Schavu’ot 5771/2011

Du sollst das Wochenfest feiern, das Fest der Erstlingsfrüchte von der Weizenernte und das Fest der Lese an der Jahreswende.

2. Buch Mose (Exodus) 34,22

Am 06. Tag des Monats Sivan (heuer Mittwoch, 08. Juni) wird Schavu’ot gefeiert. In der Diaspora dauert das Fest zwei Tage, also heuer 08. und 09. Juni. Das hebräische Wort „Schavu’ot“ bedeutet „Wochen(fest)“, weil es auf den 50. Tag (ca. 7 Wochen) nach dem Pesachfest fällt. Andere meinen, dass das Wort nicht „Wochen(fest)“ bedeutet, sondern „Gelübde“, weil mit diesem Fest zwei Gelübde verbunden sind: das Gelübde, das das Volk Israel am Fuß des Sinai ablegte – „Wir wollen tun, wir wollen gehorchen“ (2. Buch Mose 24,7) -, und das Gelübde, das der Herr ablegte, als er versprach, das erwählte Volk durch kein anderes zu ersetzen. Ein weiterer Name für das Fest ist „das Fest der Gesetzgebung“, weil der Auszug aus Ägypten (Pesach) nur die Vorbereitung für die Gesetzgebung am Fuße des Berges Sinai war.

Schon in unserem ersten Beitrag zu Schavu’ot lesen wir, dass zuweilen Fehler passierten beim (rituellen) Zählen der 49 Tage zwischen Pesach und Schavu’ot. ;)

Und unser Tipp, den herrlichen schavu’ot-typischen Topfen-/Käsekuchen zu genießen, gilt übrigens auch nur, wenn Sie richtig gezählt haben:

Zu Schowuoth gilt es den Tempel recht hübsch herzurichten. Grünende Triumphbögen, blühende Kronen, duftendes Heu gestalten den Aufenthalt im Gotteshause wirklich zum Naturgenuß. Die erste Nacht wird trotzdem nicht hier, sondern im Beth-hammidrasch [Lehrhaus] – Lokal zugebracht (siehe unten); dort wird auch schwarzer Kaffee serviert und bei Morgengrauen das Morgengebet verrichtet. In der Frühe steht Jüdelein dann auf wie ein „Goj“, d.h. er setzt sich, ohne früher zu beten, zum Frühstück, zu den lachenden „Zworachdelkel“, Topfenkuchen, die nur demjenigen gebühren, der alle 49 Tage ohne Fehler gezählt hat […]

Fürst A., Sitten und Gebräuche einer Judengasse, Székesfehérvar 1908

Schavu’ot ist der Festtag der Tora schlechthin. Im Mittelpunkt steht die Erwählung Israels, die Verkündung der 10 Gebote und die Übergabe der Bundestafeln. In der Liturgie wird das Fest „Fest der Gabe unserer Tora“ זמן מתן תורתנו genannt.

Lyrics und Musik im Video von der großartigen Naomi Less, Songschreiberin und Musikerin, die vor allem mit ihrem Projekt „Jewish Chicks Rock“ große Bekanntheit erlangte, ein Projekt, mit dem sie jüdische Mädchen auf ihre Zukunft vorbereiten möchte.

Der Abend von Schavu’ot ist ganz dem Torastudium gewidmet und um das Verhalten der Vorfahren zu „korrigieren“ und ihre fehlende Wachsamkeit wiedergutzumachen (das Volk hatte trotz rechtzeitiger Ankündigung der Gesetzgebung am Sinai geschlafen und musste von Mose aufgeweckt werden), wird diese Nacht der Wache als „Tikun“, als Korrektur des Abends des Wochenfestes, bezeichnet (s.o. Bericht von Fürst). Man bleibt daher meist die ganze Nacht über wach und verbringt die Zeit mit dem gemeinsamen Torastudium, hört Vorträge, singt und tanzt und studiert wieder … bis zum Morgengrauen, daher gilt für heute Abend:

Stay Up All Night!

Danke unserem Kommentator Meir Deutsch für den Videolink!

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Schavu’ot!

חג שבועות שמח!

Wir dürfen auch nochmals auf unsere beiden Beiträge über die 10 Gebote hinweisen: „Die 10 Gebote I“ und „Die 10 Gebote II“ sowie auf die schon vergangenes Jahr verlinkte ausführlichere Einführung zu Schavu’ot von Michael Rosenkranz und wünschen guten Appetit mit dem herrlichen schavu’ot-typischen Käsekuchen :)

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