Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Katharina (Golda) Machlup, 26. Tevet 651 (= Dienstag, 06. Jänner 1891)

Standortnummer: 803

  • Grabstein Machlup Katharina - 06. Jänner 1891

    Foto 1993

  • Grabstein Machlup Katharina - 06. Jänner 1891

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Golda Machlup: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ“נ
[2] die bedeutende Frau, Frau האשה החשובה מרת
[3] Golda, Ehefrau des H(errn) Salomo גאלדא אשת ר שלמה
[4] Machlup. מאכלוף
[5] Sie verstarb am 26. des Monats Tevet 651 נפטרה ביום כו לחדש טבת תרנא
[6] n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). לפק ‎‏‏
[7] Das Los aller Menschen kam auch über dich. גורל כל בני אדם עלה גם עליך
[8] Eine tüchtige Frau warst du deinem Ehemann und eine teure Mutter deinen Kindern. אשת חיל היית לבעלך ואם יקרה לבניך
[9] Um von deiner Hände Arbeit zu leben, bemühtest du dich alle Tage deines Lebens. לחיות מיגיע כפיך עמלת כל ימי חייך
[10] Arme und Schwache hast du unterstützt von dem wenigen, was du in deiner Hand hattest. דלים ורשים תמכת מן המעט אשר בידך
[11] Im Alter wurdest du krank und mit deinen Vorfahren vereint. אחרי זקנתך נחלית ואל עמיך נאספת
[12] Deine Seele fand die Ruhe, nach der sie sich gesehnt hatte. נפשך מצאה המנוחה אשר לה נכספת
[13] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת’נ’צ’ב’ה’ ‎‏‏



Anmerkungen

Zeile 2: Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 59b אשה חשובה u.a.

Zeile 4: Zum Familiennamen „Machlup“ siehe v.a. Wachstein B., Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 2. Teil 1696-1783, Quellen zur Geschichte der Juden in Deutsch-Österreich, hrsg. von der historischen Kommission der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, IV, Wien 1912, 446, Anm. 2, und 510 sowie 1123 (Michelup, Michlup), wo auf die Konskriptionsliste aus dem Jahr 1836 in Eisenstadt hingewiesen wird.

Zeile 8: Sprüche 12,4; 31,10; Rut 3,11 אשת חיל.

Zeile 9: Beim ersten Wort kann nicht sicher entschieden werden, ob להיות „zu sein“ oder, wie in der Abschrift intendiert לחיות „zu leben“ gelesen werden muss. Der Sinn des Satzes bleibt in jedem Fall gleich.

Vgl. Psalm 128,2 „Was deine Hände erwarben, kannst du genießen (wörtlich: „essen“); Heil dir, es wird dir gut gehen“ יגיע כפיך כי תאכל אשריך וטוב לך. Babylonischer Talmud, Traktat Berachot 8a: „Größer ist, wer von seiner Arbeit genießt, als der Gottesfürchtige … Heil dir in dieser Welt und wohl dir in der zukünftigen …“ …גדול הנהנה מיגיעו יותר מירא שמים… אשריך בעולם הזה וטוב לך לעולם הבא …; siehe auch Tratkat Chullin 44b.

Zeile 11: Genesis 24,36 אחרי זקנתה.

Vgl. Genesis 49,33 „(Jakob) verschied und wurde mit seinen Vorfahren vereint“ (wörtlich: „… zu seinen Vorfahren eingesammelt“) …ויגוע ויאסף אל עמיו u.a.

Zeile 7-11: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben ergeben den hebräischen Vornamen der Verstorbenen (Golda).


Biografische Notizen

Katharina (Golda) Machlup, verwitwet, starb mit 63 Jahren an einer Dünndarmentzündung in Unterberg-Eisenstadt.


Ehemann: Salomo ben Asriel Machalup, gest. 12. Mai 1871, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt.


Material und Maße des Grabsteins

Kalksandstein, 125/57/27


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