Gedenk-Fundstück

Wie soll das Schoa-Gedenken im öffentlichen Raum gestaltet werden – nüchtern-deskriptiv oder ästhetisch inszeniert? kollektiv oder personalisiert? dauerhaft oder provisorisch?

Ein rundum bemerkenswerter Beitrag aus dem Umfeld dieser Fundamentalfrage öffentlicher „Erinnerungskultur“ erreicht uns diese Woche in Form eines Fotos von Freundin Iris H. – תודה רבה = besten Dank dafür! Per Zufall entdeckt und aufgenommen vor dem Haus Kellinggasse 8 in Wien 15, vergangene Woche:

Gehsteig in der Wiener Kellinggasse

Gehsteig in der Wiener Kellinggasse (bitte vergrößern!)

Mit Kreide wurde ebendort – vielleicht im Rahmen eines Schulprojekts? oder von aufmerksamen Bewohnern/innen? oder …? – folgende Aufschrift angebracht:

Lieber Herr Otto Blumenfeld,
wir haben Ihren Namen auf einer
Liste der ermordeten Juden/innen
gefunden. Hier haben Sie zuletzt gelebt.
Wir haben Sie nicht vergessen!

Ein Gedenk-Format, das wohl nur bis zum nächsten Regenguss hält – und doch (oder vielleicht gerade deshalb?): so verblüffend wie beeindruckend!

Ein Blick in die Opfer-Datenbank der Schoa-Gedenkstätte Yad Vashem bestätigt übrigens: Otto Blumenfeld, Jahrgang 1911, war während des Krieges an besagter Adresse gemeldet – er wurde im Oktober 1939 nach Nisko/Polen deportiert und hat die Schoa nicht überlebt.

nach oben

Abgelegt in: Bild der Woche

Schlagwörter: , | Kommentare (4)
RSS 2.0 feed. | Kommentar schreiben | trackback

Einen Kommentar zu ›Gedenk-Fundstück‹ schreiben

(required)

(erforderlich; wird nicht angezeigt)