Archiv jüngerer jüdischer Friedhof Eisenstadt

Markus / Miksa (Mordechai) Ungar, 05. Tammus 646 (= Donnerstag, 08. Juli 1886)

Standortnummer: 932

  • Grabstein Ungar Markus - 08. Juli 1886

    Foto 1993

  • Grabstein Ungar Markus - 08. Juli 1886

    Foto 2016


Die Grabinschrift

Inschrift Mordechai Ungar: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] H(ier liegt) b(egraben) פ“נ
[2] der edle und angenehme u(nver)h(eiratete) M(ann), הבח’ היקר והנעים
[3] d(er ehrenhafte) H(err) Mordechai Ungar, כה מרדכי אונגאר
[4] Sohn d(es ehrenhaften), erhöhten H(errn) He[r]sch Löb Ungar. בן כ’ה המרומם ה[ר]ש ליב אונגאר
[5] S(eine Seele) g(ing hinweg) am 5. Tammus des jahres 646 n(ach der) k(leinen) Z(eitrechnung). י’נ ה תמוז שנת תרמו לפק
[6] Es starb וימת
[7] Mordechai in gutem Ruf, noch jung an Jahren. מרדכי בשם טוב עוד רך בשנים
[8] Seine Schritte gründeten auf Geradlinigkeit und auf der Weisheit der Alten. צעדיו בנו במישור ודעת זקנים
[9] Sehr lieb wa(r) er all seinen Familienangehörigen. חביב מאוד הי לכל בני משפחתו
[10] Ein Klagelied [st]immten sie am Tag seines Todes [über i]hn an. קול נהי ביום מותו (עלי)ו (י)ללו
[11] S(eine) S(eele) m(öge eingebunden sein) i(m Bund) d(es Lebens). תנצבה
[12] קכג



Anmerkungen

Zeile 7: Vgl. Berachot 17a „…Heil dem, der … mit gutem Namen gestorben ist …“ …אשרי…שנפטר בשם טוב…; vgl. auch babylonischer Talmud, Traktat Avot II,8 „…hat er einen guten Namen erworben, hat er etwas für sich erworben“. Der gute Name kommt im Gegensatz zu allen anderen geistigen und sittlichen Gütern fast ausschließlich dem Besitzer zugute und bleibt auch nach dem Tod sein eigen (Hirsch Samson Raphael, Siddur. Israels Gebete, Zürich-Basel 1992, 443); s. auch Avot IV, 7 „… Drei Kronen gibt es: die Krone der Tora, die Krone des Priestertums und die Krone des Königtums; die Krone des guten Namens aber erhebt sich über sie“ ‎‏‏ … שלשה כתרים הן: כתר תורה וכתר כהונה וכתר מלכות: וכתר שם טוב עולה על גביהן.

רך בשנים: s. dazu Kommentar des Raschi sowie Targum zu Genesis 41,43 „… man rief vor ihm (Josef) aus: ‚Abrech‘ …“ …וויקראו לפניו אברך …. Die Buchstaben des Wortes אברך werden als Notarikon gesehen und in die Eigenschaften Josefs aufgelöst: אב בחכמה und רך „ein Vater der Weisheit“ und „jung/zart“ an Jahren“); s. auch GenesisRabba 90,3 mit gleicher Deutung.

Zeile 8: Die gesamte Inschrift dürfte später nachgezogen worden sein. Dabei wurden bei den ersten beiden Worten dieser Zeile statt ו am Schluss jeweils irrtümlich ein ן geschrieben; der erste Buchstabe des 2. Wortes ist unsicher. Die ursprüngliche Inschrift ist an dieser Stelle nicht mehr sicher zu erkennen.

Zeile 10: Jeremia 9,18 קול נהי.

Vgl. Targum zu Ezechiel 27,32 „…stimmten sie über dich ein Totenlied an …“ …וילילון עלך….

Zeile 12: Die drei hebräischen Buchstaben auf der linken Seite des Grabsteines bezeichnen wahrscheinlich eine frühere Nummerierung (Zahlenwert: 123).


Biografische Notizen

Markus / Miksa (Mordechai) Ungar, geb. 21. Oktober 1872 in Eisenstadt (Mutter: „Betti“).

Matriken Geburt Markus Ungar

Matriken Geburt Markus Ungar

Matriken Tod  Miksa Ungar

Matriken Tod Miksa Ungar


Vater: Leopold (Zvi Jehuda) Ungar, gest. 16. August 1907
Mutter: Barbara (Betti/y, Babette, Bertha) Ungar, geb. Guttmann, gest. 17. August 1905

Schwestern:
Rosa (Rebekka) Opler, geb. Ungar 13. April 1869 in Eisenstadt, gest. 03. Juli 1919 (Geburtsmatriken Mutter: „Adelheid“, s. Matrikeneintrag bei Rosa Opler)

Johanna Ungar, geb. 21. Juli 1876 in Eisenstadt,

Friederike / Fri(e)da (Feile Chaja) Ungar, geb. 14. Juni 1880, gest. 13. Dezember 1900

Brüder:
Samuel Ungar, geb. 29. Mai 1866 in Eisenstadt, Israelitengasse 128,

(Leopold) Philipp Ungar, geb. 17. Jänner 1868 in Eisenstadt, Israelitengasse 127, gest. 26. Mai 1879

Gustav Ungar, geb. 12. Oktober 1874 in Eisenstadt

Moritz Ungar, geb. 17. August 1878 in Eisenstadt 15

Heinrich (Chajim) Ungar, geb. 29. Jänner 1882 in Eisenstadt 22, gest. 25. August 1895


Material und Maße des Grabsteins

Kalksandstein, 115/52/13

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