Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Moritz (Josef Meir Jehuda) Austerlitz, 09. Cheschwan 661 (= Mittwoch Abend, 31. Oktober 1900)

Standortnummer: 206

  • Grabstein Austerlitz Moritz - 01. November 1900

    Foto 1993

  • Grabstein Austerlitz Moritz - 01. November 1900

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Moritz Austerlitz: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Führer der Leviten סגן לוים
[2] {Levitenkrug und Becken} (כד של לויים)
[3] H(ier ist) g(eborgen) der MORENU פ“ט מו“ה
[4] Josef Meir Jehuda, יוסף מאיר יהודה ‎
[5] Sohn des seligen e(hrenhaften) H(errn) Simon בן המנוח כ“ה שמעון
[6] aus der Familie ממשפחת ‎‏‏
[7] Austerlitz Sega“l. אוסטערליטץ סג“ל ‎‏‏
[8] Er verstarb am Donnerstag, dem 9. Marcheschwan, נפטר יום ה ט מרחשון ‎‏‏
[9] und wurde zu Grabe gebracht tags darauf, והובל לקברות למחרתו ‎‏‏
[10] am V(orabend des) h(eiligen) Sch(abbat), T(oraabschnitt) „Geh …“, 661 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). עש“ק פ’ לך תרסא לפ“ק
[11] Sein Wille war auch seine Ehre. רצונו של אדם הוא כבודו
[12] Er befahl, dass auf seinem Grabstein nicht eingraviert werde הוא צוה אשר לא יחקק על מצבתו
[13] irgendein Lob oder irgendeine Anerkennung. שום שבח וקלוס
[14] D(er ehrenhafte) H(err) כ“א
[15] handelte redlich נשא ונתן באמונה
[16] und bestimmte feste Zeiten zum Tora(studium). וקובע עתים לתורה
[17] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת’נ’צ’ב’ה’ ‎‏‏



Anmerkungen

Zeile 3: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 10: Der Toraabschnitt Genesis 12,1-17,27 „Geh…“ לך לך … ist der dritte im einjährigen Zyklus.

Zeile 11: palästinischer Talmud, Traktat Pea I,1,15e (s. auch Qidduschin I,7,61b) „… weil das ihr (Mutter von Rabbi Yishma’el) Wille ist, ist es (auch) ihre Ehre!“ …הואיל והוא רצונה הוא כ(י)בודה.

Zeile 15: Vgl. babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 31a „In der Stunde, wenn man einen Menschen zum Gericht bringt, fragt man ihn: ‚Hast du deinen Handel in Redlichkeit betrieben‘?…“ בשעה שמכניסין אדם לדין אומרים לו נשאת ונתת באמונה…. Es „… ist dies die erste Frage, die an den Menschen im Jenseits gerichtet wird.“
(Wachstein B., Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540(?)-1670, Quellen zur Geschichte der Juden in Deutsch-Österreich, hrsg. von der historischen Kommission der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, IV, Wien 1912, Seite 128)

Zeile 16: Vgl. babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 31a (unmittelbare Forsetzung von Anmerkung zu Zeile 15) „Hast du Zeiten für die Tora festgesetzt?…“ קבעת עתים לתורה…. Es ist dies die zweite Frage, die an den Menschen bei der Rechenschaftslegung im Jenseits gerichtet wird. (Wachstein a.a.O, Seite 151)


Biografische Notizen

Moritz (Josef Meir Jehuda) Austerlitz, Privater, gest. am 31. Oktober 1900 um 21.30 Uhr mit 87 Jahren an Lungenentzündung, wohnhaft Oberberg-Eisenstadt 160.
Sterbedatum: Moritz Austerlitz ist Mittwoch Abend, also schon am 09. Cheschwan gestorben.



Vater: Simon Austerlitz, Gemeindediener in Unterberg-Eisenstadt
Mutter: In den Matriken nicht genannt


Ehefrau: Theresia Eder


Material und Maße des Grabsteins

Marmor, 153/55/21


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