Kopf der Woche – Bruno Kreisky

Wer könnte sich dieser Tage besser dazu eignen, unsere neue (und hiermit eingeläutete) „Kopf der Woche“-Reihe zu eröffnen als er: Bruno Kreisky, österreichischer Langzeit-Kanzler und 100er-Jubilar.

Kreisky, heute irgendwo zwischen überlebensgroßem Kanzler-Ideal und ultimativem Politik-Reibebaum angesiedelt, wurde am 22. Jänner 1911 als zweitältester Sohn einer Wiener jüdischen Familie geboren.

Kreiskys Stellungnahmen zu dieser seiner „jüdischen Herkunft“ fallen freilich – wenn er auch nachdrücklich versicherte, er versuche keineswegs,

mich meines Judentums zu entledigen

Bruno Kreisky: Zwischen den Zeiten. Der Memoiren erster Teil. Wien/München: Kremayr & Scheriau 2000. S. 86

– nicht selten eigenartig schillernd aus (nicht zu reden von Kreiskys kritischer Einstellung zum Zionismus und dem Konflikt mit Simon Wiesenthal).

Beispiel gefällig?

Was ist nun von meiner Beziehung zum Judentum übriggeblieben? Primär ein wichtiges Gefühl, nämlich dass man seine Herkunft nicht verleugnen soll, besonders dann nicht, wenn man aus einer Gemeinschaft stammt, die von anderen als inferior betrachtet wird oder derentwillen man in irgendeiner Weise Unannehmlichkeiten ausgesetzt sein könnte. Man soll also so wenig sein Judentum verleugnen, wie man etwa in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg sein Deutschtum verleugnen sollte, oder wie man etwa leugnen sollte, katholisch zu sein in Ländern, in denen der Katholizismus Verfolgungen ausgesetzt ist, so wie man sich auch nicht scheuen sollte, einzuräumen, dass man der Sohn oder die Tochter einer Prostituierten ist, auch das dürfte kein Grund sein, sich zu schämen … So ist für mich der Umstand, dass ich aus dem Judentum komme, keineswegs mit einer Empfindung der Deklassierung gegenüber meinen christlichen Mitbürgern verbunden … Ich habe allerdings außer diesem Gefühl, dass man sich von seiner eigenen Herkunft nicht dispensieren kann, darf und soll, kein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Bruno Kreisky: Der Mensch im Mittelpunkt. Der Memoiren dritter Teil. Wien/München: Kremayr & Scheriau 2000. S. 192

Kleines PS in eigener Sache: Unsere Serie „Bild der Woche“ wird selbstverständlich fortgeführt, nur eben ergänzt um die Kategorien „Kopf der Woche“ und (Web- bzw. Veranstaltungs-)“Tipp der Woche“, die sich in Zukunft in loser Folge abwechseln werden.

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