Bilder der Woche – Griechenland

Sommeredition

“Bild der Woche” goes on holiday – und begibt sich in den nächsten Wochen auf eine sommerliche Bilder-Reise zu jüdischen Museen, Synagogen und Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!

Und Sie sind herzlich eingeladen, sich mit Ihren Urlaubsbildern an unserer Reise zu beteiligen – zum Koschere-Melange-Sommergewinnspiel.

Auch diese Woche haben wir großartige Unterstützung für unser “Bild der Woche” bekommen. Wir danken Meir Deutsch, Israel, ganz herzlich dafür, dass er uns sowohl Fotos als auch umfassende Informationen zur Verfügung gestellt hat, die wir weitgehend (übersetzt und) übernommen haben.

Damit steht der heutigen Rundreise nichts mehr im Weg: Wir streifen diesmal durch Griechenland und besuchen die Orte Thessaloniki, Veria, Kastoria, Ioannina, Larissa, Athen und Rhodos, wo wir nicht nur einen Blick auf einige Synagogen werfen, sondern auch geschichtliche Hintergrundinformationen sammeln wollen.

Die heutige Reiseroute:

Google Maps Reiseroute Griechenland ...

Thessaloniki

Innenansicht der Synagoge in Thessaloniki


“Etwa zwei Jahrhunderte lang galt Saloniki als die Stadt, in der weltweit die meisten Juden lebten …”

Wahrscheinlich kamen die ersten Juden zur Zeit Alexanders des Großen nach Thessaloniki. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts lebten Juden aus ganz Europa in der Stadt, unter ihnen auch Flüchtlinge aus Spanien, Portugal, Italien, Sizilien, Frankreich und Nordafrika. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Zahl der jüdischen Bevölkerung auf rund 60.000 angewachsen. Im Holocaust kamen 96 % der Juden aus Thessaloniki ums Leben. Diese hohe Zahl ist zum Teil auch dem Rabbiner der Stadt, Zvi Koretz, zuzuschreiben. Er war der Meinung, wenn er den Nationalsozialisten Gehorsam leisten würde, könne er sie besänftigen. Als Rabbiner und Präsident der jüdischen Gemeinde forderte er seine Gemeindemitglieder zu Gehorsam gegenüber den Deutschen auf. Er selbst folgte seinem eigenen Ratschlag und zeigte sich kooperativ. Raul Hilberg schreibt dazu:

Für die deutschen Bürokraten war er ein ideales Werkzeug.

Hilberg, Raul: Die Vernichtung der europäischen Juden, Bd. 2, S. 740

Im Februar 1943 kamen die Nazi-Offiziere Alois Brunner und Dieter Wisliceny, die mit der Deportation beauftragt waren, in der Stadt an. Bevor man die ersten Waggons nach Polen schickte, hielt Rabbi Koretz in der Synagoge eine Ansprache, in der er die versammelten Menschen darüber informierte, dass man sie nach Polen bringen würde. Dort, meinte er, würden sie eine neue Heimat finden. Um diesem Versprechen Glaubwürdigkeit zu verleihen, wurden polnische Geldscheine ausgeteilt …

Veria

  • Außenansicht der Synagoge in Veria'
  • Der Toraschrein der Synagoge in Veria
  • Wandmalerei in der Synagoge in Veria


Jüdisches Leben gab es in Veria schon im ersten Jahrhundert. Es ist bekannt, dass der Apostel Paulus, nachdem er aus der Synagoge in Thessaloniki vertrieben worden war, weiterzog nach Veria, um dort zu predigen. Die jüdische Gemeinde in Veria war immer eng verbunden mit den Gemeinden von Thessaloniki und Monastir.

Kastoria

Kastoria war ehemals Zentrum des Fellhandels in Griechenland. Viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Kastoria waren ursprünglich aus Italien gekommen, hatten sich aber nach und nach den bereits in Kastoria lebenden sefardischen Juden angepasst. Der daraus resultierende spanisch-jüdische Dialekt war einzigartig. Im März 1944 wurden 763 der 900 Juden aus Kastoria nach Auschwitz deportiert.

Ioannina

Die jüdische Gemeinde in Ioannina bestand laut Überlieferung schon seit dem neunten Jahrhundert. Nach dem ersten Balkankrieg 1913 verließ ungefähr die Hälfte der 4.000 jüdischen Einwohner die Stadt. Im Zweiten Weltkrieg war Ioannina von Italien besetzt, die Deportationen begannen, sofort nachdem Italien das Waffenstillstandsabkommen unterschrieben hatte. Die gesamte jüdische Gemeinde wurde in das Konzentrationslager Auschwitz verschleppt.

  • Eingang der Synagoge in Ioannina
  • Innenansicht der Synagoge in Ioannina
  • Gedenkstätte für die jüdischen Opfer des Holocaust


Der jüdische Dichter Yosef Elia schrieb über den See von Ioannina:

Oh, lake, your blue water
Bear so many children’s dreams
Oh, how the past turns its laughter
On memory’s enormous wings

But when I listen to the dead past
I feel the lake weeping, alas
The ecstatic stare of fantasy.

Larissa

  • Innenansicht der Synagoge in Larissa
  • Toraschrein in der Synagoge in Larissa
  • Holocaust-Denkmal in Larissa


Seit über 2.000 Jahren leben Juden in Larissa. Ab dem 16. Jahrhundert hatte die Stadt eine kleine sefardische Gemeinde. Dreihundert Jahre später gab es in der Stadt sieben Synagogen und eine Jeschiwa, die Gemeinde zählte damals rund 2.800 Mitglieder. Es wurden auch viele Pijjutim in Larissa geschrieben. Wenn man heute durch die Straßen von Larissa spaziert, sieht man noch immer Gebäude mit hebräischen Inschriften.

Athen

Die jüdische Gemeinde in Athen begann erst Mitte des 19. Jahrhunderts zu wachsen, nachdem Griechenland seine Unabhängigkeit erlangt hatte und Athen zur neuen Hauptstadt geworden war. Zu dieser Zeit war Athen als Ansiedlungsgebiet für Deutsche attraktiv geworden, auch Otto aus Bayern reiste gemeinsam mit seinem Financier Max Rothschild an. Ihnen folgten weitere jüdische Familien aus Bayern. Im Jahr 1889 war die jüdische Gemeinde groß genug, um als religiöse Minderheit der Stadt anerkannt zu werden.

Mit der Besetzung Griechenlands 1941 fiel die Kontrolle der Stadt in italienische Hände. Die jüdische Bevölkerung genoss drei Jahre relative Sicherheit. Viele jüdische Flüchtlinge aus Thessaloniki suchten Schutz in Athen. Nach dem Fall Mussolinis 1943 versuchten die Deutschen den Rabbiner der Stadt zur Kooperation zu zwingen. Dieser jedoch weigerte sich und floh mit Hilfe der griechischen Widerstandsbewegung. Viele seiner jüdischen MitbürgerInnen folgten seinem Beispiel und konnten gerettet werden. Im April 1944, kurz vor Pesach, bereiteten die Nazis eine Falle vor. Sie forderten die jüdische Bevölkerung auf, sich in der Synagoge zu versammeln, es würden dort Mehl und Zucker verteilt werden. Rund 800 Juden aus Athen fielen so in die Hände der Nationalsozialisten.

Jüdisches Museum in Athen.

Rhodos

Die beiden Toraschreine in der Synagoge in Rhodos


Hier sieht man die beiden Toraschreine in der Synagoge in Rhodos. Meir Deutsch schreibt uns dazu:

Was ich faszinierend fand, waren die beiden Toraschreine in der Synagoge in Rhodos. Als ich fragte, warum es zwei gebe – ich hätte das sonst noch nirgends gesehen -, sagte man mir: “Wissen Sie denn nicht?” Ich war noch immer ein bisschen verwirrt und sagte: “Nein, ich weiß es nicht.”
Man informierte mich, dass Moses vom Berg Sinai mit zwei Steintafeln herabgekommen war, deshalb gebe es auch zwei Schreine.

  • Innenansicht der Synagoge in Rhodos
  • Tafel mit Inschrift an der Wand der Synagoge in Rhodos
  • Mikwe in der Synagoge in Rhodos


Rund 5.000 Juden lebten in Rhodos zu Beginn des 20. Jahrhunderts, viele davon waren erfolgreiche Händler und Handwerker. Ab 1912 stand Rhodos unter italienischer Herrschaft und viele italienische Juden kamen auf die Insel. Im 2. Weltkrieg konnten zunächst viele Juden aus Rhodos nach Italien flüchten. Nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes zwischen Italien und den Alliierten übernahmen allerdings die Deutschen die Insel. Im Juli 1944 begann die Deportation der 1.700 Juden aus Rhodos.

Auch in Rhodos gibt es ein jüdisches Museum.

Mehr Informationen zur Geschichte der Juden in Griechenland.

Das Koschere-Melange-Sommergewinnspiel

Schicken Sie uns Ihre Urlaubsfotos – gesucht sind Bilder von jüdischen Museen, Synagogen, historischen und aktuellen Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!
Die hübschesten, originellsten oder “weitestgereisten” Fotos werden als “Bild der Woche” hier im Blog veröffentlicht.

Unter allen Einsendern verlosen wir 3 Exemplare des Buches “… weil man uns die Heimatliebe ausgebläut hat … Ein Spaziergang durch die jüdische Geschichte Eisenstadts”, 3 Exemplare des Buches “Aus den Sieben-Gemeinden. Ein Lesebuch über Juden im Burgenland” sowie eine Jahreskarte für das Österreichische Jüdische Museum.

Einsendungen bitte an bildderwoche@ojm.at. Einsendeschluss ist der 31. August 2010.

Bitte beachten Sie: Mit der Übermittlung Ihres Bildes erklären Sie sich mit einer Veröffentlichung auf koschere-melange.at einverstanden. Bitte schicken Sie das Bild in möglichst hoher Auflösung. Pro Absender nimmt nur eine Einsendung an der Verlosung teil.


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