Bilder der Woche – Ukraine

Sommeredition

„Bild der Woche“ went on holiday – und begab sich in den vergangenen Wochen auf eine sommerliche Bilder-Reise zu jüdischen Museen, Synagogen und Schauplätzen jüdischen Lebens in aller Welt!

Heute präsentieren wir unsere vorletzte Ausgabe der Bild-der-Woche-Sommeredition, die nach den hohen Feiertagen, am 19. September enden wird. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die vielen schönen Bilder bedanken, die uns zugeschickt wurden. Wer gewonnen hat, wird in Kürze das Los entscheiden.

Die heutige Reiseroute

Nach unserem Ausflug ins sommerlich-sonnige Griechenland zieht es uns wieder zurück in den Osten, genauer: in die heutige Ukraine. Wir nutzen die Gelegenheit und knüpfen an unsere Rundreise durch Galizien und die Bukowina an: Noch einmal besuchen wir die Hauptstädte der beiden Kronländer, Lemberg und Czernowitz, machen dann einen kurzen Abstecher nach Düsseldorf und wollen abschließend noch die weiter östlich liegenden Städte Medschybisch und Winnyzja besichtigen.

Wir danken Mag.a Regina Hopfgartner, Salzburg, für die Reisefotos mit ausführlicher Beschreibung sowie Susanne Hermes, Hamburg, für das Bild vom Grabstein Rose Ausländers.

Google Maps Reiseroute Ukraine ...

Lemberg, heute Lwiw (ehemalige Hauptstadt Galiziens)

Ehemaliges jüdisches Krankenhaus in Lwiw

Ehemaliges jüdisches Krankenhaus in Lwiw

Das imposante, in maurischem Stil erbaute ehemalige jüdische Krankenhaus wird heute noch in dieser Funktion genutzt.

Czernowitz (ehemalige Hauptstadt der Bukowina)

In einer nicht asphaltierten, von Schlaglöchern übersäten Straße in Czernowitz befindet sich das ehemalige Wohnhaus der als Rosalie Beatrice Ruth Scherzer geborenen Lyrikerin Rose Ausländer.

[…]Felder im Norden. Buchenschichten
um Czernowitz. Viel Vogelschaum
um die Verzauberten, die den Gesichten
vertrauen, ihrem Trieb und Traum.
[…]
Der Rosenkranz in Weihrauchwogen
rinnt durch die Finger. Sagentum
und Gläubige. In Synagogen
singen fünftausend Jahre Ruhm.

Aus ihrem Gedicht ‚Bukowina I‘

Grab von Rose Ausländer auf dem jüdischen Friedhof in Düsseldorf

Rose Ausländer übersiedelte 1965 in die Bundesrepublik Deutschland, machte ausgedehnte Reisen, vor allem durch Europa, und lebte von 1970 bis 1988 im Nelly-Sachs-Haus, dem Altenheim der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf. Ihr Grab befindet sich heute auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde Düsseldorf.

Czernowitz, Stadt deutsch-jüdischer Literatur. Nicht weit von der berühmten Herrengasse mit ihren k.u.k. Prunkbauten befindet sich in der Wassilkogasse das Geburtshaus von Paul Celan. Eine Gedenktafel am Haus erinnert an den deutsch schreibenden Dichter, der selbst Ghetto und Arbeitslager überlebte, den Tod seiner 1942 deportierten Eltern jedoch nie überwinden konnte.


Paul Celan liest sein Gedicht „Todesfuge“

Sadagora

Von Czernowitz, das sich über einen Hügel erstreckt, fährt man in den 3. Bezirk der Stadt, nach Sadagora hinunter, die einstige Wirkungsstätte des Wunderrabbi Israel Friedmann. Vom Zarenreich in die altösterreichische Bukowina geflüchtet, baute er mit der Zeit mit den Spenden seiner Anhänger ein wahres Imperium auf. Karl Emil Franzos beschrieb die Atmosphäre so:

Das ganze armselige Nest lebt ja nur vom Rabbi.

Sowohl von der Synagoge (siehe Foto) als auch vom Wohnhaus sind lediglich schäbige Ruinen übrig geblieben, die Kindern als Abenteuer-Spielplatz dienen. Der Wunschtraum des Rabbi, dass es einst Czernowitz bei Sadagora heißen würde und nicht Sadagora bei Cernowitz, hat sich nicht verwirklicht.

Ehemalige Synagoge in Sadagora

Ehemalige Synagoge in Sadagora

Am Hof des Wunderrabbi von Sadagora
lernte der Vater die schwierigen Geheimnisse
Seine Ohrenlocken läuteten Legenden
In den Händen hielt er den hebräischen Wald […]

Aus dem Gedicht „Der Vater“ von Rose Ausländer

Medschybisch

Auf dem Weg von Czernowitz nach Nordosten Richtung Winnyzja liegt in Medschybisch der Wallfahrtsort für chassidische Juden: das Grab des Rabbi Israel Ben Elieser (ca. 1700-1760), genannt auch Baal Schem Tov (Herr des guten Namens). Weithin sichtbar liegt es auf einer Anhöhe, ganz in strahlendem Weiß, ebenso die Unterkünfte für die Pilger. Zu den Feiertagen, an denen viele Besucher aus aller Welt zum Grab kommen, werden sogar nicht-jüdische Dorfbewohner angestellt, um die Verpflegung sicherzustellen.

  • Pilgerstätte des Baal Schem Tov in Medschybisch
  • Grabstätte des Baal Schem Tov Medschybisch
  • Grab des Baal Schem Tov in Medschybisch


Winnyzja

Die ehemalige Zunftsynagoge eines Schuhmachers im ehemaligen jüdischen Viertel „Jerusalimka“ liegt am „Todesweg“. Die Straße wird so genannt, weil genau durch diese Straße Jüdinnen und Juden in den Tod gehen mussten. Die Straße führt an den Stadtrand, an die Massenhinrichtungsstelle. Bereits zwei Monate nach Einmarsch der Deutschen sind dort schon 10.000 Jüdinnen und Juden erschossen worden. Mahnmale erinnern daran. Besonders erschütternd ist das Mahnmal für die Kinder (Foto in der Mitte), ein paar Meter entfernt vom Mahnmal der Erwachsenen. Kinder wurden von ihren Müttern getrennt, da die Mörder das Geschrei nicht ertragen wollten.

  • Ehemalige Zunftsynagoge im jüdischen Viertel in Winnyzja
  • Mahnmal für Kinder in Winnyzja
  • Mahnmal für Erwachsene in Winnyzja


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