Fradl Schischa, 13. Tischre 5667 (Dienstag, 02. Oktober 1906)

  • Foto: Grabstein von Fradl Schischa, 13. Tischre 5667
  • Datenblatt Isidor Öhler: Fradl Schischa, 13. Tischre 5667
  • Datenblatt Isidor Öhler, Rückseite: Fradl Schischa, 13. Tischre 5667


Anmerkungen

Grundsätzlich: Etwas erstaunlich ist, dass Öhler etwa die gegenständliche Inschrift zur Gänze, wenn auch mit – wie üblich – einigen Fehlern abschreibt, obwohl die Inschrift am Foto sehr schwer bzw. kaum zu lesen ist. Andere Inschriften wiederum, die am Foto gut zu lesen wären, beschreibt er als unleserlich. In Zeile 1 kann er den Sterbeort nicht lesen.

Zeile 1/2: „I(hre Seele) g(ing hinweg) in Stuhlweißenburg (= Székesfehérvár) am 13. Tischre und wurde begrabem a(m) V(orabend) v(on Sukkot) (2) im Jahr 667″
י“נ בשטולווייסענבורג יג תשרי ונקברה בע“ס
בשנת מזכרת
.

Die Abkürzung des Begräbnistages (Zeile 1) בע“ס bedeutet hier „a(m) V(orabend von) S(ukkot)“. Sukkot beginnt immer am 15. Tischre, sie wurde also am Mittwoch, 14. Tischre (03. Oktober) begraben.

Die Buchstaben für den Zahlenwert des Sterbejahres (Zeile 2) sind umgestellt, damit sie das Wort מזכרת „in Erinnerung bringend“ ergeben, somit etwa im Kontext zu übersetzen mit „Sie starb … im Jahr des Gedächtnisses“.

Zeile 6 erwähnt den Vater mit Segenswunsch: „MORENU Isak Mose Tachauer, d(as Andenken) d(es Gerechten) m(öge bewahrt werden)“ מוה יצחק משה טאכויער זצ“ל. Der Vater war also zum Zeitpunkt des Todes seiner Tochter ebenfalls schon verstorben.

MORENU bedeutet wörtlich “u(nser) L(ehrer), H(err)”. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als “synagogaler Doktortitel” (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 7 erwähnt den Ehemann: „D(er ehrbare) H(err) Elieser Schischa, s(ein Licht) m(öge leuchten)“ כה אליעזר שישא נ“י.

Als Akrostychon finden sich von Zeile 8 – 13 (in der Eulogie) ihr Vorname sowie der Segenswunsch: „Fradl, a(uf ihr sei der) F(rieden)“ פראדל עה. Der Segenwunsch steht in Zeile 13 horizontal.

Schließlich wird noch in der letzten Zeile, nach der üblichen Schlusseulogie, „der Name ihrer Mutter“ genannt: „Chaj(ja)“ חיי“ .


Archiv jüdischer Friedhof Mattersburg