Pollak Alexander – 03. November 1879

Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Alexander (Süßkind) Pollak, 17. Cheschwan 640 (= Montag, 03. November 1879)

Standortnummer: 314

  • Grabstein Pollak Alexander - 03. November 1879

    Foto 1993

  • Grabstein Pollak Alexander - 03. November 1879

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Süßkind Pollak: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ“נ
[2] d(er) l(öbliche) und ehrenwerte Herr von hohem Range, alt und ange- ה’ה האלוף והקצין זקן ונשוא
[3] sehen, verehrt und gottesfürchtig. D(er würdevolle) N(ame) d(es ehrenhaften) H(errn) war פנים נכבד וירא שמים כש’ת כה’
[4] Süßkind Pollak, s(ein Andenken) m(öge bewahrt werden). זיסקינד פאללאק ז’ל
[5] Er verstarb und wurde begraben am Montag, dem 17. Cheschwan 640 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). נפטר ונקבר יום ב’ יז חשון ת’ר’מ’ לפ’ק
[6] Dieser Stein soll zum Zeugnis und zum Mahnmal werden, זאת האבן יהיה לעדה ולמצבה
[7] dass hier zu unserem Kummer ein Liebling Go(ttes) und der Menschen geborgen ist. ידיד יה ואנשים טמון פה למדאבה
[8] All seine Tage unterstützte er unerschüttlerlich die Armen. סמך ומשען היה לעניים כל הימים
[9] Seine Verwandten und ihn Liebenden betrauern ihn. In Vollkommenheit קרוביו ואוהביו מספידים אותו בתמים
[10] vertraute er auf seine eigenen Taten, die er für sich auf ewige Zeiten setzte. יבטח במעשיו אשר עשה לנפשו לעולמים
[11] Ruhigen Sinnes wirkte er auch für seinen Schöpfer durch vollkommene Werke. נחת רוח עשה גם לבוראו במעשי תמימים
[12] Ach, oh weh, klagten bei seinem Tode laut die elenden Armen. דוי ואבוי צוחו במותו עניים מרודים
[13] Er war auch Vorstand und Leiter in seiner Gemeinde. פרנס ומנהיג היה גם בתוך עדתו
[14] Er blieb ein fähiger, untadeliger und rechtschaffener Mann bis zum Tag seines Todes. איש כשר תם וישר עד יום מותו
[15] Nie versagte er sich den Besuch des Gebetshauses, לא מנע רגליו תמיד מבית התפילה
[16] um sich dort eifrig zu seiner Zeit der Gottesfurcht und dem Gotteslob zu widmen. לרוץ שמה מהר בעתו ביראה וגילה
[17] Ein gütiger Mann wird von uns vermisst. Zur Zeit seines Hinscheidens איש חסד נעדר מאתנו בעת מתתו
[18] klagte und trauerte man über ihn daher vor seinem Totenbett. קוננו וספדו עליו לכן לפני מטתו
[19] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). ת’נ’צ’ב’ה’



Anmerkungen

Zeile 2: Jesaja 9,14 זקן ונשוא פנים.

Zeile 6: Genesis 28,22; Josua 24,27 והאבן הזאת.

Zeile 7: Deuteronomium 33,12 ידיד יהוה.

Zeile 10: Vgl. Jeremia 48,7 „Weil du auf eigene Werke…vertraut hast…“ כי יען בטחך במעשיך….

Zeile 11: במעשים תמימים wohl richtiger. In der Inschrift ist kein Apostroph als Zeichen, dass das ם ausgelassen wurde, auszumachen.

Zeile 12: דוי sollte eher אוי lauten. Die Form wurde wohl wegen des Akrostychons (s.u.) gewählt.

Jesaja 58,7 ועניים מרודים.

Zeile 14: Ijob 1,8; 2,3 איש תם וישר.

Zeile 15: Wörtl.: „Nicht hielt er seine Füße zurück…“.

Zeile 17: Sprüche 11,17 איש חסד.

Zeile 18: Vgl. Ezechiel 27,32 „…stimmen sie über dich ein Totenlied an…“ …וקוננו עליך… und 1 Könige 13,30 ויספדו עליו.

Zeile 6-18: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben ergeben den Vor- und Nachnamen des Verstorbenen (Süßkind Pollak).

Die gesamte Inschrift erweckt den Eindruck, dass sowohl Wortwahl als auch grammatische Formen dem sehr konsequent durchgehenden Reim sowie dem Akrostychon untergeordnet wurden.


Biografische Anmerkungen

Alexander (Süßkind) Pollak, Witwer, geb. in Eisenstadt, gest. mit 82 Jahren in Oberberg-Eisenstadt 132.

Vater: Alexander (Süßkind) Pollak-Mühlendorf?, gest. am 11. Jänner 1852, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt
Mutter: Maria (Mirl) Pollak?, gest. 08. Juli 1873, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt
(Die Elternschaft mit Vorbehalt, da zwar naheliegend und wahrscheinlich, aber weitere Beweise fehlen).

Schwester:
Johanna (Anna, Hanna, Lea Chana) Janowitz?, gest. 05. September 1902


Material und Maße des Grabsteins

Granit, 150/50/35

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