Badatz!

Chajm Guski ist ein publizistisch Umtriebiger: Blogger auf „Chajms Sicht“ und Herausgeber der Info-Plattform talmud.de, Autor für die „Jüdische Allgemeine“ und gastweise auch für andere Medien, so auch hier im Museumsblog. Und nun also auch noch Buchautor. „Badatz!“ heißt das unlängst erschienene Bändchen, das Arbeiten für die „Jüdische Allgemeine“ zusammenführt – und „viel zu tiefe Einblicke in den jüdischen Alltag“ verheißt.

Versammelt sind darin gut 40 erzählerische Miniaturen, knappe pointierte und geschickt überzeichnete Glossen, angesiedelt irgendwo zwischen Synagoge und Alltagsirrsinn – etwa über die „Kunst der gepflegten Kiddusch-Tisch-Konversation“ (56) und die Synagogengemeinde als Heiratsmarkt, Tücken der Bar-Mizwa-Vorbereitung oder das Enervierende der immergleichen Jom-Kippur-Witzchen:

Es gibt kein Jahr, in dem nicht irgendjemand bei der Ankunft zum Nachmittagsgebet gefragt hätte: ‚Na, hat’s geschmeckt?‘ oder ‚Wisch dir mal die Sauce aus dem Gesicht‘. Schon bin ich kurz davor, mein Sündenkonto fürs kommende Jahr knietief in den Dispo zu zwingen (95).

Bemerkens- und lesenswert ist das schon darum, weil Bücher, die den deutsch-jüdischen Alltag der Gegenwart aus der Binnenperspektive in den Blick nehmen, im Ganzen dann doch eher rar sind; noch mehr aber, weil diese kleinen Erzählungen so ganz und gar unverkrampft, witzig und clever gebaut daherkommen – oder, wenn wir uns ein paar Vokabeln aus der professionellen Feuilletonsprache ausleihen dürfen: so sprachgeschickt wie pointensicher. Ungeschoren bleibt dabei kaum jemand, am allerwenigsten freilich der Ich-Erzähler selbst –

Irgendjemand hat mal behauptet, Juden seien reich. Muss man das irgendwo anmelden? (10)

In Summe, ein Buch – adressiert an jüdische und nicht-jüdische LeserInnen gleichermaßen –, zu dem wir gerne raten.

Einziger, kleiner Schönheitsfehler: Gerade weil „Badatz!“ explizit auch nicht-jüdische Leser ansprechen will, hätte dem Buch ein Glossar hebräischer Begriffe bzw. religiöser Termini technici gut angestanden. Das Wissen um religiöse Basisbegriffe mag man bei einschlägig Interessierten ja voraussetzen können – das um „Oneg Schabbat“ (126), „Al Chet“ (95) und andere speziellere Begriffe dann aber doch eher nicht. Nu, vielleicht in der zweiten Auflage …

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Abgelegt in: Kunst und Kultur, Leben und Glaube

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