alte Bund verworfen wird.
Dies manifestierte sich sowohl in zahlreichen Traktaten der Kirche, als auch in der Kunst, siehe Ecclesia und Synagoga, die beiden ungleichen Schwestern, sinnbildlich für die Kirche (prachtvoll, stark, edel, gesegnet) und Judentum (gottverlassen, geschlagen, verarmt, verhasst).
Noch in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts brachte es die Katholische Kirche nicht über die Lippen Israel, als das zu bezeichnen, was es ist. Nicht einmal den Staatsnamen nahmen ihre Vertreter in den Mund.
Folgerichtig wurden jüdische Kinder ihren Eltern entrissen, damit sie ihr “Heil” im Neuen Bund finden. Wer die Geschichte der katholischen Kirche dermaßen verklärt, der sollte sich tatsächlich fragen, ob er allen ernstes fähig ist einen Dialog zu führen.
Wobei Dialog an dieser Stelle zu viel gesagt ist.
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“[...] unbeschadet des Umstands, dass, (auch) nach katholischer Auffassung, “die Juden vor allen anderen vom Herrn auserwählt sind, sein Wort anzunehmen” (Benedikt XVI.)”.
Liest man diesen Satz im Zusammenhang, so weiß man woran Benedikt anknüpft. Kurzum “zu den Juden zuerst”, heißt die Formel. Zuerst werden die Juden zu ihrem Glück gezwungen und erkennen Jesus als ihre Gott an und dann folgen die Heiden.
Nur leider hat es mit der Judenmission schon in Judäa nicht funktioniert und auch mit der Endlösung des Katholiken Hitler, obgleich er Jesus für seine Härte im Umgang mit den Wucherern in “Mein Kampf” lobt, war es nicht allzu weit her.
Mir scheint die Kirche kennt nur zwei Extreme, entweder lässt man den Islam gewähren (er weiß noch sein Schwert zu zücken) oder man Missioniert blind alles was sich bewegt. In Indien bspw. mit Mikrokrediten, wenn Bauern ihren Kindern christliche Namen geben und in Deutschland weniger offen, indem man missionarischen Gruppen Räume zur Verfügung stellt.
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Christopher schreibt am 9. August 2010 um 22:19
Roman, es ist verblüffend, zu sehen, mit welcher Selbstgefälligkeit, ja Hybris du hier zum Rundumschlag ausholst und apodiktisch bestimmen zu können glaubst, was denn “das Christentum” ist – auf irgendwelche Quellentexte etc. (von einem steinbruch-exegetisch isolierten NT-Zitat abgesehen) musst du dich dabei offensichtlich gar nicht stützen, denn du WEISST ja haargenau, was “das Christentum” ausmacht. Nun könnte ich natürlich nachfragen, ob du mich, wenn ich im obigen Text zu einer offenkundig hiervon deutlich abweichenden Darstellung komme, a. für dumm bzw. inkompetent oder aber b. für einen Lügner hältst.
Das kann ich mir aber deshalb ersparen, weil du den obigen Text ebenso offenkundig gar nicht ernsthaft gelesen hast, sondern ihn nur als Projektionsfläche für deine (um nichts Schärferes zu sagen) tiefsitzende General-Abneigung gegen das Christentum missbrauchst. Was du schreibst, sind durchwegs unzulässige Verallgemeinerungen, Vereinseitigungen, haarstraeubendste Fehlinterpretationen, Unterstellungen und völlig wirre Assoziationen (> der “Katholik Hitler” usw. – ich mein, geht’s noch?) Und dafür bin ich mir, offen gesagt, zu schade…
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Roman schreibt am 9. August 2010 um 22:56
Du kannst ja gern zu einer anderen Meinung kommen, als die Katholische Kirche und damit ein Großteil des Christentums. Das ändert aber wenig daran, dass meine obige Ausführungen stimmen.
Dann muss ich aber fragen für wen du hier eigentlich sprichst. Für dich als Privatperson? Für die Kirche? Für die Katholiken?
Übrigens habe ich mich weitreichend mit dem christlichen Antijudaismus und seinen Basistexten befasst, sowohl aus persönlicher Sicht, als auch in akademischen Studien. Ich kenne die “Macher” der Judenmission, die Financiers der Seelenfänger, Pastoren und Migrationsbeauftragte, die alle von der katholischen Logistik profitieren und Israel “erretten” wollen.
Mir scheint du willst fernab der Realität diskutieren, auf einer philosophischen Ebene. Ich meine, dass die Chance auf einen regen Austausch der Religionen vorbei ist. Die Katholiken und Protestanten haben ihre Juden in Lager gebracht und dort verbrannt. Das meine ich wertfrei.
Wie kann heute, hier in Deutschland, ein Dialog auf Augenhöhe also geführt werden? Es fehlen schlicht die Menschen auf Seite der Juden und die wenigen die da sind haben nicht die Muse sich das Märchen vom friedlichen Zusammenleben der Religionen anzuhören. Es führt ein blutiger Pfad vom Kreuz Jesu (ich halte Jesus für eine Erfindung) bis nach Auschwitz. An dieser Stelle darf gesagt werden, dass Hitler & Co durchaus durch den Katholizismus sozialisiert wurden und sich die Religion zu Nutze gemacht haben. Nicht umsonst verweist Hitler in “Mein Kampf” explizit auf Jesu Umgang mit den Juden.
Diese wirre Assoziation habe nicht ich gezogen, sondern immerhin der demokratisch gewählte Führer des Deutschen Reiches (in dem wir übrigens bis an den heutigen Tag leben).
Wie kann man das Christentum anders verstehen, als durch das Kennenlernen seiner größten Töchter und Söhne und die Analyse ihres Verhalten gegenüber ihren nichtchristlichen Mitmenschen?
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Christopher schreibt am 10. August 2010 um 09:21
Ich spreche im obigen Beitrag als katholischer Theologe – nicht mehr, nicht weniger.
Du dagegen sprichst offensichtlich fuer “die Juden” – na das ist gut zu wissen; wenngleich ich eine ganze Reihe von Juden kenne, die sich fuer diese Vereinnahmung nicht gerade bedanken wuerden.
Ich fuehre fuer so ziemlich jede meiner obigen Thesen lehramtliche bzw. theologische Belege an. Du wiederum belegst keine deiner Aussagen ueber “das Christentum”; der fast schon paranoide Unterstellungsreigen setzt sich im obigen Posting munter fort. Du bist es also der “fern der Realitaet” hier seine kruden Dogmen (Jesus ist also “eine Erfindung” etc.) herleiert, nicht ich.
“Wie kann man das Christentum anders verstehen, als durch das Kennenlernen seiner größten Töchter und Söhne und die Analyse ihres Verhalten gegenüber ihren nichtchristlichen Mitmenschen?” – meint das Hitler, einen der “groessten Soehne”? Sorry, aber, wenn das der Fall sein sollte, ist das schlicht jenseitig & bloedsinnig & skandaloes.
Und was das alles mit obigem Text zu tun hat, ist sowieso voellig unklar – du kannst deine paranoiden Projektionen gern weiter ausleben, Roman, aber ohne mich…
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Roman schreibt am 10. August 2010 um 10:39
In deinem obigen Beitrag vermisse ich von dir die Feststellung, dass du hier allein für dich als Theologen sprichst. Dein Beitrag ist überschrieben mit “Christlich-katholische Perspektiven auf die Begegnung von Juden, Christen & Muslimen”. Das würde ja dann nicht stimmen, heißen müsste es: Die Sicht eines einzelnen christlichen Theologen auf die Perspektive der Begegnung von Juden, Christen & Muslimen. Geschenkt!
Du scheinst die Perspektive aber ohnehin verloren zu haben, ich spreche hier für niemanden, ich spreche hier nur für mich selbst. Nicht als Theologen, sondern als gewöhnlichen Juden in Deutschland. Schließlich befinden wir uns doch hier auch im Kommentarbereich eines Blogs.
Diese Diskussion mit dir erinnert mich sehr stark an die Islamdebatte. Wenn man eine problematische Aussage aus dem Koran betrachten will, so werden immer wieder und vor allem an der Realität vorbei, irgendwelche akademischen Texte, Gutachten oder Interpretationen zitiert. Ich beschäftige mich lieber mit dem Greifbaren, so habe ich dir auch aus deiner eigenen Heiligen Schrift zitiert. Offenbar war das schon zu viel des Guten! Wir können aber über das Verhältnis von Juden und Christen nicht diskutieren, ohne die blutgetränkte Vergangenheit des Christentums anzusprechen und dann darf die Frage erlaubt sein, warum es so viel Blutvergießen gab, warum die Kirche, die Katholiken das taten was sie taten. Warum hat die Kirche jüdische Kinder entführt? Warum schlachteten die Kreuzfahrer Juden nieder? Warum äußerte sich der Papst nicht zum Holocaust? Warum stoppten katholische Gläubige nicht den Völkermord? Warum holt der heutige Papst Antisemiten in die Kirche? Das alles ist eine ungebrochene Kontinuität. Von den in Stein gemeißelten Ecclesia und Synagoga bis Bischof Williamson ist diese Kontinuität offenkundig.
Brauchst du tatsächlich Belege von mir? Reichen dir deine Bibel, die Judensäue und Ecclesia/Synagoga-Statuen an zahlreichen Kirchen und Domen nicht? Über keine Religion kann man losgelöst von der jeweiligen Gefolgschaft sprechen und ja, zweifelsohne ist der Katholik Hitler einer der größten Söhne des deutschen Volkes und Angehöriger der Katholischen Kirche. Die Größe Hitlers, sein Einfluss auf die Weltgeschichte ändert wenig daran, dass er ebenso der größte Verbrecher der Geschichte war. Hitler selbst bezieht sich in seinen Schriften auf Jesus, deinen Gott!
Hier wären wir bereits bei dem von dir angeführten Zitat „Christen und Juden haben großenteils ein gemeinsames geistliches Erbe, sie beten zum selben Herrn“
Hier muss ich als Jude widersprechen. Weder haben wir ein gänzlich gemeinsames Erbe, noch beten wir zum selben Herrn! Als Jude glaube ich, dass Jesus nicht mein Herr ist und der muslimische Gott ist es auch nicht (das nur am Rande). Ich persönlich halte Jesus für eine literarische Person, nicht für einen geschichtlichen Charakter. In all den Diskussionen mit christlichen Theologen konnte mir keiner einen einleuchtenden Beweis für die Existenz Jesu präsentieren. Alle „Beweise“ sind lange nach Jesus angeblicher Kreuzigung aufgezeichnet worden, sie basieren auf Hören-Sagen. Das ändert aber doch wenig an der Diskussion, ich muss als Jude nicht anerkennen, dass Jesus Gott ist, ich muss als Jude und Mensch nicht anerkennen, dass es Jesus je gegeben hat. Ich respektiere den Glauben der Christen und ich respektiere den Glauben von Muslimen, auch wenn ich mich dagegen wehre von fremden Dogmen vereinnahmt zu werden.
Es ist aber schon bezeichnend, wenn du schreibst „Du bist es also der “fern der Realitaet” hier seine kruden Dogmen (Jesus ist also “eine Erfindung” etc.) herleiert, nicht ich.“ Es ist also ein krudes Dogma, wenn ich an den „Beweisen“ an Jesus Existenz zweifle? Übernimmst du dich da nicht ein wenig? Welche Art von Dialog möchtest du hier eigentlich führen? Du kannst von deinen Dialogpartnern nicht erwarten, dass sie als Vorbedingung die Grundsätze des christlichen Glaubens annehmen. Erst musst du überzeugen und danach werden wir sehen, ob die Juden Jesus als ihren Heiland oder wenigstens als historische Person annehmen. Damit wären wir allerdings wieder bei der guten alten Judenmission und damit wieder ganz nah an einem Thema, das das Verhältnis von Juden und Christen nachhaltig geprägt hat und noch heute prägt.
Es darf auch hier die Frage erlaubt sein, warum die Judenmission in deinen obigen Ausführungen fehlt. Es scheint fast so, als hätte vom ersten Jahrhundert an bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil und Ratzinger die Kirchenführung und alle Katholiken eine kleine Pause eingelegt.
Abschließend noch ein Beispiel zur Offenheit der Katholischen Kirche heute. Eine jüdische Bekannte von mir durfte durch einen Zufall eine katholische Schule besuchen, als sie die das Abitur gemacht hatte, weigerte sich die Schulleitung in ihr Zeugnis ihre Religionszugehörigkeit hinein zu schreiben. Das ist die Vereinnahmung der Katholischen Kirche gegenüber dem Judentum, nicht einmal Jesus hätte in seinem Zeugnis stehen gehabt, dass er Jude ist!
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