Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Jakob (Meir) Buxbaum, 17. Marcheschwan 698 (= Freitag, 22. Oktober 1937)

Standortnummer: 203

  • Grabstein Buxbaum Jakob - 22. Oktober 1937

    Foto 1993

  • Grabstein Buxbaum Jakob - 22. Oktober 1937

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Jakob Buxbaum: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ“נ‎‏‏
[2] der ausgezeichnete Toragelehrte, התורני המופלג ‎‏‏
[3] der MORENU ‎מו“ה
[4] H(err) Jakob Meir Buxbaum, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden). ר’ יעקב מאיר בוקסבוים ז“ל ‎‏‏
[5] Rechtschaffen waren seine Taten im Sinne der Tora ישרים מעשיו בדעת התורה ‎‏‏
[6] Seine Augen richtete er auf die Gebote, um sie zu bewahren. עיניו הישיר מצות לשמרה ‎‏‏
[7] Seine Stimme erhob er zu seinem Schöpfer im Gesang. קולו הרים ליוצרו בשירה‎‏‏
[8] Reinen Herzens war er; wer könnte das in Worte fassen? בר לבבו מי יוכל לספרה ‎‏‏
[9] Mit seinen Handlungen erzog er die Kinder gemäß der Lehre מעשיו גדלו ילדים כהורה ‎‏‏
[10] und führte sie zur Gotesfurcht. אותם הדריך השם לירא ‎‏‏
[11] Seine Hände öffnete er den von Not Bedrängten. ידיו פתח לדך בצרה ‎‏‏
[12] Viel wirkte er für die Schönheit unseres Landes. רבות פעל ארצנו לשפרה ‎‏‏
[13] Sein Gedenken sei uns Schild und Schutz. זכרונו לנו למגן וסתרה ‎‏‏
[14] Er verstarb am Freitag, dem 17. Marcheschwan 698 n. (d(er) kl(einen) Z(eitrechnung)). נפטר ביום ו’ י“ז מרחשון תרחץ ל ‎‏‏
[15] D(er Name) s(einer Mutter) war Malka. וש“א מלכה ‎‏‏
[16] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה ‎‏‏



Anmerkungen

Zeile 3: MORENU bedeutet wörtlich „u(nser) L(ehrer), H(err)“. Den MORENU-Titel erhielten nur besonders gelehrte Männer, Bernhard Wachstein bezeichnet ihn als „synagogaler Doktortitel“ (siehe Bernhard Wachstein, Die Inschriften des Alten Judenfriedhofes in Wien, 1. Teil 1540 (?)-1670, 2. Teil 1696-1783, Wien 1912, 2. Teil, S. 15).

Zeile 8: Vgl. Psalm 73,1 „…für alle Menschen mit reinem Herzen“ לברי לבב.

Zeile 11: Psalm 9,10 „… für den Bedrückten … in Zeiten der Not“ …לדך…בצרה.

Zeile 13: Vgl. Psalm 119,114 „du bist mein Schutz und mein Schild“ סתרי ומגני אתה….

Zeile 5-13: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben der Zeilen, zuzüglich des ersten Buchstabens des zweiten Wortes in Zeile 13, ergeben den hebräischen (und bürgerlichen) Vornamen des Verstorbenen (Jakob Meir) sowie die Abbreviatur für die Euphemie „s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden)“ זכרונו לברכה. Die Zeilen weisen einen durchgehenden Reim auf „-a“ auf, dem die Grammatik untergeordnet ist.

Zeile 14: Umstellung der Konsonanten der Jahreszahl; statt תרצח hier תרחץ. Damit wird die Wortbedeutung „Du wirst morden“ (ein „Unwort“) vermieden. Die Konsonanten in der vorliegenden Stellung haben die Bedeutung „Du wirst mit Wasser begießen“, „Du wirst (dich) waschen“.


Biografische Notizen

Jakob (Meir) Buxbaum, Schuldirektor in Unterberg-Eisenstadt vom 1. Dezember 1922 bis 31. August 1925; geb. in Gönc, gestorben mit 69 Jahren an Lungenemphysem; wh: Eisenstadt, Wienerstraße 1


Vater: Josef Buxbaum
Mutter: Mali Fabian



Ehefrau: Theresia Kornfein


Töchter:
Irma Buxbaum
, geb. 13. Oktober 1899,

Elisabeth Buxbaum, geb. 15. Februar 1901

Ottilie Buxbaum, geb. 15. November 1906


Söhne:
René Buxbaum
, geb. 19. Juli 1903

Josef Buxbaum, geb. 25. September 1909, gest. 12. Oktober 1909 an angeborener Schwäche

Material und Maße des Grabsteins

Diorit, 189/73/37


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