Bild und Tipp der Woche – HAUS-BERG-VERBOT

Das Ende des Sommers und damit meist auch der Urlaubszeit naht … daher hier noch ein „Bild und ein Tipp der Woche“ aus meinem heurigen Urlaub in Kärnten:
Über eine sehr erfreuliche Initiative / Aktion am Dobratsch, dem Hausberg der Villacher!

Gedenktafel am Dobratsch Gipfelhaus

Gedenktafel am Dobratsch Gipfelhaus (ehem. Ludwig-Walter-Haus), 2.143m

Ein paar kurze Notizen zu den Hintergründen:

Bei der am 11. Feber 1920 abgehaltenen Jahresversammlung beschloss die Sektion Villach mit 53 gegen 6 Stimmen die Einführung des Arierparagrafen in ihre Satzungen, der Nichtariern die Mitgliedschaft verweigerte. 1921 kam der Arierparagraf auch bei der Wiener Sektion Austria zur Anwendung, woraufhin die jüdischen Mitglieder austraten und die Sektion Donauland gründeten.

Schon seit dem Sommer 1921 waren zahlreiche österreichische Alpenvereinshütten mit Plakaten ausgestattet worden, die darauf hinwiesen, dass die Mitglieder der Sektion Donauland von der Begünstigung der Hüttengebühr ausgeschlossen waren. Obwohl vom Hauptausschuss wegen der antisemitischen Plakate schon verwarnt, antwortete die Sektion Villach,

dass sie mit Bewilligung des Hauptausschusses den Arierparagraphen aufgenommen hat und daher auch berechtigt ist, die Verwaltung der Sektion und den Betrieb ihrer Hütten nach deutsch-völkischen Richtlinien zu führen. Zu diesen Richtlinien gehört selbstverständlich auch der Antisemitismus…

Die sozialdemokratische Zeitung der Arbeiterbewegung (1890 – 1934) „Arbeiterwille“ berichtete im September 1922 ausführlich über das von der Sektion Villach erlassene „Judenverbot“:

Die Ortsgruppe Villach des Deutschösterreichischen Alpenverereins hat vor längerer Zeit das Schutzhaus am Dobratsch als Eigentum erworben. Seit einiger Zeit prangen auf diesem Schutzhaus die Worte: ‚Juden ist der Eintritt in dieses Haus verboten!‘ Diese Aufschrift ist natürlich mit dem Zeichen des Hakenkreuzes versehen. Wie wir hören, wurde diese Aufschrift über Beschluss der Ortsgruppe Villach an dem Schutzhause angebracht. Außerdem soll die gleiche Ortsgruppe beschlossen haben, daß der Prachtvertrag, der mit dem Pächter des Schutzhauses abgeschlossen wurde, in dem Moment erlischt, wo der Pächter einem Juden den Eintritt in das Schutzhaus gestattet. Es ist bezeichnend, daß eine ganze Organisation einigen närrischen Schandkerlen auf den Leim geht und einen solchen Beschluss fasst. Das kann nur eine Organisation tun, die entweder von Kindern, von Trotteln oder von gewissenlosen Lumpen geleitet wird.

Bild: „Der judenreine Alpenverein“, Karikatur von Paul Humploletz, in: „Der Götz von Berlichingen“, Wien 1924 (OeAV-Archiv Innsbruck), Quelle: Folder, s.u.

Im Jahr 1923 fasste die Sektion Villach in der „Judenfrage“ den Beschluss, die bisherige Aufschrift „Juden und Mitglieder der Sektion Donauland sind auf dieser Hütte nicht erwünscht“, in „Juden ist der Eintritt verboten“ umzuwandeln, woraufhin die Sektion vom Hauptausschuss erneut aufgefordert wurde, die Verbotstafel für Juden von den Hütten zu entfernen.
Ein Jahr später teilte die Sektion Villach dem Hauptausschuss lediglich mit, dass die Plakate künftig lauten würden:

Der Zutritt von Juden ist nicht erwünscht

Texte weitgehend zitiert aus dem Folder „Haus-Berg-Verbot. Kunstaktion am Dobratsch zur Erinnerung an die Vertreibung der Juden vom Villacher Hausberg“

Die Kunstaktion zur Erinnerung des „Judenverbots“ am Villacher Hausberg fand am 11. Juni 2011 statt. Dieses „Bild der Woche“ ist auch ein „Tipp der Woche“, denn die Ausstellung „Judenhütte“ am 10er Nock am Dobratsch können Sie noch bis zum 15. September besichtigen.
Mehr Informationen sowie viele Bilder von der Kunstaktion und der Ausstellung auf der Website des Universitätskulturzentrums UNIKUM!
Hier auch der ORF-Beitrag zur Aktion am 11. Juni.

Dieser Tage war übrigens eine Dame von der Hebrew University in Jerusalem bei uns im Museum, die zuvor in Kärnten war und dort auch die Ausstellung am Dobratsch gesehen hat und mir davon erzählte, weil sie nämlich sehr überrascht, aber auch sehr beeindruckt war :-)

Schicken Sie uns Ihr Bild der Woche

nach oben

Abgelegt in: Bild der Woche, Kunst und Kultur, Tipp der Woche

Schlagwörter: , | Kommentare (1)
RSS 2.0 feed. | Kommentar schreiben | trackback

Einen Kommentar zu ›Bild und Tipp der Woche – HAUS-BERG-VERBOT‹ schreiben

(required)

(erforderlich; wird nicht angezeigt)