Bild der Woche – ‘Judensau’
Am Dienstag wurde im Stadtmuseum in Wiener Neustadt die Ausstellung “Schicksalswege. Die jüdische Gemeinde in Wiener Neustadt” eröffnet.
Zu den wertvollsten und zweifellos beachtenswertesten Objekten der Ausstellung gehört das Kalksandsteinrelief der sogenannten Judensau aus dem 15. Jahrhundert (?), das sich auf dem Haus Hauptplatz 16 befand.
An den Zitzen einer großen Sau saugen vier Juden, ein fünfter befindet sich am Boden und ein sechster klammert sich an den Schwanz.
Im Mittelalter galt die Sau als Symbol für Ausschweifung und Schlemmerei, sie repräsentierte also Sünder, die in jeder Hinsicht ausschweifend lebten. Bereits der Fuldaer Abt und Mainzer Erzbischof Rabanus Maurus (780 – 856) stellt die Verbindung zwischen der Sau und den Juden her. Dadurch sollten die Juden als unrein und als Sünder abqualifiziert werden.
Die ältesten Belege von “Judensau”-Darstellungen in Deutschland stammen aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts. Das Thema “Judensau” wurde auch mit dem Thema “Ecclesia und Synagoga” (“Kirche und Synagoge” – das Motiv entsteht im 9. Jahrhundert) verbunden. So reitet auf dem Chorgestühl des Erfurter Doms die Synagoge, dargestellt durch einen Mann mit Judenhut, auf einer Sau in das Turnier gegen die auf einem edlen Pferd reitende Kirche.
Die Sau spielte auch bei der Prozedur des Judeneides eine große Rolle. Nach dem Schwabenspiegel (13. Jahrhundert) musste der schwörende Jude barfuß auf einer blutigen Schweinshaut stehen. Diese Haut musste von einer Sau stammen, die in den vergangenen 14 Tagen Junge gehabt hatte, und sie musste entlang des Rückens aufgeschnitten sein. Die Zitzen, auf denen der Jude zu stehen hatte, mussten sichtbar sein.
Mehr Informationen zum Motiv der “Judensau” und Literatur: de.wikipedia.org/wiki/Judensau.
Tipp: Die Ausstellung im Stadtmuseum Wiener Neustadt können Sie bis 29. Mai 2011 besichtigen!
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Schlagwörter: bildende kunst, jüdisch-christlich, wiener neustadt | Kommentare (5)
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Danke für die historischen Informationen ! Ich bin eigentlich jedesmal ganz persönlich betroffen über so ein Schandmal und die andren, nicht weniger peinlichen Geschichten. Betroffen, weil es “meine” , die katholische Kirche war, die “dahinter” steckte? Ich habe zudem Kunstgeschichte studiert – mit Leidenschaft. Solche Objekte sind offenbar unerwähnt geblieben, sie hätten sicher Aufsehen erregt unter den Studenten.
Ich hatte im Zuge einer Polenreise 2003 schon einmal so einen Betroffenheits- Schock – da sah ich in einer frisch restaurierten Pfarrkirche in Poznan/Posen tatsächlich Ölgemälde mit hostienzerschneidenden jüdischen Menschen, die – ebenfalls frisch restauriert – an die Wand gelehnt auf das Wieder- Aufhängen warteten.
Ich war so betroffen, dass ich in der Annahme, das wird wohl heute nicht mehr an die Wand gehängt, fragte: und wo kommen diese Bilder dann hin? Natürlich wieder an ihren Platz war die Antwort. Das geht doch nicht, das kann dich nicht dem Willen einer heutigen Gesellschaft entsprechen?? Ja, hieß es, man hätte sogar eineDiskussion im Pfarrgemeinderat dazu gehabt mit dem Ergebnis – diese Gemälde hätten immer dort gehangen, warum jetzt auf einmal nicht mehr ?!
Historisch ein paar Jahrhunderte älter, wird die Judensau- Darstellung heute von vielen nicht mehr lesbar sein, ist aber nicht weniger Grund sich für eine Kirchengemeinschaft und ihre Geschichte zu schämen.
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Beschämend aber wahr!
Auch in Salzburg gab es eine “Judensau”.
Im 15. Jh, von Bürgermeister und Stadtrat beauftragt, wurde auf dem Turm des Salzburger Rathauses vom Bildhauer Hans Valkenauer ein Marmorfries angefertigt, auf dem eine “Judensau” abgebildet war. Direkt gegenüber, am Kranzlmarkt, befand sich damals eine Synagoge. Die Marmortafel war so angebracht, dass sie von der Synagoge aus gut zu sehen war.
Wegen der judenfreundlichen Politik Kaiser Friedrichs III musste die Tafel wieder abgenommen werden.
Die Tafel wurde jedoch nach der Ausweisung der Juden aus dem Erzbistum durch Erzbischof Leonhard von Keutschach 1498 auf dessen Anordnung hin wieder am Rathaus angebracht und blieb dann bis 1785 – also fast dreihundert Jahre – dort gut sichbar hängen. Diese bemerkenswerten Informationen entstammen dem sehr aufschlussreichen Band “Ein Führer durch das jüdische Salzburg” von Stan Nadel.
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[...] gibt uns die Möglichkeit zu einem kleinen Update, und zwar sowohl zu unserem letzten Blogbeitrag über die “Judensau” als auch zu Shakespears “Kaufmann von Venedig”, der vor 2 Tagen nachts vom ORF gesendet [...]
Als Christ bin ich traurig darüber, als Katholik schäme ich mich!
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[...] einiger Zeit berichteten wir hier anlässlich der Eröffnung, dass im Stadtmuseum von Wiener Neustadt die Ausstellung [...]