Moritz Kohn / Mose Kohn, 28. Adar 5664 (Dienstag, 15. März 1904)

  • Foto: Grabstein von Moritz Kohn / Mose Kohn, 28. Adar 5664
  • Datenblatt Isidor Öhler: Moritz Kohn / Mose Kohn, 28. Adar 5664
  • Datenblatt Isidor Öhler, Rückseite: Moritz Kohn / Mose Kohn, 28. Adar 5664


Anmerkungen

Öhler gibt fälschlicherweise als Datum den 18. Adar an. Aber erstens ist in der hebräischen Inschrift „Dienstag, 28. Adar“ יום ג כח אדר eindeutig zu lesen und zweitens war der 18. Adar ein Schabbat und kein Dienstag!
Mose Kohn wurde laut Inschrift am nächsten Tag, dem 29. Adar, begraben.

Zeile 2: Das Symbol der Krone ist rechts beschriftet mit „Krone des Priestertums“ כתר כהונה und links mit „Krone des guten Namens“ כתר שם טוב. Vgl. dazu babylonischer Talmud, Berachot 17a „…Heil dem, der … mit gutem Namen gestorben ist …“ אשרי … שנפטר בשם טוב; vgl. weiter Avot II,8 „… hat er einen guten Namen erworben, hat er etwas für sich erworben …“ קנה שם טוב קנה לעצמו. Der gute Namen kommt im Gegensatz zu allen anderen geistigen und sittlichen Gütern fast ausschließlich dem Besitzer zugute und bleibt auch nach dem Tod sein eigen (s. Samson Raphael Hirsch, Israels Gebete, Zürich 1992, 443); s. auch Avot IV, 17 „… Drei Kronen gibt es: die Krone der Tora, die Krone des Priestertums und die Krone des KÖnigtums; die Krone des guten Namens aber erhebt sich über sie“ שלשה כתרים הם, כתר תורה וכתר כהונה וכתר מלכות, וכתר שם טוב עולה על גביהן.

Unter der Krone befindet sich das Symbol der segnenden Priesterhände, die auf die Herkunft aus dem aaronidischen Priestergeschlecht der Kohanim (Priester) hinweisen.

Der Name des Verstorbenen (Textzeile 4) lautet hebräisch „Mose Hakohen“ משה הכהן.
Der Name „Kohn“ כהן ist ein sogenannter Stammesname, der Träger ein „Kohen“ (Priester).
Siehe dazu unseren Lexikoneintrag.

Zeile 5: Der Name seiner Mutter war Jetel ושם ומו יטל.

In Zeile 6 finden wir das Wort „im Jahr(e)“ בשנת und in Zeile 7 erwartungsgemäß (nach Zeile 1 ein zweites Mal) die Jahreszahl 664. Diese erhält man, wenn die Zahlenwerte aller (mit supralinearen Punkten versehenen) Buchstaben der ersten beiden Wörter „Aus der Höhe sandte er“ ממרום שלח addiert.

Zeile 7/8: Als Akrostychon finden sich in Zeile 7 der letzte Buchstabe des Vornamens ‚Mose‘, das „He“ ה und in Zeile 8 dann der Rest des Vornamen von hinten gelesen, also שומ, auffälligerweise mit einem Waw geschrieben, also מושה sowie – auch als Akrostychon – „Sohn der Jetel“ בן יטל.

In Zeile 9 ebenfalls als Akrostychon die Buchstaben des Vornamens „Mose“, allerdings durcheinander המש, in Zeile 10 „Sohn des“ בן und in Zeile 11 der Name des Vaters „ehrbaren Herrn Menachem (Zeile 12) Hakohen“ כהרר מנחם הכהן. In Zeile 13 schließlich noch der Segenswunsch זל, hier allerdings (auch) ausgeschrieben als „sein Andenken möge bewahrt werden auf ewig“ זכרו לנצח.

Update 06. 09. 2010: Moritz (Mose) Kohn ist der Neffe von Abraham Kohn.


Archiv jüdischer Friedhof Mattersburg