Josef Löb (Jehuda) Schischa, 08. Tevet 5646 (Mittwoch, 16. Dezember 1885)

Foto I. Öhler: Josef Löb (Jehuda) Schischa, 08. Tevet 5646


Keine Abschrift von Isidor Öhler vorhanden.

Anmerkungen

Zeile 1: Das Sterbejahr wird durch ein Bibelzitat ausgedrückt: „S(eine Seele) g(ing hinweg) am 8. Tevet im Jahre ‚Die Schützen stellen ihm nach‘ (Genesis 49,23) n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung)“ י“נ ח“ טבת בשנת ויטמהו בעלי חיצים לפ“ק. Der Zahlenwert des Bibelzitats ergibt 646 (= 1885/86).
Es ist in der Inschrift nicht klar zu erkennen, über welchen Buchstaben des Bibelzitats sich Punkte befinden, die in Summe die Jahreszahl ergeben. Hier wurden alle Buchstaben des Zitats gezählt.
Selbstveständlich ist die Lesung „8. Tevet“ nicht ganz sicher, es könnte auch der 5. Tevet sein, das wäre dann Sonntag, der 02. Jänner 1876.

Update 19. 12. 2014: Es ist der 8. Tebet 646 = Mittwoch, 16. Dezember 1885! Siehe unten Kommentar von Carole Vogel und meine Antwort.

Zeile 2: Zum Symbol von Krug (und Becken) siehe unseren Lexikoneintrag.

Zeile 3: Vor dem Vornamen „Josef Löb“ findet sich „der Junggeselle“ הב“ יוסף ליב. Josef Löb war also unverheiratet.

Zeile 4 erwähnt den Vater: „Meir Schischa Segal“ מאיר שישא סג“ל.

Der Nachname (Stammesname) „Segal“ סגל, oft auch als Zusatz nach dem Nachnamen, ist eigentlich ein Akronym für סגן לויה לוים, etwa „Führer der Leviten“.

Zeile 5 beginnt mit einem Bibelzitat: יוסף איננו „Josef ist nicht mehr …“ (Genesis 42,36).

Danach lesen wir האברך. Siehe dazu die hochinteressante Diskussion zum Wort in den Kommentaren von Meir Deutsch und v.a. Chaya-Bathya (Claudia) Markovits!
Jedenfalls wird damit angedeutet, dass Josef Löb jung verstarb.
Ob sich vor und nach האברך Anführungszeichen oder gar Rufezeichen befinden, oder ob es sich um Steinschäden handelt, vermag ich nicht sicher zu beurteilen.

Ebenso unklar ist mir, ob die nächsten beiden Wörter als עליו כה“ zu lesen sind, und eventuell damit angedeutet werden soll, dass er im Alter von 25 Jahren starb?

Als Akrostychon finden sich von Zeile 5 – 14 seine Vornamen sowie der Segenswunsch:
(5) horizontal: „Josef“ (ganzes Wort, also 4 Buchstaben)
(6) horizontal: „osef“ (3 Buchstaben)
(7) horizontal: „sef“ (2 Buchstaben)
(8) horizontal: „f“ (1 Buchstabe)
(5) bis (8): „Josef“
(9) bis (13): „Jehuda“
(10) horizontal: „huda“ (3 Buchstaben)
(14) horizontal: „s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden)“
יוסף יהודה זל

Bereits länger online ist Meir Jehuda (Löb) Schischa Segal, verstorben 1883. Dabei könnte es sich um den Vater von Josef Löb handeln? Dafür sprechen u.a. die Vornamen (Meir, Jehuda, Löb).
Dagegen spricht allerdings der Kommentar von Carole Vogel, die zwar einen Sohn namens Josef nennt, der, 1855 geboren, nur 4 Monate alt wurde! ?


Archiv jüdischer Friedhof Mattersburg