Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Bernhard (Bernáth, Aaron Beer) Gellis, 16. Nisan 647 (= Sonntag, 10. April 1887)

Standortnummer: 512



Die Grabinschrift

Inschrift Bernhard Gellis: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ“נ
[2] ein Mann von edlem Geist, der gerecht und aufrichtig handelte. איש יקר רוח פועל צדק ואמונה
[3] Er war g(ottes)fürchtig, befolgte die Gebote genau und hielt die Tora in Ehren. ירא ה מהדר במצות ומחזיק תורה
[4] Angesehen war er und gepriesen unter allen Juden, נכבד ומהולל בשער בת רבים ‎
[5] d(er ehrbare) N(ame), d(er ehrenhafte) H(err) כ“ש כה
[6] Aaron Beer Gellis, אהרן בער געלליס ‎‏‏
[7] a(uf ihm sei) F(riede). ע“ה ‎‏‏
[8] Alle Tage seines Lebens war er fest wie ein Leopard in der Aufrechterhaltung der Gebote G(ottes). כל ימיו עז כנמר בקיום מצות ה ‎‏‏
[9] Er trachtete mit seiner ganzen Kraft danach, seine Söhne zur Tora zu erziehen שקד בכל כחו לגדל בניו לתורה ‎‏‏
[10] und zu sättigen vom Tau des Himmels die Jünger des H(errn). ולהשביעם ממגד שמים למודי ה
[11] Er wählte zu seinen Schwiegersöhnen Gelehrte und ehrwürdige Männer. ויבחר בחתניו רבנן ואנשי מעלה
[12] Seine Hände blieben erhoben, bis die Sonne seines Lebens unterging. ויהי ידיו אמונה עד בא שמש חיו
[13] Er starb im Alter von 77 Jahren am 2. Tag von Pesach מת בן עז שנה ביום ב פסח
[14] und wurde begraben in großer Ehre am 2. Z(wi)s(ch)e(n)f(eier)t(ag) v(on Pesach) ונקבר בכבוד גדול ב דחוהמע
[15] des Jahres 647. שנת תרמז
[16] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת’נ’צ’ב’ה’ ‎‏‏



Anmerkungen

Zeile 1: Sprüche 17,27.

Zeile 4: Hohelied 7,5 על שער בת רבים: wörtl. „im Tor von Bat Rabim“, der Name des Tores ist also „Tochter der Vielen“).

Zeile 8: babylonischer Talmud, Traktat Avot V,23 עז כנמר: Es heißt hier „Sei fest wie der Leopard, leicht wie der Adler, rasch wie der Hirsch und stark wie der Löwe, den Willen deines Vaters im Himmel zu vollbringen“. Das Wort עז ist in der Inschrift mit großen Buchstaben geschrieben, um mit dem Zahlenwert das Alter des Verstorbenen, nämlich 77 Jahre, anzudeuten.

Zeile 10: Deuteronomium 33,13 ממגד שמים.

Jesaja 54,13 למודי יהוה.

Zeile 12: Exodus 17,12 ידיו אמונה עד בא השמש: wörtl. „er (Mose) war, seine Hände Ehrlichkeit (Treue)“, s. Raschi zur Stelle, der erklärt, dass Mose in der Verfassung war, dass seine Hände sich in Pflichttreue befanden, zum Himmel gerichtet, und begründet dies mit dem Singular des Verbs ויהי, dessen Subjekt nicht die Hände ידיו, sondern Mose sein müsse.

Zeile 13: Der 2. Tag von Pesach ist der 16. Nisan, das war im Jahr 5647/1887 der 10. April.

Zeile 14: Der 2. Zwischenfeiertag von Pesach ist der 18. Nisan, das war im Jahr 5647/1887 der 12. April.


Biografische Notizen

Bernhard (Bernáth, Aaron Beer) Gellis, geb. in Mattersdorf, gest. in „Vorort von Eisenstadt“ (kismarton külvaros). Fraglich, ob damit „Unterberg-Eisenstadt“ gemeint ist. Begraben am 11. April.

Vater: Moses Elias Gelles, gest. 04. Mai 1865, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt
Mutter: Amalia (Malka) Gelles, gest. 21. Juni 1868, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt



Schwestern:
Johanna Gelles, geb. 10. Juni 1837

Lini / Caroline Gelles, geb. 22. Februar 1844


Brüder:
Simon Gelles, geb. 12. Juli 1841

Adolph / Adolf (Aron) Gellis, geb. 14. November 1846, gest. 03. August 1912 in Golling, begraben am jüdischen Friedhof in Salzburg Aigen (Grabstein und mehr Informationen bei den Eltern Mose Elias Gelles und Amalia (Malka) Gelles sowie besonders den Kommentar von Carole Vogel!)


Ehefrau: Franziska (Feila) Stroh, geh. 14. August 1838 in Eisenstadt, gest. 08. Juni 1905

Matriken Hochzeit Bernhard Gelles und Fani, geb. Stroh

Matriken Hochzeit Bernhard Gelles und Fani, geb. Stroh



Tochter:
Rosalia Gellis, geh. 31. Mai 1871 Markus? (Mose Jehuda) Kornfein, Religionslehrer aus Lackenbach


Sohn: Abraham Gellis, gest. 13. Februar 1919


Material und Maße des Grabsteins

Quarzit, 115/50/12


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