Josef Güns(-Schlesinger) / Josef Schlesinger, 24. Nisan 5631 (Freitag, 14. April 1871)

Foto I. Öhler: Josef Güns(-Schlesinger) / Josef Schlesinger, 24. Nisan 5631


Keine Abschrift von Isidor Öhler vorhanden.


Anmerkungen

Zeile 1: יוסף איננו, Zitat aus Genesis 42,36 „Josef ist nicht mehr …“.

In Zeile 18 wird der Vorname des Verstorbenen (nochmals) genannt: מוה יוסף זצ“ל „MORENU Josef, d(as Andenken) d(es Gerechten) m(öge bewahrt werden).

Zeile 19: בן הגאון מוה בונם גינס זצ“ל Sohn des großen Gelehrten MORENU Bunem Güns, d(as Andenken) d(es Gerechten) m(öge bewahrt werden),

MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 20: שהיה אב“ד בק“ק מטד der V(orsitzender) d(es rabbinischen) G(erichts) h(ier in der) h(eiligen jüdischen) G(emeinde) M(atters)d(orf) war.

Zeile 21: ושם אמו שרה רייצא ע“ה Der Name der Mutter war Sara Reize, a(uf ihr sei der) F(rieden).

Zeile 22: נפטר בש“ק פ“ שמיני כד ניסן ש“ תרלב לפק Er starb a(m heiligen) Sch(abbat), P(arascha) Schmini, 24. Nisan d(es Jahres) 632 (sic!?) n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung).

In Zeile 23 lesen wir, dass Josef Schlesinger am Montag danach begraben wurde.

Josef Güns-Schlesinger ist der Vater von Jakob Schlesinger/Akiba Güns-Schlesinger. Wie wir aus den Segenswünschen schließen, waren sowohl Mutter als auch Vater zum Zeitpunkt seines Ablebens bereits verstorben. Verheiratet war er mit Fradel Radisch / Rosa Schlesinger.

Als Akrostychon findet sich von Zeile 2 – 13 sein Vorname, der Vorname des Vaters und der Segenswunsch: יוספ בן בונם ז“ל „Josef ben Bunem, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden).

Mehrere Fragezeichen gibt es bei den Sterbematriken: Stimmt es, dass Josef Schlesinger 1790 geboren wurde, verstarb er mit 80 oder 81 Jahren, nicht aber mit 68 Jahren wie in den Matriken angegeben.
Schlesinger wurde in Rogasen/Rogozno (Polen) geboren und nicht in Mattesdorf wie in den Matriken angegeben. Ich beziehe mich dabei auf Wikitree und eine genealogische Website. Wir konnten die dort angegebenen Daten aufgrund fehlender Quellenangaben leider nicht verifizieren.

Auch das hebräische Datum – (vorausgesetzt der Matrikeneintrag bzw. die genannten Websites haben korrekte Daten) – gibt Rätsel auf: Wir lesen (s.o.) 632, das wäre 1872 und nicht 631, also 1871. Einräumen möchte ich, dass die Lesbarkeit insgesamt nicht besonders gut ist, aber der letzte Buchstabe der Jahreszahl sollte jedenfalls ein א und kein ב.
1872 als Sterbejahr dürfte aber auch nicht nur aus dem Grund, dass wir in den Matriken keinen Eintrag finden, ausscheiden, sondern vor allem, weil die Parascha Schmini 1872 auf den 27. Adar fällt. Der Monatsname Nisan ist aber in der Grabinschrift doch deutlich zu lesen.

Der Grund, dass in der hebräischen Grabinschrift der Schabbat als Sterbetag genannt ist, in den Matriken aber Freitag (14. April), dürfte sein, dass Josef Schlesinger in den Abendstunden des Freitags, also noch vor Mitternacht, verstarb, also aus jüdischer Sicht bereits am Schabbat.

Die Hebräische Buchhandlung und der Verlag des Josef Schlesinger wurden 1858 gegründet. Das Geschäftslokal befand sich in der Seitenstettengasse 5 im 1. Wiener Gemeindebezirk, siehe die Arbeit von Barbara Eichinger, Seite 14f (*.pdf).


Biografische Notizen

Sterbematriken: Josef Schlesinger, geb. in Mattersdorf (sic!), verheiratet, Beruf Buchhändler, gest. mit 68 Jahren (sic!) in Wien Fischerstiege an oganischem Herzleiden, Begräbnisort: Mattersdorf

Matrikeneintrag: Josef Schlesinger

Matriken Tod Josef Schlesinger


Archiv jüdischer Friedhof Mattersburg