Merle Schotten / Merle bat Löb, 27. Siwan 5554 (Mittwoch, 25. Juni 1794)

  • Foto: Grabstein von Merle Schotten / Merle bat Löb, 27. Siwan 5554
  • Datenblatt Isidor Öhler: Merle Schotten / Merle bat Löb, 27. Siwan 5554


Anmerkungen

Der bisher (siehe Datum der Veröffentlichung!) älteste Grabstein in Mattersdorf/-burg!

Zeile 1: Öhler liest die Angabe des Tages beim Sterbedatum, wie in solchen Fällen praktisch immer – falsch. Wie er auf den 11. (!) Siwan kommt, ist mir allerdings ein Rätsel, abgesehen davon, dass der von ihm errechnete 9. Juni ein Montag war.
Gelesen werden muss: „I(hre Seele) g(ing hinweg) am 4. Tag (= Mittwoch), 27. Siwan 554 n(ach der kleinen Zeitrechnung)“ ינ ביום ד ךז סיון תקנד ל.

Eine wunderschöne und tiefsinnige Präsentation der Buchstaben beim Tagesdatum „27“, die wir schon von Eisenstadt kennen. Wir finden sie etwa auf dem wohl berühmtesten jüdischen Grab im heutigen Burgenland, jenem von Rabbi Meir Eisenstadt: Auffällig ist dabei, dass für die Zehnerzahl „20“ ein Final-Kaf ך geschrieben wird, obwohl sich der Buchstabe nicht am Schluss befindet. Damit soll suggeriert werden, dass wir die Buchstabenkombination als Wort von links nach rechts (!) lesen: זך bedeutet „rein“ (siehe Exodus 27,20: das „reine Öl“). Es wird also angedeutet, dass sie mit „reiner Seele“ verstarb.

Den Vornamen der Verstorbenen lesen wir in der Eulogie in Zeile 6 am Schluss: „Merle“ מערלה.

Zeile 7 und 8 nennen ihren Vater: „Der fromme und berühmte Mann, (8) MORENU Ari Löb, d(as Andenken) d(es Gerechten) m(öge bewahrt werden)“ הרב החסיד המפורסם מוהרר ארי ליב זצ“ל.


Archiv jüdischer Friedhof Mattersburg