Steinhof Mor(itz) / Steinhof Josef Meir – 21. Jänner 1915

Mor(itz) Steinhof / Josef Meir Steinhof, 06. Schvat 5675 (Donnerstag, 21. Jänner 1915)

  • Foto: Grabstein von Josef Meir Steinhof, 06. Schvat 5675
  • Datenblatt Isidor Öhler: Josef Meir Steinhof, 06. Schvat 5675


Sterbematriken: Steinhof Mor, wohnhaft in Mattersdorf, Judengasse 5, verheiratet mit Lina Fischer, Rentner, verstorben am 21. Jänner 1915 um 10 Uhr, mit 68 Jahren, an einem Nierenleiden;
Vater: Steinhof Fülöp,
Mutter: Schey Joszsa.


Moritz (Josef Meir) Steinhof ist der Schwiegervater von Sofie (Süssl) Steinhof und der Großvater (väterlicherseits) des jung verstorbenen Josef Meir Steinhof.

In Zeile 2 wird Josef Meir mit dem “Stamme der Ältesten und bedeutenden, edlen Schreibern” assoziiert גזע ישישים, סופרים ותרשישים, in Zeile 3 wird er als “der rabbinisch gebildete Einflussreiche, der Selige” הקצין הרבני המנוח bezeichnet.
In Zeile 4 dann der Name mit dem MORENU-Titel מו”ה יוסף מאיר שטיינהאף.

Anmerkung: MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Nach dem Sterbedatum (Zeile 5) wird auch der Begräbnistag angegeben: “Erev Schabbat Kodesch” (Vorabend des heiligen Schabbat = Freitag), 07. Schvat עש”ק ז” שבט.

Als Akrostychon finden sich seine beiden Vornamen “Josef Meir” in Zeile 6 יוסף מאיר, der Vorname “Meir” in Zeile 7 und der Nachname “Steinhof” שטיינהאף aufgeteilt auf die Zeilen 8 und 9.

Für genealogische Belange besonders interessant ist Zeile 10, die vorletzte Zeile des Lobes:
Die Zeile beginnt mit “Denn/dass [er] ein Sohn der Rebekka war er” וכי בן רפקה הוא (nach Genesis 29,12, Jakob zu Rachel).
Der Rest stellte mich vor ein Rätsel, wörtlich müssten die 3 Wörter übersetzt werden mit “wurde gefragt/konsultiert Zippora …” נדרשת צפרה אשת. Nur hat das dem Namen “Zippora” folgende “eschet” die status constructus-Form, es fehlt aber das “nomen rectum”, das unmittelbar darauf folgen müsste, also z.B. “Mose” אשת משה (“Frau des Mose”). Auch ein Grammatikfehler ist wenig wahrscheinlich, weil “Frau Zippora” wohl eher geschrieben werden würde mit “מ” צפרה o.Ä. und wer wäre dann eigentlich Frau Zippora?

Vielen herzlichen Dank an Claudia Chaya-Bathya Markovits Krempke, die eine Idee zur Lesung der 3 Wörter hatte: Das hebräische Wort “Zippora” bedeuet “Vogel” und das nachgestellte “eschet” ist jene Form, die wir etwa aus dem Ungarischen kennen “Vogel-ne”, also Frau Vog(e)l.

Diese Lesung sehr wahrscheinlich macht auch m.E. der Kommentar von Carole Vogel, dass nämlich der jung verstorbene und gleichnamige Josef Meir, der Enkel von Moritz (Josef Meir), mehrere Geschwister hatte, darunter eine Jolán Steinhof Vogl (Jolán ist die ungarische Kurzform von Jolanda). Und 1915, als Moritz (Josef Meir) starb, konnte diese Tochter von Süssl Steinhof durchaus schon verheiratet gewesen sein (falls Jolán eine wesentlich ältere Schwester von Josef Meir wäre). Unklar allerdings bleibt, warum die Enkeltochter Jolán um den Namen der Mutter von Moritz (Josef Meir) Steinhof befragt wird und nicht Abraham Aaron, der Sohn, der, wie wir vom Grabstein des jung verstorbenen Josef Meir wissen, 1934 noch lebt.

Update 31. Mai 2011: Das Rätsel ist vielleicht weitgehend gelöst, es handelt sich sicher nicht um Jolán Steinhof Vogl, da diese erst 1907 geboren wurde. Siehe dazu den Kommentar von Carole Vogel!
Allerdings bleibt nach dieser Lösung das “eschet” nach “Zippora” unklar!

Update 01. Juni 2011: Anknüpfend an Carole’s Kommentar schlägt Meir Deutsch eine Lesung vor, die uns den Namen des Vaters von Josef Meir, Jom Tov, nennt! Damit wäre auch “eschet” geklärt! :)

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