Purim 5773

Am 14. Adar, heuer Sonntag, der 24. Februar, wird Purim gefeiert (zum Fest siehe auch unseren Purimbeitrag vom vergangenen Jahr!).

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unserer Koscheren Melange ein fröhliches Purim!

חג פורים שמח לכולם!

Da kurz nach Purim, am Dienstag, 26. Februar, in Mattersburg die Veranstaltung

Geschichten aus dem jüdischen Mattersdorf

stattfindet, zu der wir hiermit auch sehr herzlich einladen, soll heute schon hier im Blog über Purim in den ehemaligen jüdischen Gemeinden Mattersdorf/Mattersburg und Eisenstadt kurz berichtet werden:

Zunächst “Zur jüdischen Volkskultur von Mattersdorf / Nagy Marton” von Max Grunwald.

Max (Meir) Grunwald wurde 1871 in Oberschlesien geboren, promovierte 1892 zum Dr. phil. und war mit Margarethe, Tochter des Floridsdorfer Rabbiners und Reichstagsabgeordneten Dr. Joseph Samuel Bloch, verheiratet. 1938 musste Grunwald fliehen und starb 1953 in Jerusalem, wo an der Hebräischen Universität ein Lehrstuhl nach ihm benannt ist.
Seine rabbinische Laufbahn begann er in Hamburg, ließ sich aber 1903 in Wien nieder. Grunwald war wissenschaftlich besonders aktiv. Neben seinen philosophischen Arbeiten über Spinoza und seiner preisgekrönten Arbeit über “Samuel Oppenheimer und sein(en) Kreis” umfasst sein Gesamtoeuvre zur jüdischen Volkskultur ca. 750 Publikationen. 1925 verfasste er seine minutiösen Schilderungen vom nordburgenländischen Mattersburg (alle Ausdrücke in eckigen Klammern sind Anmerkungen des Verfassers dieses Textes):

Kinderlied für Purim:

a) Heit is Pürim morgen is aus,
Gets mo e Kreizer ün schmeißts mioch enaus.

b) Pürim Pürim alle, kümm’ ioch erein zü falle,
Fall ioch üntern Tisch, gefün ioch e Flederwisch.

Beim Verlesen der Megilla trägt der Zedoko-Gabbe [Vorsitzender des Wohlfahrtswesens] einen goldenen Siegelring an der rechten Hand.

Am Megilloh [Megilla, hier: die Esterrolle]-Abend wird auf die Tafel Megillohkraut aufgetragen, d.i. süß (mit Zibeben, Zucker usw.) zubereitetes Sauerkraut. Dasselbe wird auch am Simchas Thora, ferner bei jeder Hochzeit aufgetragen. Auf den Mittagstisch kommen zubereitete Bohnen. Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Frauen der Zubereitung des aufgesetzten Barches, welcher mit Rosetten und Krönchen geziert war. Schon lange vorher sahen die Dorfgeher darauf, sich bei den Bauern das feine Mehl für den Purimbarches zu erhandeln, und mit Genugtuung ließen sie sich vernehmen, dass sie für Purim bereits gesorgt hätten. Man nannte den Barches “das geele [gelbe] Barches” wegen seiner Zutaten, wie Eier, Safran, Zucker und Zibeben. “Marbe Kindloch” und “Makewniken” [Purimgebäck] gab es selbstverständlich in Hülle und Fülle. Die Reste der Kindloch wurden aufbewahrt, um als Dessert am Schabbos Hagodol zu dienen, beziehungsweise am Erew Pessach als letztes Chomez verzehrt zu werden.

Am Purim wurde Homon [Haman] mit Füßen und Hämmern geklopft und mit Ratschen gerätscht [siehe auch unseren Beitrag “Hamanpuppe”].

Denn sie töten den Geist nicht, ihr Brüder. Festschrift zum 90. Geburtstag von Richard Berczeller, hrsg. von Joachim Riedl, 62f

Esterrolle, Österreich-Ungarn 18. Jh.

Aus unserer Sammlung: Esterrolle/Megilla, Österreich-Ungarn, 18. Jahrhundert. Tusche/Wasserfarbe auf Pergament. Bgld. Landesmuseum IN 6.593

Über das Purimfest in der ehemaligen jüdischen Gemeinde Eisenstadt schreibt Meir Ayali:

An diesem Fest feierten wir die Niederlage des Haman, dem Urvater aller Antisemiten auf der Welt, und niemand konnte damals ahnen, welcher diabolische, um vieles gefährlichere Haman schon darauf wartete, das jüdische Volk zu vernichten und es von der Wurzel her auszurotten; und die Vernichtungswelle sollte ausgerechnet von hier, den “Siebengemeinden” im Burgenland, ihren Anfang nehmen. Fröhlich und freudig drängten wir uns am Purimfest mit den Masken auf unserem Gesicht und wir halfen auch unseren Eltern beim Verteilen der ›Purimgeschenke‹; dieser Brauch sollte die Freundschaft unter den Nachbarn vermehren, wie es uns im Buch Ester befohlen wurde. Mutter legte auf den Teller ein paar Früchte und ein paar Süßigkeiten, herrliche “Linzerkipferl”, gab alles in eine farbige Hülle und sagte:

Jetzt gehst du zu Berger. Sagst “Küss die Hand und guten Purim. Mama schickt Schlachmones” und genauso in andere Häuser, die selbstverständlich dieses wichtige Gebot ebenfalls einhielten.


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