Jakob Koppel, 08. Cheschvan 5680 (Freitag, 31. Oktober 1919)

  • Foto: Grabstein von Jakob Koppel, 08. Cheschvan 5680
  • Datenblatt Isidor Öhler: Jakob Koppel, 08. Cheschvan 5680


Anmerkungen

Zeile 2: „Das Kind, ‚jung, und doch weise‘ (bT Kidduschin 32b)“.

Zeile 3 bezeichnet den Vater „Elieser Koppel, s(ein Licht) m(öge leuchten)“ als MORENU. In der Grabinschrift des Vaters, der zum Zeitpunkt des Todes seines Sohnes noch lebt, fehlt dieser Ehrentitel.
Für den Nachnamen gilt dasselbe, wie schon bei seinem Vater angemerkt: Öhler liest „Kappel“, obwohl auch hier das Alef klar vokalisiert ist.

MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 5: Als Herkunftsort wird „Wiener Neustadt“ angegeben.

Zeile 6: „Er verstarb in der Nacht (auf) d(en heiligen) Sch(abbat), 8. Marcheschvan. Schabbat, der 8. Marcheschvan war 1919 der 1. November. Da Jakob aber in den Abendstunden des Freitags verstarb, ist das bürgerliche Sterbedatum der 31. Oktober. Öhler rechnet falsch und gibt als Sterbedatum den 2. November an. An diesem Tag, dem 9. Cheschvan (= Montag, 02. November) wurde Jakob laut Zeile 7 begraben.

Die Eulogie ist – für ein Kind typisch – zwar kurz, aber sehr schön, was wohl auch dem gelehrten Vater zu danken ist:
In der 1. Zeile der Eulogie heißt es „ein Kind der Liebkosungen“ (Jeremia 31,19),

Zeile 2 spielt meines Erachtens auf bt Brachot 5b an, wo Rabbi Eliezer (siehe Name des Vaters!) erkrankt ist und von Rabbi Jochannan besucht wird. Und als er Rabbi Elieser weinen sah, sprach er zu ihm: „Warum weinst du?“ … Dieser erwiderte: „Ich weine über diese Schönheit, die einst in der Erde modern soll“.

Zeile 3 und 4 der Eulogie beklagen, dass Jakob noch vor seinem 10. Lebensjahr zum Schmerz seiner Eltern zu Grabe gebracht wurde.

Als Akrostychon findet sich von Zeile 1 bis 4 der Eulogie sein Vorname „Jakob“ יעקב.

Nach der Schlusseulogie findet sich schließlich in Zeile 13 der Vorname seiner Mutter: „Süssl“.


Biografische Notizen

Vater: Elieser (Lazar Segal) Koppel, gest. 19. März 1929

Schwester: Chaja Ester Koppel, gest. 26. Juli 1909


Die Schwester von Jakob, Chaja Ester, ist in der Nähe begraben (siehe Grabnummern auf den Abschriften von Isidor Öhler) und ist schon 1909 als 13jährige verstorben.

Noch eine Anmerkung zur „Großfamilie Koppel“ in Wiener Neustadt:

Im Gegensatz zur Grabinschrift seines Vaters, ist hier „Wiener Neustadt“ als Herkunftsort genannt (Zeile 5). Tatsächlich gab es in Wiener Neustadt die „strenggläubige Familie Koppel“, deren Familienmitglieder nach der Jahrhunderwende (19./20. Jahrhundert) Liegenschaften in Wiener Neustadt erwerben konnten und es in Folge zu einem „kleinen Vermögen“ brachten. Die Integrations- und Gründerfigur ist Alois Elazar Koppel, der 1849 geboren wurde … (siehe Werner Sulzgruber, Lebenslinien. Jüdische Familien und ihre Schicksale, Wien 2013, 266ff).
Ob überhaupt bzw. in welchem Verwandtschaftsgrad Elieser und Jakob Koppel zu dieser genannten Familie standen, konnte ich leider nicht feststellen.


Archiv jüdischer Friedhof Mattersburg