Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Franziska (Feila) Gellis, 05. Siwan 665 (= Donnerstag, 08. Juni 1905)

Standortnummer: 513

  • Grabstein Gellis Franziska - 08. Juni 1905

    Foto 1993

  • Grabstein Gellis Franziska - 08. Juni 1905

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Franziska Gellis: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier ist) g(eborgen) פט
[2] eine tüchtige Frau! אשת חיל!
[3] Die bedeutende und gerechte Frau, האשה החשובה הצדקת
[4] Frau Feila, s(ie ruhe in) F(rieden), מרת פיילא נ ע
[5] Ehefrau de Gottesfürchtigen und Vollkommenen, אשת הירא והשלם
[6] d(es) e(hrenhaften) H(errn) Aaron Beer Gellis, כהר אהרן בער געלליס ‎‏‏
[7] Sie verstarb und wurde in gutem Ruf begraben, נפט’ ונקב’ בשם טוב
[8] nachdem sie über 80 Jahre alt geworden war, לאחר שהגיעה לגבורות
[9] am Vorabend zum Schawuot-Fest 665 n(ach der kleinen Zeitrechnung). ערב חג השבעות תרסה ל ‎‏‏
[10] Der Name ihrer Mutter war Resl. שם אמה ריזל
[11] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת’נ’צ’ב’ה’ ‎‏‏



Anmerkungen

Zeile 2: Sprüche 12,4; 31,10; Rut 3,11.

Zeile 3: babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 59b אשה חשובה u.a.

Zeile 4: „Eden“ wird als Aufenthaltsort der verschiedenen Seele verstanden, später als Wohnort der Seligen, aber auch als vollkommendster Ausdruck der Belohnung (siehe Zunz L., Zur Geschichte und Literatur, Berlin 1845, 341f).

Zeile 7: Vgl. Berachot 17a „…Heil dem, der … mit gutem Namen gestorben ist …“ …אשרי…שנפטר בשם טוב…; vgl. auch babylonischer Talmud, Traktat Avot II,8 „…hat er einen guten Namen erworben, hat er etwas für sich erworben“. Der gute Name kommt im Gegensatz zu allen anderen geistigen und sittlichen Gütern fast ausschließlich dem Besitzer zugute und bleibt auch nach dem Tod sein eigen (Hirsch Samson Raphael, Siddur. Israels Gebete, Zürich-Basel 1992, 443); s. auch Avot IV, 7 „… Drei Kronen gibt es: die Krone der Tora, die Krone des Priestertums und die Krone des Königtums; die Krone des guten Namens aber erhebt sich über sie“ ‎‏‏ … שלשה כתרים הן: כתר תורה וכתר כהונה וכתר מלכות: וכתר שם טוב עולה על גביהן.

Zeile 8: Wörtl. „als sie zu Kräften kam“, vgl. Psalm 90,10 „Unser Lebensalter beträgt 70 Jahre und wenn sie in Kräften sind, 80 Jahre …“ …ואם בגבורת שמונים שנה… und Avot V,25 „… 80 Jahre alt zum hohen Alter …“ בן שמונים לגבורה ….

Zeile 9: Der Vorabend des Schawuot-Festes ist der 5. Siwan, das ist im Jahr 5665/1905 der 8. Juni.


Biografische Notizen

Franziska (Feila) Gellis, geb. in Müllendorf, wh: Eisenstadt, Trefortplatz 302, gestorben mit 87 Jahren an Altersschwäche.

Vater: Jakob Stroh, Kaufmann in Müllendorf, gest. 21. November 1856, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt
Mutter: Therese Stroh, geb. Schlesinger, gest. 01. Juni 1866, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt

Bruder: David Stroh, gest. 11. März 1905

Ehemann: Bernhard (Bernáth, Aaron Beer) Gellis, geh. 14. August 1838 in Eisenstadt

Matriken Hochzeit Bernhard Gelles und Fani, geb. Stroh

Matriken Hochzeit Bernhard Gelles und Fani, geb. Stroh


Tochter:
Rosalia Gellis, geh. 31. Mai 1871 Markus? (Mose Jehuda) Kornfein, Religionslehrer aus Lackenbach


Sohn: Abraham Gellis

Material und Maße des Grabsteins

Quarzit, 88/44/8,5


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