Bila Fischer, 29. Tevet 5672 (Freitag, 19. Jänner 1912)

  • Foto: Grabstein von Bila Fischer, 29. Tevet 5672
  • Datenblatt Isidor Öhler: Bila Fischer, 29. Tevet 5672


Anmerkungen

Zeile 1: Der Sterbeort ist genannt: ראהרבאך Rohrbach (bei Mattersburg).

Zeile 4: Der Vorname der Verstorbenen kann als Bila, Beila oder Bela gelesen werden. Sie ist die Tochter von Fradl, die ebenfalls schon verstorben ist, wie der Segenswunsch „a(uf ihr sei der) F(rieden)“ anzeigt: בת פראדל ע“ה.

Zeile 5 ist gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert:

  1. In einer Inschrift, die zweifelsohne in gutem Hebräisch, im sogenannten Lob-Teil sogar in Reimform, abgefasst ist, verwundert doch ein deutsches Wort, wenn auch mit hebräischen Buchstaben geschrieben: געבארענע „geborene“ Fischer. Wir kennen zwar von anderen Friedhöfen im Burgenland (z.B. am jüngeren jüdischen Friedhof in Eisenstadt) Grabinschriften, die in Deutsch mit hebräischen Buchstaben verfasst sind, jedoch eben immer entweder auf der Rückseite des Grabsteines oder – sehr selten allerdings – ausschließlich, also dass die ganze Inschrift bzw. der größte Teil, wie etwa das sogenannte „Lob“, in Deutsch mit hebräischen Buchstaben verfasst ist.
  2. Das „geborene“ dürfte sich auf die Mutter der Verstorbenen, Fradl, beziehen, auffällig aber, dass bei Fradl kein Vorname ihres Vaters angegeben ist und bei Bila weder ein Vater noch der Name des Ehemanns genannt wird. Letzterer ist aber am Schluss der Zeile 6 genannt. Bila war offensichtlich also verheiratet, es wird aber nur ihr Mädchenname erwähnt.
  3. Das letzte Wort in Zeile 5 ist wieder ein Ortsname, nämlich der hebräische Name für die jüdische Gemeinde Deutschkreutz „Zelem“, hier allerdings in jüdisch-deutscher Schreibung notiert: צעהלים. Die Mutter der Verstorbenen, Fradl Fischer, stammt also aus Deutschkreutz.

Als Akrostychon findet sich von Zeile 6 – 9 ihr Vorname „Bila“ בילא und in Zeile 10 horizontal der Segenswunsch „a(uf ihr sei der) F(rieden)“ anzeigt: ע“ה.


Archiv jüdischer Friedhof Mattersburg