Lazar (Katz) Kohn, 18. Cheschvan 5575 (Dienstag, 01. November 1814)

Foto I. Öhler: Lazar Kohn, 18. Cheschvan 5575


Keine Abschrift von Isidor Öhler vorhanden.

Anmerkungen

Zeile 1: Im Sterbedatum ist vor allem der Tag und das Monatsdatum ein wenig schwer zu lesen, doch einiges spricht für die Lesung: „S(eine Seele) g(ing hinweg) und er wurde begraben am Tag 3 (= Dienstag), 18. Marcheschvan 575 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung) ינ ונקבר ביום ג חי מרכשון תקעה לפק. Die hebräischen Buchstaben für die Zahl „18“ sind – wie häufig – umgestellt, um das hebräische Wort für „lebendig“ zu erhalten.

Knapp über bzw. neben der üblichen Einleitung פנ „H(ier ist) b(egraben) oder H(ier ist) g(eborgen)“ in Zeile 2 befindet sich das Symbol der segnenden Priesterhände, die auf die Herkunft aus dem aaronidischen Priestergeschlecht der Kohanim (Priester) hinweisen.

In Zeile 3 und 4 finden sich Beruf und der Name des Verstorbenen: הקצין ה לאזר כץ הכהן „Der Einflussreiche (= Gemeindevorstand) H(err) Lazar Katz (4) HaKohen“.

Der Name „Kohn“ כהן (hebräisch „Kohen“) ist ein sogenannter Stammesname, der Träger ein „Kohen“ (Priester). Siehe dazu unseren Lexikoneintrag.

Der Name „Katz“ ist ein hebräisches Akronym und bedeutet „Priester der Gerechtigkeit“ כהן צדק. „Katz“ ist damit ein sogenannter Stammesname, der Träger ein „Kohen“ (Priester) כהן.

Als „Elieser HaKohen“ findet sich der Name am Beginn der Eulogie in Zeile 5.

Außerdem führt Max Grunwald den Grabstein in seiner Arbeit „Mattersdorf“ (Mitteilungen der Gesellschaft für Jüdische Volkskunde 1924-1925, S. 497f) an (siehe dazu auch Kommentar von Chaya-Bathya Markovits). Die Abschrift Grunwalds soll hier zur Gänze buchstabengetreu wiedergegeben werden:

Laser k“z 1844

י“נ ונקבר ביום ג“ ח“י מרכשון תקע“ה לפ“ק
הקצין ה“ לאזר כ“ץ
ויכהן
אלעזר הכהן את ה“ כל ימיו
צדק לפניו יהלך עשה ק“ק מדמיו
כבד את ה“ מהונו ומגרונו
כדי לזכות נשמתו לפני קונו
תחת כנפי השכינה יהי“ מעונו
עד מתהום הארץ יעליהו
ובטל התחי“ יחייהו..

Warum Grunwald zwar – so wie ich – als Jahreszahl תקע“ה, also 575 liest (= 1815, weil aber Marcheschwan nach jüdischem Jahreswechsel: 1814!), aber auf 1844 umrechnet, ist mir nicht erklärlich.


Biografische Notizen

Allein die starke Ähnlichkeit dieses Grabsteines mit jenem von David Kohn lässt eine Verwandtschaft der Beiden vermuten, die wir aber nicht verifizieren konnten.
Carole Vogel schreibt in ihrem Kommentar zu David Kohn, dass er einen Sohn namens Lazar hatte. Lesen wir das Sterbejahr bei Elieser Kohn korrekt, scheidet die Sohn-Theorie natürlich aus, es könnte sich um den Großvater o.Ä. handeln? Das Sterbejahr bei David Kohn ist korrekt, weil es durch den Matrikeneintrag bestätigt wird.
(Lesen wir beim gegenständlichen Elieser Kohn das Sterbejahr als „5675“ תרעה, würde dies als Sterbedatum Mittwoch, 29. November 1914 ergeben.)

Vergleichen wir die beiden Grabsteine, entsteht vielleicht (auch) der Eindruck, dass der ältere Grabstein jener von David Kohn ist. Eine diesbezüglich sichere Beurteilung vermag ich aber nicht zu geben.

Update 14. 12. 2014: Lazar Kohn ist der Großvater von David Kohn, siehe Kommentar von Carole Vogel.


Archiv jüdischer Friedhof Mattersburg