Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Cäcilia (Chaja) Tachauer, 25. Tevet 656 (= Freitag, 10. Jänner 1896)

Standortnummer: 631

  • Grabstein Tachauer Cäcilia - 10. Jänner 1896

    Foto 1993

  • Grabstein Tachauer Cäcilia - 10. Jänner 1896

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Cäcilia Tachauer: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פט
[2] die bedeutende und mildtätige Frau, [eine Tochter Großer], האשה החשובה והצדקת ב[ת גדולים]
[3] F(rau) Chaja, מ חיה
[4] Ehefrau des Rabbiners, der großen Leuchte, אשת הרב המאור הדגול
[5] des MORENU Mose Itziq Tachau, d(as Andenken) d(es Gerechten) m(öge bewahrt werden). מוה’ משה איצק טאכוי זצל
[6] Ihre Seele ging hinweg am […] des Jahres יצאה נשמתה ביום […] שנת
[7] 656 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). תרנו לפק
[8] Ihr Anteil im Leben war ein kluger Verstand bei all ihren Tätigkeiten. חלקה בחיים שכל טוב לפעולותיה
[9] Es verehrten sie ihre Kinder auf ihren Wegen […] יכבדו בניה בדרכם […]
[10] Ihren Ruhm vermehrte sie durch ihr erfolgreiches Wirken. הגדילה שמה בכשרון מעשיה
[11] Sie genoss den Erfolg ihrer Arbeit all ihre Tage. טעמה כי טוב סחרה כל ימיה
[12] Sie hielt fest an den Taten ihrer Vorfahren im Haus ihres Mannes. אחזה מעשי אבות בבית בעלה
[13] Seine ehrenvolle Unterweisung war ihre Freude und ihr Licht. כבוד הורתו היה שמחתה ואורה
[14] Sie war bestrebt, ihre Kinder zur Tora und zum Gottesdienst zu geleiten. ונהל בניה לתורה ולעבודה חפצה
[15] Die Vergeltung ihrer Gerechtigkeit möge im [Himmel] für sie stehen. יעמד גמול צדקתה ב[ערב]ה ל[…]
[16] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה



Anmerkungen

Zeile 4: Genesis 1,16 המארת הגדלים. In der rabbinischen Literatur Ehrentitel für große Rabbiner (in Israel).

Zeile 5: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 6: Cäcilia Tachau(er) ist laut Matrikeneintrag (s.u. Biografische Notizen) am 10. Jänner 1896 abends (um 18.30h) gestorben. Das ist bereits der 25. Tevet 696. Dieses Datum findet sich auch auf Hebräisch im Matrikeneintrag vermerkt. Obwohl die Inschrift an dieser Stelle nicht extrem verderbt ist, war es mir nicht möglich, das Datum korrekt auszulesen, jedenfalls kann ich kein (עשק) כה טבת „Erev Schabbat Qodesch, 25. Tevet“ erkennen. Das Sterbedatum wurde daher nach den Matriken ergänzt.

Zeile 10: Vgl. Kohelet 4,4 „…jedes erfolgreiche Tun…“ כל כשרון המעשה….

Zeile 11: Sprüche 31,18 „…jedes erfolgreiche Tun…“ טעמה כי טוב סחרה.

Zeile 13: Vielleicht ist תורתו zu lesen. Es müsste dann „Die Ehre Seiner (Gottes) Tora…“ übersetzt werden.

Ester 8,16 אורה ושמחה. Vgl. auch Psalm 91,11 „Ein Licht erstrahlt den Gerechten und Freude den Menschen mit lauterem Herzen“ אור זרע לצדיק ולישרי לב שמחה:.

Zeile 15: Vgl. Psalm 68,5 „…der (Gott) auf den Wolken reitet…“ …לרכב בערבות…. ערבות ist auch der Name eines der sieben Himmel (siehe babylonischer Talmud, Traktat Chagiga 12b u.a.).

Zeile 8-15: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben ergeben den hebräischen Vornamen und den Nachnamen der Verstorbenen (Chaja Tachau).


Biografische Notizen

Cäcilia (Chaja) Tachauer, Kaufmannsgattin, geb. in Kobersdorf; gest. mit 55 Jahren an Leberschwellung im Rothschild-Krankenhaus in Wien XVIII, Währingergürtel 97. Sie wurde am 13. Jänner 1896 in Wien beerdigt, später nach Eisenstadt überführt.


Vater: Isak Tachauer, zuständig nach Kobersdorf
Mutter: Katharina


Ehemann: Max Tachau(er), Kaufmann, Sohn von Alexander Tachauer und Ernestine, Eisenstadt 28. Max war bei der Hochzeit 26 Jahre, Cäcilia 21 Jahre alt. Gest. mit 82 Jahren am 09. Oktober 1916

Matriken Tod Cäcilia Tachauer

Matriken Tod Cäcilia Tachauer



Material und Maße des Grabsteins

Kalksandstein, 135/57/17

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