Chaja Ester Koppel, 08. Av 5669 (Montag, 26. Juli 1909)

  • Foto: Grabstein von Chaja Ester Koppel, 08. Av 5669
  • Datenblatt Isidor Öhler: Chaja Ester Koppel, 08. Av 5669


Anmerkungen

Zeile 2 und 3: Mit einem an Hiob 8,12 angelehnten Bibelzitat wird darauf hingewiesen, dass es sich um „das angesehene Mädchen handelt, das noch in der Blüte ihrer Tage gepflückt wurde, nämlich mit 13 Jahren“ הילדה החשובה אשר נקטפה ימיה עודנה באבה בת יג שנים.

Zeile 5 nennt Mutter und Vater: „Tochter von Süssl, der Ehefrau des MORENU Elieser Koppel, s(ein Licht) m(öge leuchten)“ בת זיסל אשת מוה אלעזר קאפל נ“י.

Der Vater lebt also zum Zeitpunkt des so frühen Todes seiner Tochter noch (er wird beide seiner Kinder überleben). Bruder Jakob muss, folgen wir den Angaben in seiner Grabinschrift, etwa um diese Zeit geboren worden sein. Auch er stirbt 10 Jahre später als kaum 10jähriger.

So wie in der Grabinschrift ihres Bruders wird auch in dieser Inschrift der Vater als MORENU bezeichnet. In der Grabinschrift des Vaters fehlt dieser Ehrentitel.

MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Öhler liest als Nachname „Pöbl“, was nicht weiter kommentiert werden muss.

Zeile 6 und 7 nennen Sterbe- und Begräbnisdatum: Das Sterben selbst wird mit einer sehr schönen Euphemie umschrieben, die wir bisher noch nicht hatten: „Ihre Seele flog hinweg in Reinheit am 8. Av (7) und sie wurde begraben am Fasttag des 9. Av (= Dienstag, 27. Juli)“ פרחה נשמתה בטהרה ביום ח אב ונקברה ביום התענית ט אב.

Biografische Notizen

Vater: Elieser (Lazar Segal) Koppel, gest. 19. März 1929

Bruder: Jakob Koppel, gest. 31. Oktober 1919


Archiv jüdischer Friedhof Mattersburg