Geht, bewegt euch!

Predigt zum Schabbat Schuwa 1938

Heute ist Erev Rosch haSchana. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein glückliches und gesundes neues Jahr 5771.

שנה טובה וחתימה טובה

Vorbemerkung

Die folgende Predigt zum Schabbat Schuwa, dem Sabbat zwischen Neujahrsfest und Versöhnungstag (heuer am 03. Tischre/11. September), wurde im Jahre 1938 von Rabbiner Michael Duschinsky aus Rákospalota gehalten. Es handelt sich um eine für Westungarn und die Slowakei typische Synagogenpredigt, die in der Muttersprache der älteren Juden – Deutsch – gehalten ist. (Von Rabbiner Duschinsky gibt es aber auch Predigten in ungarischer Sprache.)
(Gedruckt in: Haim Genizi et al. (Hrsg.), Duschinszky Mihály rákospalotai főrabbi válogazott beszédei, Budapest 2005, ung. Teil S. 153-160.)

Wie sich der Leser selbst überzeugen kann, ist die Predigt in puncto Inhalt und geistigen Niveaus nicht besonders anspruchsvoll. Zu ihrem Verständnis ist eine besondere jüdische bzw. talmudische Gelehrsamkeit nicht vonnöten. Sie war ganz auf die Gemeindemitglieder zugeschnitten, die zumeist Kaufleute mit Volks- und Hauptschulbildung waren.

Wie alle Predigten basiert auch die vorliegende auf einem Bibelvers, der dann mittels Midraschim (jüdische Bibeldeutungen) mit dem jeweiligen Grundthema in Verbindung gebracht wird – in unserem Fall mit der „teschuwa“, d. h. Buße oder Umkehr. Bemerkenswert ist das Desinteresse an der Religion, das den Gemeindemitgliedern unterstellt wird. Der sogenannte „Indifferentismus“ in religiösen Belangen war also nicht nur auf die Christen beschränkt, sondern hatte auch in weiten jüdischen Kreisen um sich gegriffen, sogar in den konservativeren Gemeinden in den mittel- und osteuropäischen Ländern.

Der größtenteils deutsche Text war ursprünglich in hebräischen Buchstaben in deutscher Sprache geschrieben. (Schriftprobe – nicht der vorliegende Text -, s. Bild.) Wir haben hier alles Deutsche in lateinische Buchstaben transkribiert, die hebräischen Wörter und Zitate hingegen in hebräischen Buchstaben belassen. So kann sich der Leser ein Bild von dem seinerzeit in Ungarn üblichen Predigtstil machen. Nach dem hebräischen Ausdruck bzw. Zitat folgt in Klammern eine deutsche Übersetzung (von der Bearbeiterin), falls der Verfasser eine solche nicht selbst schon gebracht hat, was er zumeist tat, denn auch sein jüdisches Publikum verstand größtenteils Hebräisch nicht.

Die Predigt

וילך משה וידבר את הדברים האלה אל כל ישראל – Und משה (Moses) ging und redete all diese Worte zu ganz Israel. (Deuteronomium 31,1) אין וילך אלא לשון תוכחה שנאמר: לכו חזו מפעלות ה‘ אשר שם שמות בארץ – Das Wort וילך (und es ging) ist nichts anderes als ein Ausdruck der Zurechtweisung, denn es heißt: Geht, schauet die Werke השם יתברך (Gottes, gelobt sei er), der Verwüstung setzte auf die Erde. (Midrasch Tanchuma, Abschnitt Wajelech, Nr. 1)

Diese Deutung des Midrasch eignet sich besonders für den heutigen שבת שובה (Schabbat Schuwa, Sabbat zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur), denn das ist ja derjenige שבת (Sabbat) im Jahre, welchen wir mehr als sonst zur תשובה (Umkehr) benützen sollen. Lauter als jeder andere Tag des Jahres ruft der שבת שובה (Schabbat Schuwa) uns zu: דרשו ה‘ בהמצאו – forschet nach Gott, wo er zu finden ist, קראהו בהיותו קרוב – ruft ihn, so er nahe ist (Jesaia 54,6). Und auf die Frage אימתי – wann ist dieser Zeitpunkt?, lautet mit Recht die Antwort: בעשרת ימי תשובה (in den Zehn Bußetagen). Der ראש השנה (Rosch Haschana, Neujahrsfest) hat uns durch seine Schofartöne aufgerüttelt; wir gehen dem יום הכיפורים (Jom Kippur, Versöhnungstag) entgegen, der uns die höchste Gnade השם יתברך (Gottes) bringen soll. Jeder jüdische Mensch fühlt sich in diesen Tagen näher seinem Gotte, ist sich dessen bewusst, dass er den Weg zu השם יתברך (Gott) finden kann. Doch wie das geschehen soll, wie wir zu השם יתברך (Gott) hinfinden können, das müssen wir lernen. Das ist nicht so leicht.

Wir lernen da die Klugheit des jüdischen Knaben verstehen, von dem der Midrasch איכה (Klagelieder) erzählt, dass er an einem Scheidewege auf der Straße nach ירושלים (Jerusalem) einem Wanderer die Auskunft gab: Der eine Weg ist ארוכה וקצרה – lang und kurz, der andere Weg ist קצרה וארוכה – kurz und lang. Der Fremde, der den Sinn der Worte nicht verstand, schlug den Weg ein, der als קצרה וארוכה (kurz und lang) bezeichnet wurde. Und siehe! Nach wenigen Minuten zeigte sich schon seinem Auge das Bild der herrlichen Gottesstadt. Doch als er hineingehen wollte, fand er überall Mauern, dichte Zäune und Hecken, nirgends einen offenen Eingang, so dass er zum Ausgangspunkt zurückkehren und den zweiten Weg einschlagen musste. Auf diesem musste er zwar einige Zeit gehen, kam aber dann gerade ans geöffnete Tor.

So ergeht es uns in diesen Tagen. Viele meinen, die Tage an und für sich sind es, die תשובה (Umkehr) bringen, die in die Nähe השם יתברך (Gottes) führen, ohne dass der Mensch etwas damit zu tun hätte. Und so kommt er nicht ans Ziel, er kennt sich nicht aus. Er will zu השם יתברך (Gott) und findet überall Zäune, Scheidewände, Hindernisse, die ihn hindern, dass er sein Ziel erreiche. „Nicht so“, ruft der נביא (Prophet): דרשו ה‘ – aufsuchen müsst ihr ihn [Gott], auch dann בהמצאו – wenn er zu finden ist. קראהו – rufen müsst ihr ihn, בהיותו קרוב – auch dann, wenn er nahe ist. (Jesaias 54,6) אימתי? בעשרת ימי תשובה (Wann? An den Zehn Bußetagen.) Auch an den תשובה (Umkehr, Buße)-Tagen müsst ihr השם יתברך (Gott) suchen, müsst ihr השם יתברך (Gott) rufen, denn nicht die Tage selbst sind es, die תשובה (Umkehr) mit sich bringen. Nicht Fasten, Beten und Kasteiung. Dieser Tage ist das einzige, was ihr zu tun habt: וילך משה וידבר את כל הדברים האלה אל כל ישראל (Und Moses ging und redete all diese Worte zu ganz Israel). משה (Moses) war nicht untätig. Das war אין וילך אלא לשון תוכחה (Das Wort וילך (und es ging) ist nichts anderes als ein Ausdruck der Zurechtweisung), die große Zurechtweisung, die er erteilte, die sichtbare Belehrung: לכו חזו מפעלות אלוקים – gehet hin, schauet (Gottes Werke), bemühet euch und schauet! Nicht wartet, bis es an euch herankommt, das Gotteswunder. לכו – geht, bewegt euch, ונשובה עד ה‘ (und wir werden zu Gott zurückkehren)!

Doch können wir zurückkehren, wenn wir nichts tun und nichts ändern? Wenn wir bleiben, wie wir waren und was wir waren, dann ist das keine תשובה (Umkehr). So wollen wir uns am heutigen שבת (Sabbat) über das Wesen der תשובה (Umkehr) Belehrung machen aus den Worten der הפטרה (Prophetenlesung): שובה ישראל עד ה‘ אלוקיך (Kehre zurück, Israel, zu deinem Gott; Hosea 14,2).

Schriftprobe Deutscher Text in hebräischen Buchstaben

שובה ישראל (Kehre zurück, Israel) – nach diesem Prophetenwort heißt der heutige שבת (Sabbat) – שבת שובה (Schabbat Schuwa). Warum? Ein Midrasch über das Wesen der תשובה (Umkehr) gibt uns Aufschluss darüber. Der Midrasch spricht von den ersten, die zur תשובה (Umkehr) Veranlassung hatten. Das waren die ersten Menschen, denn irren, sündigen ist menschlich – כי יצר לב האדם רע מנעוריו (Denn der Herzenstrieb des Menschen ist böse von Jugend an), aber im Irrtum, in der Sünde verharren, ist unmenschlich, ist tierisch. Das Tier tut, worauf es eingedrillt ist; es kann nicht anders. Aber der Mensch? Er muß תשובה (Umkehr) tun können. Adam hatte gesündigt und suchte den Weg der תשובה (Umkehr). Kain hatte noch schwerer gesündigt. Auch er suchte den Weg zu Gott. Wer fand ihn früher? Da erzählt der Midrasch: ק“ל שנה ישב אדם בתעניתו עד שנפגש בקין. כיון שיצא פגע בו אדם הראשון אמר לו מה נעשה בדינך אמר לו עשיתי תשובה ונתפשרתי כיון ששמע אדם הראשון כך התחיך טופח על פניו אמר לו כל כך היא כוחה של תשובה (130 Jahre brachte Adam mit Fasten zu, bis er mit Kain zusammentraf. Als er wegging, drang Adam in ihn und fragte ihn: ‚Was ist mit deinem Urteilsspruch geschehen?‘ Kain erwiderte: ‚Ich habe Umkehr geübt und mich ausgeglichen‘. Als Adam dies hörte, lächelte er und schlug sich aufs Gesicht. Er sagte zu ihm [Kain]: ‚So groß ist die Kraft der Umkehr!‘; (Midrasch Rabba zu Leviticus, Ausgabe Wilna, Abschnitt 10).

Der Begriff תשובה (Umkehr) ist im Volksmund gleichbedeutend mit Fasten und Entsagung. Man glaubt, תשובה (Umkehr) tun besteht darin, dass man sich an die Brust schlägt, betet und fastet. Nun, wohl spricht die Tora von ועניתם את נפשותיכם בתשובה בחודש העשירי (Ihr sollt eure Seele kasteien mit Umkehr im zehnten Monat), aber unsere חכמים (Weisen) sagen: כל האוכל ושותה בתשיעי מעלה עליו הכתוב כאילו התענה תשיעי ועשירי (Jedem, der am 9. [Tischri; Vortag des Jom Kippur] isst und trinkt, rechnet es die Schrift an, als ob er am 9. und 10. [Tischri] gefastet hätte; Babylonischer Talmud, Joma, 81b) – wer am ערב יום כיפור (Vortag des Jom Kippur) isst, tut dasselbe, wie wenn er gefastet hätte. Essen heißt Kräfte sammeln. ערב יום כיפור (Vortag des Jom Kippur) isst man, um Kraft zu sammeln für die עבודה (Gottesdienst) des יום הכיפורים (Jom Kippur). Das ist so wertvoll wie das Fasten selbst. אדם הראשון (Adam) hatte geglaubt, er müsse תשובה (Umkehr) tun durch Fasten. Er hatte gesündigt, weil er gegessen hatte von der Frucht, die Gott verboten hatte; weil er seiner Lust gefolgt war gegen das Verbot השם יתברך (Gottes). Er wird es gutmachen, indem er auch das Erlaubte nicht isst, indem er immer fastet. Doch er fand keine Beruhigung. Denn wem nützte er durch sein Fasten? Die תשובה (Umkehr) selbst ist das nicht! Fasten kann nur eine Anregung, ein Ansporn sein zur תשובה (Umkehr). Die תעניתים (Fasttage) des R. Zadok haben das בית המקדש (Tempel) nicht retten können, weil sie nicht bewirken konnten, dass die Bewohner Jerusalems תשובה (Umkehr) tun.

Wir fasten an den עשרת ימי תשובה(Zehn Bußetagen), doch am שבת (Sabbat) fasten wir nicht, denn וקראת לשבת עונג (Du sollst den Sabbat Vergnügen nennen; Jesaia 58,13). Und das ist die wahre תשובה (Umkehr): sich freuen mit dem, was Gott befohlen hat. Diesen Weg hatte Kain gewählt. Er hatte geklagt: הן גרשתי אותי היום מעל פני האדמה ומפניך אסתר והייתי נע ונד בארץ והיה כל מוצאי יהרגני (Genesis 4,14) – Du hast mich heute vertrieben von dem Angesichte der Erde, und auch vor dir soll ich mich verbergen?! Was hast du davon? Ich habe meinen Bruder getötet – lebendig machen kann ich ihn nicht mehr. Aber wenn ich nun von jedermann geächtet und gemieden bin, dann kann ich es gewiss nicht sühnen. Lass mich unter den Menschen leben, ihnen helfen! Das war seine תשובה (Umkehr), wie es ישעי‘ (Jesaia) sagt: הכזה יהיה צום אבחרהו … הלכף כאגמון ראשו (Jesaia 65,5) – ist etwa das Fasten, das ich wähle, wenn du wie das Schilf schüttelst deinen Kopf? הלוא זה צום אבחרהו פתח חרצובות רשע התר אגודות מוטה (ibid. 58,6) – Das ist das Fasten, das ich erwähle, wenn dadurch gelöst werden die Bande der Bosheit und geöffnet die Bande der Tücke. ושלח רצוצים חפשים וכל מוטה תנתקו (ibid. 58,7) – wenn du frei machst die Gefesselten und jedes Band lösest. הלא פרס לרעב לחמך ועניים מרודים תביא בית (ibid. 85.8) – wenn du brichst dein Brot dem Hungernden, wenn du Bedrückte immer ins Haus führst.

Als אדם הראשון (Adam) Kain ruhig sah, fragte er ihn: מה נעשה בדינך (Was ist mit deinem Urteilsspruch geschehen?; Midrasch Rabba zu Genesis, Abschnitt 22). Mir hat mein Fasten keine Ruhe verschafft. Und du, Mörder deines Bruders, bist beruhigt? Wie hast du deine Ruhe wiedergefunden? Er [Kain] sagte: עשיתי תשובה ונתפשרתי (ibid.) – ich habe meinen Menschenhass aufgegeben, ich habe mich mit meinen Menschenbrüdern ausgeglichen. Das ist meine תשובה (Umkehr). כיוון ששמע כך אמר: כך גדול כוחה של תשובה. מיד פתח ואמר מזמור ליום השבת (Als er dies hörte, sagte er: ‚So groß ist die Kraft der Umkehr!‘ Sogleich begann er den Psalm für den Sabbat-Tag [= Psalm 92] zu sagen; ibid.). Dann ist doch der שבת (Sabbat), der Tag des Gottesvergnügens, der schönste Tag, die richtigste תשובה (Umkehr). לכו ונשובה (Lasset uns umkehren!; Hosea 6,1), nicht passiv jüdisch sein durch Untätigkeit. Aktiver Jude werden, jüdisch handeln – das ist die wahre תשובה (Umkehr)!

Wie wird man aktiver Jude? Der פרק (Ausspruch aus den „Sprüchen der Väter“) lehrt: הוי עז כנמר רץ כבצי וגבור כארי לעשות רצון אביך שבשמים (Sei kühn wie der Leopard, schnell wie der Hirsch und mutig wie der Löwe, um den Willen deines Vaters im Himmel zu tun; vgl. Mischna, Abot 5,10). Warum wählt er das Bild, Eigenschaften des wilden Tieres? Weil der Mensch, wenn es sich um seine Lust und seine Begierden handelt, diese Eigenschaften zeigt. Sehet, mit welchem Wagemut er die Luft durchkreuzt, mit welcher Kühnheit, mit welcher Kraftentfaltung! Was ist der Löwe, der Hirsch, der Leopard im Vergleiche zum Menschen? Doch sage ihnen einmal: Übe eine מצוה (Gebot)! Da ist er schwach, da kann er nicht entsagen! הוי עז כנמר וכו‘ לעשות רצון אביך שבשמים (Sei kühn wie der Leopard etc., um den Willen deines Vaters im Himmel zu tun; ibid.) – Gottes Willen auszuüben, nicht deinen Willen! Darin übe dich! Denn jede Leidenschaft, der du frönst, läßt dir einen Engel entstehen – קטיגור (Ankläger), der dich einst anklagen wird. Jede מצוה (Gebot), die du erfüllst, gebiert dir einen Engel – סניגור (Verteidiger), der dich schützt und verteidigt. Doch sind diese beiden nicht gleich. Bei den עבירות (Übertretungen, Sünden) bist du stark. So sind die Ankläger, die daraus entstehen, starke, mächtige Wesen. Zahlreich und entschlossen können sich die סניגורים (Verteidiger, Fürsprecher) mit ihnen messen! [Aber] ihr macht ja die מצות (Gebote) so zaghaft, so gleichgültig, so nachlässig!

Vergleicht nur einmal euer Benehmen im Gotteshause und im Unterhaltungslokale. Im Unterhaltungslokale muss Anstand, Form, Höflichkeit herrschen – im Gotteshause Nachlässigkeit, Lärm, Geräusch, Rücksichtslosigkeit. Man sagt: Wir sind Kinder Gottes. Doch duldet ein anständiger Vater die Unarten seines Kindes in seinem Hause? Im Erwerbe, da gilt der größte [Aufwand]; für die פרנסה (Broterwerb) ist man zu allem bereit. Für die מצות (Gebote) ist man gleichgültig. Wenn die Kinder in der Schule nicht gut lernen, ist man besorgt. Aber was sie an Tora lernen, ist zu viel! באין מליץ יושר מול מגיד פשע (aus dem Gebet für die Hohen Feiertage) – weil die Fürsprecher nicht im Verhältnisse stehen zu den Anklägern. תגיד ליעקב דבר חוק ומשפט (ibid.) – musst du mit Jakob (dem Volk Israel) hart und strenge verfahren.

לכו ונשובה (Hosea 6,1), rafft euch auf, gehet, seid tätig – das ist die richtige תשובה (Umkehr), die zu jüdischem Leben anspornt und anregt, dass es unter uns erblühe und uns sichere מחילה וסליחה (Vergebung und Verzeihung) [bringe].

Zum Verfasser

R. Michael (eigentlich: Jizchak Michael) Duschinsky erblickte 1871 in Námesztó (Námestovo, Slowakei) als Sohn des dortigen Gemeinderabbiners R. Dow Ber Duschinsky das Licht der Welt. Seine Mutter Rivka Chajale war die Schwester des orthodoxen Rabbiners von Budapest, R. Koppel Reich. Seine Torastudien absolvierte er in Pressburg (Bratislava) an der Jeschiwa von Rabbi Simcha Bunam Sofer („Schewet Sofer“), dem Enkel des Chatam Sofer. Darüber hinaus verfügte er aber auch über eine umfangreiche Allgemeinbildung. Neben seiner Muttersprache Deutsch beherrschte er auch Englisch, Französisch und Ungarisch, von den traditionellen Sprachen der Juden abgesehen. Seine Frau Lea war eine Tochter von Rabbi Eliahu Menachem Goitein von Hőgyész (Ungarn).

1898, im Alter von 27 Jahren, wurde R. Michael zum Rabbiner von Rákospalota gewählt, einem Vorort von Budapest, der heute in die ungarische Metropole eingemeindet ist. Im Ersten Weltkrieg diente er als Feldrabbiner der k. k. Armee, doch wurde er auf ausdrückliche Bitte seiner Gemeinde aus dem Armeedienst entlassen, da sie keine anderen Rabbiner hatte und auf ihr geistiges Oberhaupt nicht verzichten konnte. R. Michael verstand es, seine kleine Gemeinde aus den notorischen Streitereien zwischen Orthodoxen und Neologen (die ungarische Bezeichnung für religiöse Reformer) herauszuhalten. Offiziell war die Gemeinde orthodox, doch R. Michael war auch unter den weniger Religiösen hoch geachtet und fand mit sämtlichen Gemeindemitgliedern eine gemeinsame Sprache.

R. Michael starb am 10. Juli 1939 (23. Tammus 5699). Die Vernichtung des ungarischen Judentums im Jahre 1944 musste er nicht mehr miterleben. Nachkommen von ihm leben heute in Israel und anderen Ländern.

Wir machen eine kurze Blogpause über die hohen Feiertage und melden uns hier wieder am 19. September.

nach oben

Abgelegt in: Leben und Glaube

| Kommentare (0)
RSS 2.0 feed. | Kommentar schreiben | trackback

Einen Kommentar zu ›Geht, bewegt euch!‹ schreiben

(required)

(erforderlich; wird nicht angezeigt)