Jüdisches Leben im Südburgenland: Güssing, Rechnitz, Stadtschlaining

Die Artikel-Sammlung auf unserer Website, in der sich eine Reihe wissenschaftlicher und weiterführender Beiträge v.a. zu burgenländisch-jüdischen Themen findet, hat illustren Zuwachs bekommen – der burgenländische Historiker Gert Polster liefert eine detaillierte Einführung zum jüdischen Leben in Güssing, Rechnitz und Stadtschlaining.

Jüdisches Burgenland – das meint keineswegs allein die bekannten (und auch hier im Blog vorrangig thematisierten) „Siebengemeinden“ des Nord- und Mittelburgenlands (Eisenstadt, Mattersburg, Kittsee, Frauenkirchen, Kobersdorf, Lackenbach, Deutschkreutz). Zentren jüdischen Lebens finden sich ebenso im südlichen Landesteil, namentlich Güssing, Rechnitz und Stadtschlaining, Juden siedelten außerdem in Pinkafeld, Oberwart, Bad Tatzmannsdorf usw.

Unter dem Schutz der Grafen Batthyány konnten sich in deren Herrschaftsvororten Stadtschlaining, Rechnitz und Güssing seit dem späten 17. Jahrhundert drei jüdische Gemeinden etablieren, die um die Mitte des 19. Jh. voll ausgebildet waren. D.h. sie verfügten über die notwendigen Einrichtungen, wie Synagoge, Friedhof, Mikwe [= rituelles Tauchbad; Anm.], Schule und einen Gemeindevorstand. Sie stellten Rabbiner und Schächter an und unterhielten eine Chevra Kadischa [= Beerdigungsbruderschaft; Anm.].

Die jüdischen Familien in diesen drei Gemeinden lebten nicht wie anderswo in abgeschlossenen Teilen der Orte, sondern verteilt im gesamten Ortsgebiet. (…)

Handwerk und Handel waren das Hauptbetätigungsfeld der zum Großteil nicht sehr vermögenden jüdischen Bevölkerung dieser Region. Die meisten gingen dem Hausiererhandel nach. Trotz dieser wirtschaftlich nicht sehr günstigen Situation wuchs die Bevölkerung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts sukzessive an [- in Rechnitz etwa auf über 900 im Ort ansässige Juden].

Über die (weitere) historische, demographische und religiöse Entwicklung der Gemeinden, außerdem über südburgenländisch-jüdische „Prominente“ (wie den aus Güssing stammenden Historiker Samuel Steinherz) sowie die Rabbiner von Güssing, Rechnitz und Stadtschlaining im 19./20. Jahrhundert informiert der Artikel „Die Entwicklung der israelitischen Kultusgemeinden Güssing, Rechnitz und Stadtschlaining in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts„.

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