Tachauer Izsak – 19. Mai 1887

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Izsak (Mose Itziq) Tachauer, 25. Ijjar 647 (= Donnerstag, 19. Mai 1887)

Standortnummer: 217

  • Grabstein Tachauer Izsak - 19. Mai 1887

    Foto 1993

  • Grabstein Tachauer Izsak - 19. Mai 1887

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Izsak Tachauer: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פנ
[2] der Rabbiner, die [große] Leuchte, הרב המאור [הגדול]
[3] MORENU Mose Itziq Tachau, מוה משה איצק טאכוי
[4] Sohn des MORENU Abraham, d(as Andenken) d(es Gerechten) m(öge bewahrt werden). Ein Richter und Lehrer war er, בן מוה אברהם זצל דיין מורה
[5] alt und angesehen. Seine Seele ging hinweg i(n) R(einheit) זקן ונשוא פנים יצאה נשמתו ב“ט
[6] am Donnerstag, dem 25. Ijjar, vierzig[jährig]. ביום חמישי כה אייר ארבעים [ל…]
[7] Begraben wurde er tags darauf, am V(orabend) d(es heiligen) Sch(abbat), T(oraabschnitte) „Auf dem Berg…“ und „In meinen Satzungen…“ נקבר למחרתו עשק פ בהר ובחקתי
[8] des Jahres 647 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). בשנת תרמז לפק
[9] Mose stieg hinauf, um die Früchte seiner Tagen zu sammeln. משה עלה למרום לאסף פרי מעלליו
[10] Er richtete Israel in Gerechtigkeit und der Wahrhaftigkeit der Tora […]. שפט את ישראל בצדק ישר התורה נ[…יו]
[11] Die Rechtschaffenen waren ihm nach seinem Herzen, und sie leiteten immer seine Schritte. הישרים כלבו והם נהלו תמיד פעמיו
[12] Liebe und Glauben erfüllte er in seinen Gedanken und Werken. אמת ואמונה ישלם במחשבותיו ובמעשיו
[13] Tag und Nacht […] der [Lehre]. יום ולילה […] ד[אורייתא]
[14] Der Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit jagte er nach und in der Gottesfurcht […] nicht […]. צדק צדק רדף וביראתו לא […]
[15] Er erfüllte die Tora aus Armut die meisten seiner Tage und Jahre. קים את התורה מעוני רוב ימיו ושנותיו
[16] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה



Anmerkungen

Zeile 3 und 4: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 5: Jesaja 9,14 זקן ונשוא פנים.

Zeile 7: Der Toraabschnitt בהר… „Auf dem Berg…“ (Leviticus 25,1-26,2) ist der 32., der Abschnitt בחקתי… „In meinen Satzungen…“ (Leviticus 26,3-27,34) der 33. Abschnitt im einjährigen Lesezyklus.

Zeile 9: Psalm 68,19 עליתי למרום.

Jesaja 3,10 כי פרי מעלליהם.

Zeile 10: Richter 3,10 וישפט את ישראל.

Zeile 14: Deuteronomium 16,20 צדק צדק תרדף.

Zeile 15: Pirqe Avot 4,11 „Rabbi Jonathan sagt: Wer die Tora aus Armut erfüllt, der wird sie auch aus Reichtum erfüllen, und wer die Tora aus Reichtum unerfüllt lässt, der wird sie auch aus Armut unerfüllt lassen רבי יונתן אומר, כל המקים את התורה מעני סופו לקימה מעשר. וכל המבטל את התורה מעשר סופו לבטלה מעני:.

Zeile 9-15: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben ergeben die hebräischen Vornamen des Verstorbenen (Mose Itziq).


Biografische Notizen

Izsak (sic. in den Matriken) Tachauer (Mose Itziq Tachauer), gest. mit 78 Jahren. Am 25. Mai 1836 heiratete er in Kobersdorf Katharina Alt, die Tochter des berühmten Kobersdorfer Rabbiners David Eibnitz-Alt. Dieser stammte aus Mähren und starb nach 43 Jahren Tätigkeit als Rabbiner in Kobersdorf an Altersschwäche im Alter von 75 Jahren am 24. Nisan 610 (= 06. April 1850).

Vater: Abraham Tachau, gest. 02. April 1854, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt
Mutter: Zirl Tachau, gest. 03. Dezember 1831, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Ehefrau: Katharina Alt, gest. an „marasmus senilis“ (= Altersschwäche), in Unterberg-Eisenstadt am 12. Juli 1893 (s. Matrikeneintrag unten)

Matriken Izsak Tachauer

Matriken Izsak Tachauer

Matriken Katharina Tachau

Matriken Katharina Tachau


Material und Maße des Grabsteins

Kalksandstein, 170/68/27

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