Lag Ba-Omer

Am 33. Tag der Omer-Zählung, heuer heute am 22. Mai, wird in Israel ein Volksfest besonderer Art gefeiert: Lag Ba-Omer. An diesem Tag ist vor ca. 2000 Jahren Rabbi Schimon (Simon) Bar Jochai, ein Schüler des Tannaiten Rabbi Akiva und vehementer Gegner der Römer im großen Aufstand, in ein besseres Jenseits eingegangen. Im Heiligen Land wird dieses Ereignis schon mindestens seit dem 19. Jahrhundert mit dem Entzünden eines Feuers in Meron in Galiläa begangen.

Der hauptsächliche Festakt findet noch immer an diesem Ort, neben Rabbi Schimons Grabbau, statt. Der Moschaw Meron ist eine kleine landwirtschaftliche Siedlung, die vor allem von der Zimmervermietung an religiöse Sommerfrischler und auch vom Lag-Ba-Omer-Tourismus lebt.

Im Laufe der Jahre hat sich der Brauch des Feuerzündens im ganzen Land verbreitet und wahrhaft epidemische Ausmaße angenommen.

Schon längere Zeit vor dem Festtag sind die lieben Kleinen – hauptsächlich Buben natürlich – eifrig dabei, Äste, Bretter und dergleichen als Brennmaterial zu finden. Alles, was aus Holz und nicht niet- und nagelfest ist, ist dazu bestimmt, auf dem „Scheiterhaufen“ zu landen. Die Kinder formieren sich zur Materialsuche in Gruppen. Der „Wettkampf“ mit anderen Gruppen gehört da natürlich auch zu den Vorbereitungen.

Leider zählen in den Augen der Kinder auch die Holzplattformen von Gabelstaplern zum Brennmaterial. Diese Dinge werden dann oft mit eigens dazu „ausgeliehenen“ Supermarkt-Wägen zum Ort des Geschehens verbracht. Natürlich erlaubt die Tora einen solchen Diebstahl nicht. Aber vergeblich zetern Eltern und Rabbiner dagegen. Die Kinder bringen einen wahren FEUEReifer bei diesen Fest-Vorbereitungen zu Ehren des Rabbi Schimon Bar Jochai auf – einen Eifer, den sie zum Leidwesen ihrer Erzieher beim Lernen allzu oft vermissen lassen.

Und wenn dann überall die Feuer brennen, dann sind die Eltern damit beschäftigt, hinter ihrem Nachwuchs herzurennen, damit sie den Flammen nicht zu nahe kommen. Bei der hier üblichen Anzahl von Kindern pro Familie ist das gar nicht einfach.

Leider verbrennen die Kinder nicht nur Holz oder Papier. Der Anblick der züngelnden Flammen macht zahlreiche Menschen anscheinend zu Pyromanen. Da wird dann alles in das Feuer geworfen, was nur so herumliegt. Leider auch Plastik. Und besonders attraktiv für schlimme Buben sind natürlich Spraydosen. Die explodieren nämlich so schön!

Früher, als es hier noch zahlreiche freie Plätze zwischen den Häusern gab, war die Stadt (Bnei-Brak) voller Feuer. Inzwischen ist fast alles verbaut, und so hat sich die Anzahl der „Scheiterhaufen“ zwangsläufig drastisch vermindert.

Aber auch heute ist es ratsam, vor Lag Ba-Omer die Wäsche von der Leine zu nehmen, damit sie nicht geräuchert wird. Das G’rucherl bringt man dann nur mehr schwer weg. Und jedes Mal vor dem Fest bete ich, dass das Wetter klar ist und der Wind weht. Ich erinnere mich mit Schrecken an einen bestimmten Lag-Ba-Omer-Tag, an dem Inversionswetterlage herrschte. Der Brandgeruch lastete schwer auf der Stadt und verursachte mir Kopfweh. Noch ein, zwei Tage später hat er sich kaum verzogen. Wie haben das die Asthmatiker nur aushalten können?

Es heißt, die Kinder würden um die Feuer tanzen und singen. In dem Vierteljahrhundert, in dem ich hier lebe, habe ich das aber selten gesehen. Das geschieht nur bei den offiziellen Feiern, an denen Rabbiner teilnehmen. Die Kinder grillen lieber Kartoffeln und Würstel, und so wird der Akt der Verbrennung von einem rein spirituellen auch zu einem irdisch-kulinarischen. Und so sitzt dann die junge Generation schließlich einträchtig zusammen und verzehrt halb rohe, halb verkohlte Erdäpfel. Zu dem Zeitpunkt sind die Kinder schon von oben bis unten mit einer dicken Schweiß- und Rußschicht bedeckt und riechen, als seien sie selbst gegrillt worden. Die Mütter werden bei ihrem Heimkommen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und den Nachwuchs gleich in die Badewanne stecken.

Wenn dann, spät in der Nacht, die Feuer erloschen sind und die sich im Dauereinsatz befindenden Feuerwehrleute auch die letzten glimmenden Kohlen ausmachen, dann sprechen die Eltern aus dankbarem Herzen ein Gebet, dass alles – Gott und Rabbi Schimon sei Dank! – gut verlaufen ist.

Hier das diesjährige Anzünden des Feuers in Meron durch den Bojaner Rebben. Dem jeweiligen Bojaner Rebbs, Nachkommen des Rabbi Israel von Ruzhin aus Sadagora, ist dieses Privileg vorbehalten!

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