Jütl Lipschitz, 05. Siwan 5677 (Schabbat, 26. Mai 1917)

  • Foto: Grabstein von Jütl Lipschitz, 05. Sivan 5677
  • Datenblatt Isidor Öhler: Jütl Lipschitz, 05. Sivan 5677
  • Datenblatt Isidor Öhler, Rückseite: Jütl Lipschitz, 05. Sivan 5677


Anmerkungen

Gleich in Zeile 1 finden wir das Todesdatum: „a(m) h(eiligen) Sch(abbat), Erev Chag HaSchavuot“ (also am Vorabend des Schavuotfestes) 677 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung) = 26. Mai 1917.
Sehr schön die Angabe des Jahres: Die hebräischen Buchstaben werden so umgestellt, dass die Zahlenangabe als sinnvolles (und vor allem wohl) passendes Wort gelesen werden kann. In diesem Fall: עזרת, also „Hilfe“ (von der Form her wie in Psalm 60,3 und 108,13). Eine Andeutung auf ihr Leben? Jedenfalls wird auch im Lobteil ihre Hilfsbereitschaft ausdrücklich erwähnt (Zeile 8).

Der Vorname in Zeile 4 יטל kann als „Jettel“, „Jetel“, „Jitel“ oder „Jütl“ gelesen werden.

Zeile 5 nennt den Ehemann: „d(er) e(hrbare) H(err) u(nd Meister) Kaufman Liptschitz, a(uf ihm sei der) F(rieden)“. Der Ehemann war also zum Zeitpunkt ihres Ablebens schon verstorben.

Öhler hält „Kaufman(n)“ für den (ersten) Nachnamen. Jedoch ist der weit verbreitete Name „Kaufman“ schon seit dem Mittelalter als Vorname üblich (siehe etwa den Grabstein von Jekutiel Bernheimer in Ansbach). Im „Gedenkbuch für die Karlsruher Juden“ finden wir die Erklärung, dass der Vorname „Kaufman“ eine volkssprachliche Bildung aus dem hebräischen יעקב „Jakob“ und der Endung „-mann“ (wie etwa in „Seligmann“) ist.

In Zeile 9 wird ihr hohes Alter erwähnt: זכתה לזקנה טובה „vergönnt war ihr ein hohes Alter“.

Als Akrostychon finden sich von Zeile 6 – 8 ihr Vorname „Jütl“ יטל, in den Zeilen 9 und 10 בת „Tochter (der)“ und in Zeile 11 der jüdische Vorname ihrer Mutter הענדל „Hendl“.


Archiv jüdischer Friedhof Mattersburg