Abner Chasan ben Löb Chasan aus Wien, 14. Nisan 457 (= Freitag, 05. April 1697)

Q-22 (Wachstein 23)

  • Grabstein Abner Chasan ben Löb Chasan aus Wien, 14. Nisan 457
  • älterer jüdischer Friedhof Eisenstadt, Sektor Q


Die Grabinschrift

פה טמון
צדיק וישר חסיד
ונאמן והיה בקי
בדקדוקים וטעמן
קולו כפעמון הר“ר
אבנר ש“ץ בן מה“ר
ליב חזן מוינא הלך
לעולמו בערב פסח תנ“ז ל’

תנצב“ה


Anmerkungen

Zeile 3 bis 5 nehmen besonderen Bezug auf seinen Beruf als Vorbeter/-singer (Chasan): „Bewandert in Grammatik und Notenlesen (wörtlich sind die Betonungen der Notenzeichen gemeint), seine Stimme war wie ein Glöckchen“.

Zeile 8: Das Todesdatum wird angegeben mit „Am Vorabend von Pesach“.

MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).


Biografische Notizen

In Wien lernen wir einen Vorbeter namens Löb kennen, den seine Grabschrift wie Löb, den Vater unseres Abner, mit der Morenu-Titulatur anführt. Aus dem Umstande, dass der Name sowohl im eigenen sowie in dem zum Heile der Frau gestifteten Gedächtnisse ‚Efraim Jehuda‘ lautet, schloss ich, dass der Autor Simeon ben Efraim Jehua, der Verfasser des Werkes ‚Chelek Schimeon‘, Prag 1687, der sich als aus Wien gebürtig und aus Eisenstadt vertrieben bezeichnet, der Sohn eben dieses Vorbeters Jehuda ben Samuel sei.

Es liegt nun sehr nahe in unserem Abner einen Bruder Simeons zu sehen. Nun begegnet uns um dieselbe Zeit ein anderer Vorbeter namens Löb, der für seinen Vater Abner ben Chanoch ein Seelengedächtnis stiftet, von dem wir aber sonst keine Kunde haben. Wenn wir es mit zwei gleichnamigen Personen von demselben Wirkungskreise zu tun haben, müssen wir zweifelsohne den Vorbeter Jehuda Löb ben Abner unserem Abener ben Löb als Vater zuweisen …

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 7f

Zum 1. Absatz oben macht Wachstein eine für die Geschichte der Juden in Eisenstadt außerordentlich interessante Anmerkung in der Fußnote:

Die Angaben sind unklar. Auf dem Titelblatte des Werkes ist der Autor aus Wien gebürtig und aus Eisenstadt vertrieben. In der Vorrede spricht er von der Vertreibung aus Wien, ‚wo mein Geburtsland un das Vaterhaus war‘, und dann weiter:
‚Als mich Gott mit den übrigen aus Österreich Vertriebenen umher irren ließ‘, und in der Unterschrift wiederum ‚aus Wien und (von den) Vertriebenen Eisenstadts‘. Diese Stellen können in Einklang gebracht werden, wenn wir annehmen, dass Simeon in Wien geboren, vor 1670 in Eisenstadt gelebt, in diesem Jahr jedoch von der allgemeinen Vertreibung betroffen mit den anderen au sdem Lande Österreich Ausgewiesenen den Wanderstab ergreifen musste. Aus diesem Grunde spricht er von Wien als Geburtsland. Daraus würde folgen, dass die Eisenstädter Gemeinde, die wir aus dem 17. Jahrhundert kennen, tatsächlich 1670 bestanden hat. Unter diesem Gesichtspunkte würden manche Rückwanderer agnosziert werden können. Die Stellen können aber auch so gedeutet werden, dass der arme Schriftsteller aus der neuen Gemeinde vertrieben wurde, denn die Aufnahme der Ansiedler war gewiss unter scharfe Kontrolle gestellt. Sehr wahrscheinlich ist allerdings die letztere Deutung nicht.

Wachstein B., Die Grabinschriften …, a.a.O., 7

(Fettsetzung des für die Geschichte der örtlichen jüdischen Gemeinde relevanten Satzes nicht von Wachstein, sondern von mir)


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