Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Malka Weiß, 02. Nisan 645 (= Mittwoch, 18. März 1885)

Standortnummer: 903

  • Grabstein Weiß Malka - 18. März 1885

    Foto 1993

  • Grabstein Weiß Malka - 18. März 1885

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Malka Weiß: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Eine bescheidene und gelehrte Dame, eine t(üchtige) F(rau), Frau Malka, Ehefrau des angesehenen, e(hrenhaften) H(errn) Mose Aaron Weiß. אשה צנועה ומשכלה א“ח מרת מלכה אשת הנכבד כ“ה משה אהרן ווייס
[2] Sie verstarb in g(utem) R(uf) am 2. Nisan 645 נפטרה בש“ט ב’ ניסן תרמה
[3] n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). לפ“ק
[4] H(ier ist) g(eborgen). פ“ט
[5] Von weit her wurde sie in ihre Geburtsstadt gebracht, ממרחק הובאת לעיר מולדתה
[6] um hier mit ihren Eltern zu ruhen. לשכב פה עם אבותיה
[7] Wie es auch ihre Art in ihrem Leben war, כמו כן דרכה בחייה
[8] ging sie bescheiden auf den Wgen ihrer Eltern. הצנע לכת בדרכי הוריה
[9] Die meisten ihrer Tage verblieb sie als Witwe ותשב אלמנה רוב ימיה
[10] und versorgte ihr Haus und ihre Töchter. ותתן טרף לביתה ולנערתיה
[11] Was ihre Hände erwarben, genoss sie und es trug bei zu ihrem Glück. יגיע כפיה אכלה אשריה
[12] Den rechten Weg ging sie, und es ging ihr gut. יושר ארחות הלכה וטוב לה
[13] Der Schutz des Höchsten wird ihr Schild sein. סתר עליון יהי מגנה וצנתה
[14] I(hre) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה



Anmerkungen

Die ersten beiden Zeilen sind am Grabstein im Rundbogen geschrieben und daher naturgemäß aus dem Kontext genommen. Das eigentlich an den Beginn der Inschrift gehörende „Hier ist geborgen“ findet sich in Zeile 4.

Zeile 1: Babylonischer Talmud, Traktat Schabbat 53b צנועה אשה.

Sprüche 12,4; 31,10; Rut 3,11 אשת חיל.

Zeile 2: Vgl. Berachot 17a „…Heil dem, der … mit gutem Namen gestorben ist …“ …אשר…שנפטר בשם טוב…; vgl. auch babylonischer Talmud, Traktat Avot II,8 „…hat er einen guten Namen erworben, hat er etwas für sich erworben“. Der gute Name kommt im Gegensatz zu allen anderen geistigen und sittlichen Gütern fast ausschließlich dem Besitzer zugute und bleibt auch nach dem Tod sein eigen (Hirsch Samson Raphael, Siddur. Israels Gebete, Zürich-Basel 1992, 443); s. auch Avot IV, 7 „… Drei Kronen gibt es: die Krone der Tora, die Krone des Priestertums und die Krone des Königtums; die Krone des guten Namens aber erhebt sich über sie“ ‎‏‏ … שלשה כתרים הן: כתר תורה וכתר כהונה וכתר מלכות: וכתר שם טוב עולה על גביהן.

Zeile 5: הובאת ist 3. f sg! S. Genesis 33,11.

Zeile 8: Vgl. Micha 6,8 „…und bescheiden gehen den Weg mit deinem Gott“ …והצנע לכת עם אלהיך. S. dazu babylonischer Talmud, Traktat Sukkot 49b und vgl. Makkot 24a „…(das heißt) ‚einem Verstorbenen das Geleit geben und eine Braut unter den Baldachin führen‘. Nun ist (durch einen Schluss) vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn die Tora von Dingen, die öffentlich zu erfolgen pflegen, gesagt hat: ‚und bescheiden zu gehen‘, um wieviel mehr gilt dies von Dingen, die heimlich erfolgen sollen…“.

Vgl. Genesis 38,11 „(Juda zu Tamar): Bleib als Witwe im Haus deines Vaters…“ …שבי אלמנה בית אביך….

Zeile 10: Vgl. Maleachi 3,10 „…damit in meinem Haus Nahrung vorhanden ist…“ ויהי טרף בביתי….

Zeile 11: Vgl. Psalm 128,2 „Was deine Hände erwarben, kannst du genießen (wörtl.: ‚essen‘); Heil dir, es wird dir gut gehen“ יגיע כפיך כי תאכל אשריך וטוב לך. Babylonischer Talmud, Traktat Berachot 8a: „…Größer ist, wer von seiner Arbeit genießt, als der Gottesfürchtige…Heil dir in dieser Welt und wohl dir in der zukünftigen…“ …גדול הנהנה מיגיעו יותור מירא שמים…אשריך בעולם הזה וטוב לך לעולם הבא…; s. auch Traktat Chullin 44b.

Zeile 12: Sprüche 2,13 „Die den rechten Weg verlassen…“ העוזבים ארחות ישר….

Zeile 13: Psalm 91,1 בסתר עליון. Der Psalm ist einer der Psalmen im Morgengebet für Schabbat und Festtage und wird auf dem Weg von der Friedhofshalle zur Begräbnisstelle dreimal gesagt (nicht gesagt wird er am Freitagnachmittag oder am Tag vor einem Feiertag nach 12 Uhr). Vgl. auch Psalm 119,114 „Du bist mein Schutz und mein Schild…“ סתרי ומגני אתה….

Zeile 5-13: Akrostychon: Die Anfangsbuchstaben ergeben den hebräischen Vor- und den Nachnamen der Verstorbenen (Malka Weiß).


Biografische Notizen

Ehemann: Moritz (Mose Aaron) Weiß, gest. mit 37 Jahren am 02. Oktober 1846, begraben am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt.

Material und Maße des Grabsteins

Quarzit, 170/55/32

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