Das ‘erste Massengrab’

Grenzen des guten Geschmacks in der musealen Werbung überschritten?

Heute Morgen war ich (Johannes) einigermaßen schockiert, als ich vom Westen kommend nach Eisenstadt fuhr und das untenstehende Werbeplakat, groß affichiert am Ortsende von Großhöflein, sah.
Ich rief sofort den wissenschaftlichen Leiter des Landesmuseums, meinen Freund Michael Weese, an, der aber nicht wusste, dass diese Plakate gedruckt wurden, ebenso schockiert ist und sich vom Inhalt deutlichst distanziert!

Bedenkliches Werbeplakat des Burgenländischen Landesmuseums

Bedenkliches Werbeplakat des Burgenländischen Landesmuseums


  • Das Wort “Massengrab” ist aufgrund jüngerer und jüngster Ereignisse zweifelsohne eindeutig konnotiert.
  • Insbesondere gilt dies für das Burgenland, wo (nur ca. 5km Luftlinie vom Plakat entfernt) gräuliche Massaker an jüdischen Zwangsarbeitern verübt wurden (Siegendorf, aber auch Deutsch Schützen, Rechnitz usw.).
  • Mit der Formulierung “das erste Massengrab” werden beim Leser/der Leserin Assoziationen zu späteren (zeitgeschichtlichen) Massengräbern bewusst provoziert.
  • Dass Plakatwerbung sprachlich pointiert sein muss, sei unbestritten. Ist aber die Grenze zum Reißerischen und Sensationsheischenden nicht spätestens bei schiefen historischen Analogien und Assoziierungen überschritten? Werden hier nicht durch diese offensichtlich gewollten Assoziationen die “Massengräber” der jüngeren Geschichte instrumentalisiert, nur um den Reiz des Makaberen zu steigern?
  • Die Zeitnähe zu dem letzte Woche begangenen Gedenktag der Befreiung Mauthausens scheint uns extrem bedenklich.
  • Wir halten das Sujet dieses Plakats selbstverständlich nicht für antisemitisch – aber doch für bemerkenswert unsensibel!


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